Warnung vor Seuchen in Flüchtlingslagern

19. Juni 2010, 17:36
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USA stocken Hilfe auf - Usbekischer Präsident: "Von außen angezettelt"

Bischkek/Taschkent/Moskau - Nach den blutigen ethnischen Unruhen in Südkirgistan stocken die USA ihre Hilfe für das zentralasiatische Land auf 32 Millionen US-Dollar (ca. 26 Mio. Euro) auf. "Wir hoffen, dass diese Unterstützung denjenigen helfen wird, die von dieser Tragödie betroffen sind." Das sagte der für Zentralasien zuständige US-Diplomat Robert Blake nach einem Treffen mit Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa am Samstag in der Hauptstadt Bischkek, wie die Agentur Akipress meldete. Als Soforthilfe hatte Washington fünf Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

In dem Konfliktgebiet ist die Lage nach wie vor explosiv. Die Behörden in der südkirgisischen Stadt Osch, die Schätzungen zufolge zu etwa 70 Prozent zerstört wurde, eröffneten Dutzende Ermittlungsverfahren wegen Mordes und Brandstiftung.

Seuchengefahr

Helfer warnen vor der Gefahr von Seuchen unter den insgesamt etwa 400.000 Flüchtlingen. "Die Lager sind überfüllt", sagte Andreas Bründer von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) der Nachrichtenagentur dpa. Wasser und sanitäre Anlagen reichten vermutlich schon bald nicht mehr aus. "Die Menschen sind stark traumatisiert", sagte Bründer, der MSF-Landeskoordinator in Usbekistan ist. "Sie erzählen schlimme Geschichten."

Blake verlangte eine internationale Untersuchung der Zusammenstöße zwischen Kirgisen und der Minderheit der Usbeken, bei denen etwa 2000 Menschen getötet wurden. Nach Ansicht des autoritären usbekischen Präsidenten Islam Karimow war nicht Rassenhass der Grund für die schweren Gefechte. "Das sind subversive Aktivitäten, die von außen organisiert und gelenkt werden", sagte Karimow. Namen nannte er Medienberichten vom Samstag zufolge aber nicht. Ziel der Aufrührer sei, das Nachbarland Usbekistan in den Konflikt hineinzuziehen.

Die kirgisische Übergangsregierung macht den im April gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew für die schweren Zusammenstöße in der zentralasiatischen früheren Sowjetrepublik verantwortlich. Deshalb sind bisher etwa 100 000 Usbeken aus Kirgistan in ihr benachbartes Mutterland geflohen.

Der usbekische Präsident nannte ebenfalls äußere Einflüsse als Ursache für die Unruhen: "Weder Usbeken noch Kirgisen kann die Schuld daran gegeben werden. Diese zerstörenden Aktionen wurden von außen organisiert und gesteuert", sagte Karimow am Samstag in Taschkent. "Das sind subversive Aktivitäten" mit dem Ziel, das Nachbarland Usbekistan in den Konflikt im Süden Kirgistans hineinzuziehen.

Kirgisische Behörden hatten berichtet, dass eine Gruppe von bewaffneten Männern aus Tadschikistan das Feuer auf Usbeken und Kirgisen eröffnet hätten, um die beiden Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuwiegeln. Ihre Auftraggeber stünden dem Familienclan Bakijews nahe.

Bakijew, der nach seinem Sturz nach Weißrussland geflohen war, wies jegliche Verantwortung für die Ausschreitungen zurück. Während ein Großteil der usbekischen Minderheit die Übergangsregierung in Bischkek unterstützt, ist der Ex-Staatschef unter den Kirgisen in seiner Heimat im Süden des Landes weiterhin beliebt. China hat wegen der Unruhen in den vergangenen Tagen seine Staatsbürger aus Kirgistan ausgeflogen.

Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa will ungeachtet der schweren Unruhen an einer für den 27. Juni geplanten Volksabstimmung über eine neue Verfassung festhalten. "Das wird auch ein Votum über meine Politik", sagte Otunbajewa dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Montag). "Danach werden wir freie Wahlen organisieren, zunächst für das Parlament, dann für das höchste Amt im Staat." Sie zeigte sich überzeugt, dass ihr Land nicht zerfallen werde. Zur Stabilisierung des Landes hofft Otunbajewa weiter auf Hilfe von außen. (APA/dpa/Reuters)

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    Geflüchtete Usbeken fordern Hilfe der Uno.

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