Yuan auf höchstem Stand seit 2005

21. Juni 2010, 18:19
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EU will 130 Milliarden-Euro-Handelsdefizit verringern - Besonders Maschinenbauer könnten profitieren

Wien/Peking - Die chinesische Notenbank hat wenige Tage vor dem G-20-Gipfel eine Aufwertung der Landeswährung zugelassen und damit Hoffnungen auf einen Abbau der globalen Ungleichgewichte genährt. Der Kurs des Yuan stieg am Montag zum Dollar um 0,42 Prozent auf 6,7970 und erreichte damit den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die chinesische Notenbank begrenzte den Kursanstieg, anders als in der Vergangenheit, nicht und hielt sich damit an ihr Versprechen vom Wochenende, die feste Bindung des Yuan an den Dollar aufzuweichen.

Analysten sehen darin aber vor allem den Versuch Chinas, einem Handelsstreit mit den USA aus dem Weg zu gehen. Die USA erwirtschaften mit China nach wie vor ein gewaltiges Handelsbilanzdefizit (siehe Grafik). Washington macht dafür die Unterbewertung des Yuan verantwortlich. Ein höherer Kurs des Yuan verteuert chinesische Exporte, verbilligt aber Einfuhren aus dem Dollar-Raum nach China.Peking hält den Yuan gegenüber dem Dollar seit Mitte 2008 in einer engen Bandbreite. In den vergangene Monaten hat Washington Peking mit Strafzöllen gedroht.

Daimler und BMW gewinnen

Wie weit sich Chinas Währungspolitik verändern wird, ist aber noch unklar. Die chinesische Notenbank hat am Wochenende angekündigt, den Yuan an einen Währungskorb zu orientieren. Pro Tag darf sich der Yuan-Kurs aber maximal um 0,5 Prozent nach oben oder unten bewegen, die gleiche Spanne wie schon in den vergangenen Jahren. Zuletzt wurde dieser Rahmen aber nicht ausgeschöpft, die Zentralbank schritt regelmäßig ein und kaufte etwa Dollar, um größere Kursanstiege der chinesischen Währung zu verhindern. Inzwischen ist China der größte Gläubiger der USA.

Eine Abwertung des Yuan hätte aber auch für Europa große Bedeutung. China ist hinter den USA der zweitgrößte Handelspartner der EU und der größte Warenlieferant in die Union. Das Handelsbilanzdefizit der Union mit China ist kleiner als jenes der USA, liegt aber laut EU-Kommission immer noch bei rund 130 Milliarden Euro.

Das Defizit entsteht vor allem beim Handel mit Telekommunikations- und Büroausrüstung, Textilien, Stahl und Eisen. Wenn China nun abwertet, könnte das die europäischen - also allen voran deutschen - Exporte in die Volksrepublik ankurbeln.

Marktbeobachter zeigten sich aber zurückhaltend, am ehesten könnte noch die Automobilbranche profitieren. Daimler, BMW und Porsche, die viele Autos komplett nach China exportieren, zählten zu den größten Gewinnern an der Frankfurter Börse. Autoexperte Christoph Stürmer vom Beratungsinstitut Global Insight rechnet auch mit positiven Effekten für Zulieferer wie Bosch, die in Deutschland Teile für den chinesischen Markt produzieren. Hoffnungen machen sich auch die Maschinenbauer. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet durch die neue Wechselkursflexibilität mit Rückenwind für deutsche Exporteure. "Viele Chinesen können sich bislang deutsche Waren nicht leisten", sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier zu Reuters. Das könnte sich mit einem stärkeren Yuan ändern.

Profitieren dürften auch Währungen mit starker Anbindung an den Yuan wie etwa der Australische Dollar und der koreanische Won. (Reuters, szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2010)

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    Wie weit darf der Yuan noch steigen? Am Montag legte die chinesische Währung um 0,42 Prozent zu. Für Pekings Notenbanker war das ein großer Schritt.

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