Dichands wollen Anteile nicht verkaufen

20. Juni 2010, 18:39
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Man bereite gerade ein Angebot für den Rückkauf der WAZ-Anteile vor

Wien - Nur einen Tag nach Hans Dichands Tod signalisierte die WAZ bereits Interesse, den frei gewordenen Hälfteanteil an der "Kronen Zeitung" zu übernehmen. Daraus wird vorerst nichts: Via Samstag-Krone lässt die Familie Dichand ausrichten: "Wir denken nicht daran, etwas zu verkaufen." Die Nachfolge von Hans Dichand bei der Zeitung sei familienintern längst geregelt. Vielmehr bereite man gerade ein Angebot für den Rückkauf der WAZ-Anteile vor.

Auffassungsunterschiede 

Dass die WAZ das Kleinformat ganz übernimmt, hält Krone-Vize Georg Wailand für "nicht sehr wahrscheinlich". Er geht davon aus, dass die Redaktion "in der Konstellation weiterarbeiten werde", sagte Wailand in der ORF-Runde der Chefredakteure.

Vergangenes Jahr hatte die WAZ Dichand angeboten, bei der Krone auszusteigen. Gespräche über einen Rückkauf des 50-Prozent-Anteils scheiterten jedoch am Preis. Die WAZ verlangte rund 200 Millionen Euro. Die Dichands boten kolportierte 130 bis 160 Millionen. Familieneinheit nach außen zu demonstrieren steht dem Dichand-Clan offenbar auch aus vertraglichen Gründen gut zu Gesicht, berichtet Profil. Nur so könnten die Dichand-Erben mit Ehefrau Helga und den Kindern Michael, Johanna und Christoph der erstarkten WAZ Paroli bieten. Im Gesellschaftervertrag ist ausdrücklich festgehalten, dass Bevollmächtigte zu bestellen sind, wenn mehrere Personen erbberechtigt sind. Laut WAZ-Verträgen müssen die Erben einen Sprecher nominieren.

Faymann soll interveniert haben

Irritationen um die Besitzverhältnisse der Krone sollen in den Wochen vor Hans Dichands Tod auch die Politik erreicht haben. Laut "Profil" habe Bundeskanzler Werner Faymann verhindern wollen, dass Dichand den Hälfte-Anteil der WAZ mithilfe von Raiffeisen zurückkauft.

Im Aufsichtsrat von Raiffeisen wurden Verzögerungen bei der Fusion von RZB und Raiffeisen eingeräumt, sollte Raiffeisen weiterhin Interesse an den Krone-Anteilen signalisieren. Faymann habe Erste-Bank-Chef Andreas Treichl gefragt, ob er sich im Verbund mit der Wiener Städtischen einen Einstieg bei der Krone vorstellen könne. (prie, APA/DER STANDARD; Printausgabe, 21.6.2010)

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