Wieder schwere Kämpfe in Mogadischu

19. Juni 2010, 15:00
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Mindestens 20 Tote - Shabaab-Milizen bringen Phantomregierung in Bedrängnis

Nairobi/Mogadischu - Schwere Kämpfe im von Chaos und Bürgerkrieg heimgesuchten Somalia haben seit Freitag wieder mindestens 20 Todesopfer und Dutzende von Verletzten gefordert. Der Rundfunksender "Radio Garowe" berichtete, schwer bewaffnete Islamisten hätten Stützpunkte der Regierungstruppen im Süden der Hauptstadt Mogadischu unter Granatbeschuss genommen. Die meisten der Toten waren nach Augenzeugenberichten Kämpfer der Milizen. Aber auch mindestens fünf Zivilisten sollen unter den Opfern sein.

In den vergangenen Wochen haben die Kämpfe vor allem in Mogadischu und in Zentralsomalia an Intensität zugenommen. Die Milizen wollen die Übergangsregierung des vom Westen als gemäßigt eingestuften Islamisten Sheikh Sharif Ahmed stürzen, die nur einige Viertel der Hauptstadt kontrolliert und zunehmend zerfällt. Sharif hatte sich im Jänner 2009 von verschiedenen Honoratioren in einem Hotel in Dschibuti zum Präsidenten ausrufen lassen. Seine nur auf dem Papier bestehende Regierung hat den somalischen UNO-Sitz inne.

In Somalia ist die staatliche Ordnung bereits seit dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 zusammengebrochen. 2006 war die Armee des Nachbarlandes Äthiopien mit Zustimmung der USA in Somalia einmarschiert, die Intervention erwies sich als Fiasko. Das rücksichtslose Vorgehen der Besatzungstruppen, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten hatten wesentlich zur Radikalisierung der Bevölkerung beigetragen. Die jetzige Übergangsregierung hat nach dem Abzug der Äthiopier die Scharia eingeführt, wird aber von islamistischen Milizen hart bekämpft. In den Landesteilen Somaliland und Puntland bestehen separatistische Administrationen.

Nach Angaben des Flüchtlings-Hochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) gibt es in Somalia eineinhalb bis zwei Millionen Binnenflüchtlinge. Bis zu 600.000 Menschen sind in Nachbarländer geflohen, allein 170.000 über das Meer in den Jemen. (APA/AFP)

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