Helio D. mit Max Kamenar, aufgenommen in Österreich.

Pickl: "Wir machen das, weil es uns Spaß macht, weil es uns zu Herzen geht."

Kurz vor einem Auftritt.

Sänger Helio D. bei einem der Projekte an Schulen.
Bei positivo mozambique macht der Name Programm: Positiv denken. Musik machen, Lebensfreude ausdrücken, HIV bekämpfen. Seit Jahren arbeitet eine kleine Gruppe unterschiedlichster Menschen in Mosambik, gelegen östlich von Südafrika, gegenüber von Madagaskar, daran, HIV-Aufklärung in das Land zu bringen. Ihr Hilfsmittel: Musik. Ihre Projekte führen sie an Schulen, in Fabriken, an öffentliche Plätze jeder Art. Sie binden die Menschen ein, lassen sie Fragen zu dem Thema stellen, dass in Mosambik von Unwissenheit und Lügen geprägt ist. Anschließend wird die Information in Lieder verarbeitet. Was einen dazu bringt, welche Erfahrungen man damit macht und wie die Resonanz ist, sagt einer der Gründer, Roland Pickl.
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derStandard.at: Wer ist positivo mozambique?
Roland Pickl: Das ist eine mosambikanischer Verein, eine Association, die im Bereich des Gesundheits und Sozialwesen mit Musik und Jugendlichen arbeitet. Das Kernteam besteht im Moment aus einem Mosambikaner, zwei Engländern, einem französischen Journalisten und Dokumentator und mir.
derStandard.at: Was genau macht ihr in Mosambik?
Pickl: Einerseits machen wir Workshops, in denen wir Musik mit jungen Leuten an Schulen aufnehmen, aber auch in Fabriken mit Arbeitern. Andererseits veranstalten wir Festivals und Events in Städten und am Land. Das, worum es in erster Linie geht, ist die Botschaft mit Musik zu verbinden, um die Schüler und Jugendlichen besser zu erreichen. Mittlerweile haben wir ein Musikstudio in Inhambane eingerichtet, um eine Ausbildung zum Produzenten und Studiotechniker voranzubringen.
derStandard.at: Wie läuft so ein Projekt an einer Schule ab?
Pickl: Das geht über mehrere Tage. Am Anfang stellen wir uns mal vor und lernen einander kennen. Oft spielen wir zu Beginn auch ein Konzert. In den nächsten Tagen wird über die Problematik mit Aids geredet, die Schüler können Fragen stellen und müssen auch welche beantwortet. Dann geht es daran Songtexte zu schreiben, die werden anschließend vertont - von den Schülern selbst, mithilfe lokaler Musiker. Dann gibt es einen Tag wo die Lieder aufgenommen werden, und noch eine Endpräsentation der Musikstücke vor allen Leuten.
Videobeitrag über die Arbeit der Gruppe bei einem Projekt an einer Schule in der Provinz Manica
derStandard.at: Was ist mit den anderen Projekten?
Pickl: Wir haben ein stillgelegtes Kino in Inhambane wieder aufgebaut, wo wir vor allem afrikanische Filme spielen. Außerdem organisieren wir Festivals, andere live Events, Videos, produzieren Musiker aus der Gegend. Wir versuchen die Leute über einen anderen Zugang über das Thema HIV aufzuklären. Vor allem Jugendliche haben so eher Interesse daran und hören eher zu.
derStandard.at: Wie kam es zur die Idee des Projekts?
Pickl: Ich war mit dem mosambikanischen Sänger Helio D. in einer Krankenstation in Mittelmosambik. Wir hatten dort ein Konzert und haben die Leute dazu animiert HIV-Tests zu machen - mit großem Erfolg. Und da kamen wir auf die Idee, beides miteinander zu verbinden.
Mittlerweile hat sich eine Gruppe von fünf Leuten gebildet, die Administration und Werbung für dieses Projekt übernommen haben. Helio und ich kümmern uns um die musikalische Seite. Die aufgenommenen Lieder der Schüler mit den Texten zu HIV laufen übrigens im heimischen Fernsehen und Radio.
derStandard.at: Warum machen Sie das?
Pickl: Das hab ich mich nie gefragt, vielleicht weil ich nichts anderes machen will. Musik ist schöner, wenn man sie mit vielen Menschen macht, die Lust und Talent dazu haben. Sie gibt einem die Möglichkeit, Dinge direkt anzusprechen und auf eine Situation aufmerksam zu machen, die ansonsten schwer gehört oder akzeptiert wird. Wenigstens gibt es die, die mithilfe von Musik sprechen können und dadurch jene beeinflußen und erreichen können, die dann die Lieder hören.
derStandard.at: Auf welche Probleme stoßt ihr vor allem?
Pickl: Es ist oft so, dass die Jugenlichen vorgefertigte Meinungen zu dem Thema HIV haben bzw. das sagen, was sie meinen, was du hören willst. Das Schwierige ist daher, vorsichtig an die Sache zu gehen, um niemanden zu verschrecken. Sonst verschließen sich die, die aber die Botschaft eigentlich kreieren sollen.
Wir selbst bieten ihnen nur Hilfestellung, um das Ganze aufzunehmen. Der Prozess des Songwritings muss von ihnen kommen, unser Sänger gibt dabei nur ein paar Tipps oder besetzt die Sänger wegen der Tonlangen um oder so. Die Meinungen kommen von der Bevölkerung. Es ist ein großes Problem, dass es soviele falsche Informationen über HIV gibt, eine hohe Ignoranz dem Thema gegenüber.
derStandard.at: Warum soll diese Art der Aids-Aufklärung mehr bringen?
Pickl: Ich will nicht sagen, dass es mehr bringt, nur dass es auf jeden Fall was bringt. Viele NGOs sind damit beschäftigt T-Shirts zu drucken und Flyer zu verteilen, um mehr Förderungen zu kriegen. Wir machen das, weil es uns Spaß macht, weil es uns zu Herzen geht. Wenn man mit Enthusiasmus an eine Sache geht, kommt was dabei raus. Und es geht nicht nur um HIV, sondern auch um den Erhalt der Kultur, um eine Animation der Bürger, die nach den vielen Jahren des Bürgerkriegs oft keine Ahnung von ihren Rechten hat.
derStandard.at: An wieviel Schulen wart ihr bisher?
Pickl: Wir arbeiten uns nicht von Schule zu Schule, das soll keine Massenabfertigung sein. Es war uns wichtig ein starkes Standbein in Provinz und Stadt Inhambane zu haben. Wir haben dort ein Kulturzentrum eröffnet und bei den Events, die wir veranstalten, wird auch HIV behandelt. Es ist wichtig präsent zu sein, immer wieder zurückzukommen. Sind wir einmal eine Zeitlang nicht da, verschwindet das alles schnell wieder. Deshalb arbeiten wir daran ein immer größeres Netzwerk aufzubauen.
derStandard.at: Was sind die schönsten Erlebnisse?
Pickl: Jeder Nachmittag, an dem wir einen Song aufgenommen haben, nachdem die Schüler zehn Stunden intensiv gearbeitet und gesungen haben, ist ein Traum. Und dann, wenn das Stück vor der ganzen Schule aufgeführt wird.
derStandard.at: Merkt ihr eine Veränderung?
Pickl: Ja, klar. Die Leute wollen eher "positivo" sein, das heißt, positiv in Bezug auf Aufklärung in Zusammenhang mit HIV, es ändert die Lebenseinstellung. Außerdem sind das Musikstudio und die Auftritte attraktiv für die junge Bevölkerung. Es wird dauernd produziert, komponiert, ausgebildet in Sachen Studioproduktion.
derStandard.at: Kriegt ihr Unterstützung?
Pickl: Wenn wir bei Events oder so Hilfe brauchen ist jeder schnell dabei. In finanziellen Dingen zahlen wir viel selbst, das meiste an Unterstützung kommt dann aus dem Ausland, hier innerhalb Mosambiks Geld aus HIV-Fonds zu kriegen ist sehr viel Bürokratie. (nik, derStandard.at, 21.6.2010)
Weitere Informationen auf der Homepage: www.mozpositivo.com
Links:
Video zu dem Workshop in der Secundary School Eduardo Mondlane in Inhambane
Fotos zu einem Projekt in einer Cashewnuss-Fabrik in Macuacua
Fotos zu einem Event mit positivo-Schülern in Inhambane
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hier geht's aber um HIV und AIDS in Moçambique!
offiziell(!) waren bereits 2007 12,5 % der bevölkerung HIV-positiv (die zahl muss man vermutlich verdoppeln).
denen ist vermutlich ziemlich wurscht, was in Österreich gefährlicher ist oder nicht!
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