Ein bisschen wie bei den Waltons

19. Juni 2010, 23:29
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Der Bierbrauer Michael Harmer lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Palais in Wien Ottakring

Der Bierbrauer Michael Harmer lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Palais in Wien Ottakring – bis die Kinder aus dem Haus sind, erfuhr Michael Hausenblas.

"Meine Frau Marion und ich haben fünf Kinder zwischen vier und dreizehn Jahren. Da kann man sich denken, dass Platz für uns das Wichtigste ist. Ich denke, das ist auch der Grund, warum wir hier in diesem Vorstadtpalais im 16. Bezirk wohnen. Über dem Eingangsportal hängt ein Schild mit der Jahreszahl 1885. Gebaut wurde das Haus im Historismus-Stil vom damaligen Besitzer der Ottakringer Brauerei.

Die Wohnung im ersten Stock hat 300 Quadratmeter, aufgeteilt auf neun Zimmer. Im Erdgeschoß gibt es Wirtschaftsräume, einen Gästebereich und solche Dinge halt. Und dann gibt es noch einen großen Garten mit einem schönen Teich. Im Nachbarhaus, das direkt anschließt und in das man durch einen großen Durchgang gelangt, ist mein Büro untergebracht. Auch meine Eltern wohnen dort.

Zum ersten Mal wurde das Haus von meinen Großeltern in den Fünfzigerjahren umgebaut. Meiner Frau und mir war es sehr wichtig, dass wir das Schwere, das Alte rausbringen von hier. Die Räume waren vollgestopft mit Antiquitäten. Außerdem war es viel zu dunkel. Die Vorhänge flogen als Erstes raus. Dann haben wir Zwischenwände und Zwischendecken entfernt. Der Salon neben der Küche hat gut 80 Quadratmeter, der war in seiner Großzügigkeit aber gar nicht mehr erkennbar, und es gab kaum Tageslicht. Es war zwar alles piekfein, aber halt überhaupt nicht heimelig.

Ich denke schon, dass wir es geschafft haben, eine gewisse Lässigkeit in dieses Haus hereinzubringen. Man muss nicht mehr mit offenem Mund dastehen, wenn man zu uns kommt. Das war uns das Wichtigste. Es sollte einfach unserer Generation entsprechen, und dafür war es wichtig, diese Repräsentationsfunktion zu eliminieren. Es ging um ein Entkrampfen und Entprotzen dieses Gebäudes.

Wenn wir nur zu zweit wären, dann hätten wir bestimmt ein anderes Zuhause. Wahrscheinlich würden wir in einem Hochhaus ganz oben wohnen. Das stelle ich mir angenehm vor. Was sollten denn zwei Menschen allein in diesen riesigen Räumen machen? Ich würde auch gern die Hälfte des Jahres in einer Wohnung in Venedig, New York oder London wohnen. Aber mit den Kindern spielt's das jetzt nicht. Natürlich beeinflusst der Nachwuchs das Aussehen der Wohnung. Zum Beispiel flog der Spannteppich nach dem x-ten Mal Reinigen einfach raus. Dasselbe gilt für Vasen und viele andere Dinge.

In einem Raum haben die Kinder Fernseher und Computer, im Salon tanzen und springen die Mädchen, und in der Küche haben wir jeden Tag gemeinsames Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Ein bisschen geht es hier dann zu wie bei den Waltons.

Die Küche ist der absolut zentrale Ort der Wohnung. Auch wenn Freunde kommen, sind wir hier. Es wäre doch absurd, wenn ich mich im Wohnzimmer um die Getränke von ein paar Gästen kümmern würde, während Marion allein in der Küche steht und kocht.

Wir haben eigentlich nicht besonders viel Besuch. Mir kommt vor, viele Bekannte in unserem Umfeld sind total mit ihren Kindern beschäftigt. Uns geht es genauso. Alle sind müde oder kriegen keinen Babysitter. Bis man sechs Leute beisammen hat, dauert es oft drei Wochen.

Ich denke, man wohnt, wie man lebt und umgekehrt. Das reicht von den Möbeln, die wir haben, bis zur Art, wie wir den Garten verwenden. Wegen der Kinder verbringen wir die meiste Zeit hier. Wir können hier alles tun – bis auf Ins-Kino-Gehen oder Ähnliches. Das ist ein richtig kleines Universum. Ich arbeite, wie bereits erwähnt, sogar unter diesem Dach. Das ist in der jetzigen Lebenssituation natürlich optimal und sehr effizient.

Der schönste Moment, was das Wohnen betrifft, ist, wenn ich mich am Sonntag aufs Sofa lege, eine Jazz-CD einlege, die Kinder im Garten toben und ich einfach einschlafe." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.6.2010)

Zur Person

Michael Harmer, 1966 in Wien geboren, studierte Architektur, schloss dann aber ein Volkswirtschaftsstudium an der Universität Wien ab. Nach einiger Berufserfahrung und Auslandsaufenthalten, unter anderem in Neuseeland, stieg er 1996 ins Familienunternehmen ein, das neben dem Stammbetrieb einer Landwirtschaft in Spillern und einigen Immobilien in Wien die Brauereien Kapsreiter und Grieskirchner führt. 1996 heiratete er seine Frau Marion.

  • Michael Harmer, seine Frau Marion und drei von fünf Kindern im Salon.
Die anderen beiden dürften im riesigen Ottakringer Domizil kurzfristig
verschollen sein.
(Foto: Lisi Specht)
    foto: lisi specht

    Michael Harmer, seine Frau Marion und drei von fünf Kindern im Salon. Die anderen beiden dürften im riesigen Ottakringer Domizil kurzfristig verschollen sein.

    (Foto: Lisi Specht)

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