Deutscher Minister

Kontroverse um Gaza-Einreiseverbot für Dirk Niebel

21. Juni 2010, 13:34

Merkel: Besuch Niebels wird nachgeholt - Westerwelle fordert komplette Öffnung

Berlin - Die israelische Entscheidung, dem deutschen Entwicklungsminister Dirk Niebel die Einreise in den Gazastreifen zu verbieten, hat diplomatische Irritationen erzeugt. Bundeskanzlerin Angela Merkel gehe davon aus, dass der FDP-Minister diesen Besuch nachholen könne, erklärte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag vor der Presse in Berlin. Außenminister Guido Westerwelle hat Israel unmissverständlich aufgefordert, den abgeriegelten Gazastreifen komplett zu öffnen. "Die Abriegelung führt nur dazu, dass die Fundamentalisten gestärkt und die Menschen geschwächt werden", sagte Westerwelle in Berlin.

Niebel wollte die Umsetzung von wichtigen Entwicklungsvorgaben erörtern und die Erwartungen Deutschlands und der Europäischen Union hinsichtlich einer deutlichen Verbesserung der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung kundtun. Die deutsche Bundesregierung sehe durch den Vorfall das enge und vertrauensvolle Verhältnis zu Israel aber nicht belastet, sagte Steegmans. Unter Freunden könne es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommen.

Niebel: Einreiseverbot sei "politischer Fehler"

Niebel, der am Montag in Jerusalem mit Staatspräsident Shimon Peres zusammentraf, forderte von Israel mehr Transparenz. Als Demokratie dürfe das Land nicht verkennen, wie gefährlich es sei, wenn man Transparenz verhindere, sagte der FDP-Politiker, der auch Vizepräsident der deutsch-israelischen Freundschaftsgesellschaft ist, in einem ARD-Interview. "Und zu Transparenz gehört halt auch der eigene Augenschein." Dass Israel ihn nicht habe einreisen lassen, halte er "nach wie vor für einen politischen Fehler". Dass Israel nun die Blockade lockern und die bisherige Positivliste für wenige erlaubte Güter durch eine begrenzte Negativliste mit verbotenen Produkten ersetzen wolle, nannte Niebel "ein gutes Zeichen, ein Schritt wirklich in die richtige Richtung". Jedoch müsse nun geschaut werden, ob die Änderung der Einfuhrbestimmungen auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt werde. "Das erhöht die Glaubwürdigkeit", betonte der Minister. Er forderte zugleich eine "komplette" Aufhebung der Gaza-Blockade.

Außenamtssprecher Andreas Peschke erklärte, die deutsche Regierung nehme die von Israel angegebenen Gründe für die Einreiseverweigerung "zur Kenntnis". Angesichts des großen deutschen humanitären Engagements hätte man sich gewünscht, dass sich auch "der zuständige Fachminister vor Ort ein Bild hätte verschaffen können". Der Sprecher verwies auf die jüngsten Besuche von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und EU-Außenministerin Catherine Ashton im Gazastreifen. Das israelische Außenministerium hatte erklärt, die radikale Hamas würde Besuche ausländischer Politiker zu Propagandazwecken nutzen. Niebel war in Gaza mit Vertretern des UNO-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) verabredet. Er sagte wegen des israelischen Verbots einen Besuch in Sderot ab, der südisraelischen Stadt, die unter Raketen palästinensischer Extremisten am meisten zu leiden hat. Die Zeit, die Israel angesichts der weltweiten Proteste gegen seine Gaza-Blockade und der festgefahrenen Verhandlungen mit den Palästinensern noch bleibe, neige sich dem Ende zu. "Es ist für Israel fünf Minuten vor zwölf", sagte Niebel laut Presseberichten.

Merkel begrüßt Lockerung der Blockade

Merkel hat die Entscheidung Israels begrüßt, die Blockade des Gazastreifens weiter zu lockern. Die Kanzlerin sei davon überzeugt, dass durch eine schnelle und effektive Lieferung von humanitären Gütern und Baumaterial für den Wiederaufbau die Lage der Menschen in dem Gebiet gebessert werden könne. Wegen des Fehlens von Baumaterial konnten die annähernd 3.600 Häuser, die während der dreiwöchigen israelischen Gaza-Offensive Anfang 2009 zerstört wurden, nicht wieder aufgebaut werden. 1.400 Palästinenser wurden bei der Offensive getötet und über 5.000 weitere verwundet. Steegmans forderte die Hamas zum Dialog mit Israel und zur Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit auf.

Alle deutschen Bundestagsparteien verurteilten das israelische Verhalten. Die "Verweigerungshaltung Israels ist nicht nachvollziehbar", sagte SPD-Vizefraktionschef Gernot Erler in Berlin. Als "unklug" bezeichnete der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), die israelische Vorgehensweise. Die grüne Außenpolitikerin Kerstin Müller nannte es "völlig inakzeptabel", dass europäischen Politikern die Möglichkeit genommen werde, sich ein Bild von der Lage in dem palästinensischen Gebiet zu machen. Union, FDP, SPD und Grüne bereiten derzeit eine gemeinsame Resolution zur Gaza-Blockade vor. Die vom israelischen Sicherheitskabinett beschlossene Lockerung könne nur ein erster Schritt sein, heißt es in dem Entwurf. Gefordert werden soll die vollständige Aufhebung der Blockade. Die Fraktionen verständigten sich laut Medienberichten auch auf eine gemeinsame Linie zum gewaltsamen israelischen Einsatz gegen die Gaza-Solidaritätsflotte, bei dem in internationalen Gewässern neun Menschen getötet worden waren.

Zentralrat der Juden: Ungeschicktes Verhalten Niebels

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte Niebel. Das Verhalten Israels sei zwar "undiplomatisch", sagte Generalsekretär Stephan Kramer. Niebel habe die Haltung Israels aber gekannt: "Es war sehr ungeschickt, wie Niebel das Ganze hat sich zuspitzen lassen." (APA/Reuters)

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Der Weise von Zion
00
24.6.2010, 15:27

die fdp, ein freund israels, wie man seit dem geldfluss der erdölstaaten zu möllemann weiß

Der Kobold
05
21.6.2010, 23:39
"Niebel habe die Haltung Israels aber gekannt..."?

Wessen Haltung genau meint der Zentralrat der Juden in Deutschland?
Niebel sagte, er habe zuerst das Okay des israelischen Verteidigungsministeriums für den Besuch bekommen. Dann habe das Außenministerium nein gesagt.
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1003911

King David
56
21.6.2010, 16:16
Israel kann mit Kritik nicht umgehen

Einen sehr guten Kommentar gibt es im Spiegel. Er trifft imho haargenau ins Schwarze.

http://www.spiegel.de/politik/a... 40,00.html

Ybes
30
21.6.2010, 15:29
merkwürdiger Satz

5 Minuten vor Zwölf...
was geschieht denn um Zwölf? war das eine Drohung?

Mostbluzza
01
22.6.2010, 10:21
ja leichte paranoia

ist schon vorhanden da unten.

vor dem dt. entwicklungshilfeminister und einem freund des landes würde ich mich auch fürchten ...

gladio
13
21.6.2010, 17:46

Um zwölf könnte ein eigener Palästinenserstaat ausgerufen werden.

Fridolin der Große
510
21.6.2010, 15:04
Niebel war als junger Mann freiwillig im Kibbuz.

http://www.spiegel.de/politik/a... 40,00.html

"...Als junger Mann volontierte er im Kibbuz Kfar Giladi an der Grenze zum Libanon. Der ehemalige Fallschirmspringer hat in der Vergangenheit die Militäraktionen des jüdischen Staates ein ums andere Mal verteidigt. Er ist Vize-Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft."

Der wird sicherlich mittlerweile Lehren daraus gezogen haben, was aus Israel, dem Land der einst verfolgten, geworden ist.

Aus dem Opfer wurde Täter.

xxxxXXXX111
13
21.6.2010, 11:09

der ZR schwingt schon die keule!

Ulrich Nagel
02
21.6.2010, 18:52

Jemanden "ungeschickt" zu nennen ist fuer sie eine Keule?
Ich halte die israelische entscheidung nicht fuer "undiplomatisch" sondern eine frechheit. Der ZR nimmt fuer mich eine problematische, israel wieder einmal nicht widersprechende, position ein, die wahrscheinlich nicht im Interesse der juden D. ist. Aber Keulen sehen und vermelden nur Sie, und das wahrscheinlich aus einem leicht verstaendlichen grund.

Norbert Theodor Bertel
 
70
21.6.2010, 10:18
Ratschläge können Schläge sein

Einem guten Freund zu sagen, was man in einer bestimmten Situation für wichtig hält ist richtig. Wenn aber gegenüber Freund und Öffentlichkeit der Eindruck entstehen muss, das der Ratschlag das einzige absolut richtige sei, wird daraus "öffentliche Prügel". Nachdem nun seit längerer Zeit der Zugang ranghoher ausländischer Politiker nach Gaza aus innenpolitischen Gründen in Israel versagt wurde, hätte niemand erwarten sollen, dass da Ausnahmen möglich sind - noch dazu in der gegenwärtigen kritischen Zeit wichtiger Veränderungen im Verhältnis von Israel und dem Gazastreifen.

Ulrich Nagel
01
21.6.2010, 18:58

Sie picken ein bisschen sehr an der Metapher der Rat/schlaege. Hier ging es um eine ganz einfache Augenscheinmission, die von isolationistischen israelischen Politikern verhindert wurde. Man braucht hier keine Ausnahme sondern jeder "ranghohe" politiker sollte das recht haben sich selbst von den lebensbedingungen/terrorfabriken in Gaza zu ueberzeugen.

Com Pirx
19
21.6.2010, 10:42

Sie haben es selbst formuliert, wo das zentrale Problem liegt. Israel und die Hamas werden auch in Zukunft miteinander zu tun haben. Die Wunschvorstellung der Israelis, dass das Hamas-Regime stürzt, wenn man nur die Bevölkerung in Gaza möglichst stark von der Außenwelt isoliert, hat nicht funktioniert und wird auch nie funktionieren.

Es ist an der Zeit, dieses Zusammenleben zwei einander feindlich gesinnter Regime auf eine vernünftigere Grundlage zu stellen.

hans kerbler
72
21.6.2010, 14:38
regime?????

warum ist israel ein regime????
und nicht israel ist feindlich gesinnt - lies mal die hamas-charta, in der ganz klar gesagt wird, wie die Hamas sich den weg zum frieden vorstellt - in einem islamischen gottesstaat nach der "befreiung" von ganz palästina, sprich nachdem alle juden ins meer gejagt wurden....
die charta der hamas verlangt die auslöschung israels, auch heute noch. und auch heute noch wird in arabische Schulen die gesamte fläche israels als palästinensisches land bezeichnet. täglich wird in den moscheen zur zerstörung israels aufgerufen.
und da wollen sie israel mit der hamas in einem atemzug nennen??

grumbleduke
 
11
22.6.2010, 21:15
Den Vergleich, wer mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat, Israel oder die Hamas würde ich - zum Wohle Israels - nicht mal ansatzweise andenken wollen.

Die IDF tötet in einem "gerechten Feldzug" mehr Zivilisten als die Hamas in zehn Jahren.

Dessen ungeachtet:
Die Hamas plant Israel auszulöschen, weil Israel seit 40 Jahren nicht in seinem Bestreben nachlässt, die Palästinenser zu unterdrücken.

Die Hamas wünscht Israel das an den Hals, was jeder Erniedrigte und Geknechtete seinem Folterer und Unterdrücker an den Hals wünscht.

Und zum Thema "Regime":
Israel wäre eine fantastische Sache - ganz besonders in dieser Region. Aber dass die israelische Politikerkaste bevorzugterweise ihren Generälen und Ex-Generälen den Weg in die Spitzenpolitik ebnet, kann auch nur ein Blinder übersehen.

Israel _ist_ eine "demokratisch gewählte" Militärjunta.

Tower Hill
23
21.6.2010, 18:18
"...und nicht israel ist feindlich gesinnt..."

Mhmm, wirklich nicht? Weshalb dann Siedlungen?

Nick Tameer
103
21.6.2010, 09:03

Ungeachtet aller damit verbundenen völkerrechtlichen und politischen Fragen - verstehen kann ich die Isaraelis schon. Ich würde Herrn Niebel bei mir auch nicht reinlassen.

Speaker of the US Congress
217
21.6.2010, 12:29
Völkerrechtliche Fragen?

Um so zeugs hat sich Israel noch nie geschert.

hans kerbler
142
21.6.2010, 13:56
märchen

ist das dein märchen, dass von den "bösen in israel" oder hast du dir den bären bei einer persischen märchenstunde auftischen lassen?

Der Kobold
15
22.6.2010, 00:00
Sie gehören

zum treuen Kreis der Hasbarat, deren pro-Israel Postings aus dem Budget des israelischen Außenministeriums bezahlt werden?
http://www.counterpunch.org/cook07212009.html

grumbleduke
 
26
21.6.2010, 16:07
Hmm, wie war das mit Ost-Jerusalem?

Die Annektierung von Ost-Jerusalem ist gemäß UN-Resolution und Völkerrecht illegal-

Und das kümmert Israel jetzt genau wie sehr?

Eben! Gar nicht!

Es ist Israel, die dürfen das.

ana hot imma des bummerl
04
21.6.2010, 14:55
Wenn es Ihnen nicht zu viel Mühe macht

sollten Sie sich einmal eine Liste der UN-Resolutionen zu Gemüte führen. Dann würde Ihnen auffallen, dass praktisch kein Land so oft auf eben jene Resolutionen gesch...en hat wie Israel.

Mostbluzza
13
21.6.2010, 09:36
blechen darf er aber schon ....

vermutlich gibts das klärwerk schon wieder gar nicht ...

was er noch sagte und hier natürlich nicht steht:

"Die Zeit, die Israel angesichts der internationalen Proteste gegen die Gaza-Blockade und der stockenden Friedensverhandlungen mit den Palästinensern noch bleibe, neige sich dem Ende zu. 'Es ist für Israel fünf Minuten vor 12', sagte Niebel. Israel sollte jetzt jede Chance nutzen, "um die Uhr noch anzuhalten"'. (heise).

Solidarität mit den Reichen und ihren Zuhältern!
15
21.6.2010, 01:01
Eine Zensur findet nicht statt.

Borg101 (Flip Mode)
03
21.6.2010, 11:01
Im Falle DerStandard.AT geben ich Ihnen 100%ig Recht ;-)

zimbo
 
24
21.6.2010, 08:26
Wenns auch was schreiben, was nicht gehört werden darf.

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