Ein Sieg für künftige Generationen

19. Juni 2010, 15:16
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Serbien nach dem historischen Erfolg gegen Deutschland im Freu­dentaumel. Subotic: "Noch nie sol­che Glücksgefühle"

Port Elizabeth - Deutschlands National-Elf richtete schon bei der Rückreise ins WM-Quartier nach dem 0:1 am Freitag gegen Serbien nach vorne. "Wir haben es noch immer selbst in der Hand im Spiel gegen Ghana", erklärte Joachim Löw mit Blick auf das Gruppen-Finale am Mittwoch in Johannesburg.

"Die Mannschaft war natürlich enttäuscht und niedergeschlagen", berichtete der Trainer von der ersten Reaktion nach dem unerwarteten Rückschlag, der urplötzlich die gesamte Mission der deutschen Spaß-Fußballer in Südafrika in Gefahr bringt. Kloses Ausschluss, der verschossene Handselfmeter von Lukas Podolski (60.) und das Gegentor durch Milan Jovanovic (38.) trafen die Mannschaft genauso tief wie die Millionen mitfiebernden Fans in der Heimat.

Schnell stärkte Löw nach der ersten Pflichtspiel-Niederlage seit dem EM-Finale 2008 gegen Spanien dem jüngsten deutschen WM-Team seit 76 Jahren den Rücken. "In der zweiten Hälfte hat sich die Mannschaft enorm aufgebäumt und Moral gezeigt", lobte er das glücklose Anrennen mit zehn Mann. Seine Spieler hätten alles versucht, zumindest das Unentschieden zu erreichen.

"Die Situation wollten wir nicht haben, dass wir im letzten Spiel dermaßen unter Druck stehen", sagte Löw.

Die Serben wiederum, die im Vergleich zum 0:1 im Auftaktspiel gegen Ghana wie verwandelt waren, haben wieder Oberwasser bekommen. Zuletzt durfte man vor 48 Jahren, damals als Teil Jugoslawiens, einen WM-Erfolg gegen die Deutschen bejubeln. "Ist das die Rückkehr der Kämpfer?", fragte Teamchef Radomir Antic. "Jener, an die die Leute nicht mehr geglaubt haben? Ich weiß es nicht, aber es zeigt uns, dass wir mehr an uns glauben müssen. Dieser Sieg ist mehr als nur ein Sieg."

Die mediale Euphorie schien grenzenlos. Die Zeitung "Blic" bejubelte einen "Sieg für die Geschichte: Deutschland ist gefallen, es gibt Hoffnung für die Adler". Und "Politika" ergänzte: "Über den Sieg gegen Deutschland werden künftige Generationen reden. In Port Elizabeth gab es ein Spiel, als wären die Rollen von Serbien und Deutschland vertauscht worden. Diesmal sind nicht wir in Schönheit gestorben."

In Belgrad formierten sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff Autokorsos, strömten Zigtausende Fans mit ihren rot-blau-weißen Fahne auf die Straßen der serbischen Metropolen und verwandelten Straßen sowie Plätze in Party-Zonen.

Wie der Sieg am Ende zustande gekommen war, Abwehrspieler Neven Subotic von Borussia Dortmund und den Teamkollegen war's egal, sie feierten nach der Rückkehr in ihrem WM-Quartier im Sunnyside Park Hotel in Johannesburg bis kurz nach Mitternacht. "Ich habe noch nie solche Glücksgefühle erlebt', verriet Subotic, der bereits seit 14 Jahren in Deutschland lebt und vom 'größten Sieg meiner Karriere" schwärmte.

Neben dem Torschützen Jovanovic wurde besonders Torhüter Stojkovic, der in der zweiten Halbzeit den Handelfmeter von Lukas Podolski glanzvoll parierte (60.), gefeiert.  Serbiens Team ist jedenfalls entschlossen, seinen Fans nach dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch in Nelspruit gegen Australien die nächste Feier zu bescheren. "Aber es wir ein weiteres schweres Stück Arbeit", meinte Abwehr-Chef Nemanja Vidic von Manchester United. "Alle Teams bei dieser WM haben große Qualität, nur kleine Details machen oft den Unterschied aus." (sid/APA/Reuters/red)

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    Serbiens routinierter Teamchef Radomir Antic mixte das richtige Rezept gegen Deutschland.

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