Rüstungsprojekte sollen Frankreich milde stimmen

18. Juni 2010, 23:26
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Bei einem Besuch in London versuchte Premier David Cameron Frankreichs Präsidenten Nicholas Sarkozy zu schmeicheln

Die EU-Linie des Briten könnte deren Freundschaft gefährden.

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Die Erinnerung an die Waffenbruderschaft im Zweiten Weltkrieg hat der britische Premierminister dazu genutzt, für eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich zu werben. "So wie unsere beiden großen Nationen in der Vergangenheit zusammenstanden, so müssen wir auch in Zukunft die großen Herausforderungen gemeinsam bewältigen" , sagte David Cameron am Freitag während eines Kurzbesuchs des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in London. Dieser erwiderte das Kompliment mit einem Hochruf "auf die Freundschaft zwischen unseren Ländern" .

Die beiden Regierungschefs sprachen am 70. Jahrestag der Radio-Ansprache, mit der General Charles de Gaulle die französische Bevölkerung im Juni 1940 zum anhaltenden Widerstand gegen die Nazi-Besatzer aufrief. Kriegspremier Winston Churchill gab de Gaulle damals Sendezeit im britischen Radio und überstimmte damit sein Kriegskabinett, das dem weithin unbekannten Panzergeneral keine Publizität gewähren mochte. Vier Jahre nach seiner Kapitulation wurde Frankreich durch britisch-amerikanische Truppen von England aus befreit - eine mit Zehntausenden von Toten und Verwundeten erkaufte Hilfe, die de Gaulle bei seinem Einzug in Paris im August 1944 mit keinem Wort erwähnte.

Sein politischer Erbe Nicholas Sarkozy und der neue Premier sprachen eine Stunde lang über die Ergebnisse des Brüsseler EU-Gipfels, die Auswirkungen der Euro-Krise sowie das Nuklearprogramm des Iran. Beide Seiten sind an einer intensiveren Militärkooperation interessiert. Das hat finanzielle Gründe, schließlich erarbeiten die Briten gerade ein umfangreiches Sparpaket, mit dem sie ihr Defizit verringern wollen.

Zudem will London den Nachbarn durch Investition in gemeinsame Rüstungsprojekte milde stimmen für die bevorstehenden Konflikte. So befürwortet Großbritannien den Beitritt der Türkei zur EU, will weniger in die gemeinsame Kasse einbezahlen und verweigert jegliche engere Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik auf EU-Ebene. Französische Pläne für eine EU-Wirtschaftsregierung lehnt Cameron ab, nicht zuletzt mit Blick auf seine euroskeptische Fraktion im Unterhaus. Innenpolitisch ist eine Annäherung an den Verbündeten Frankreich leichter zu verkaufen als ein pro-europäischer Kurs.

"Es lebe Frankreich!"

Sarkozy brachte bei seinem Besuch nicht nur Weltkriegs-Veteranen nach London, sondern auch seine glamouröse Frau Carla Bruni. Diese lächelte verzückt, als ihr Mann den Versammelten im Veteranen-Altersheim von Chelsea zurief: "Es lebe Frankreich! Es lebe Großbritannien! Es lebe die Freundschaft zwischen unseren Ländern!" (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2010)

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    Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy (li.), seine Frau Carla Bruni und Prinz Charles im ehemaligen Exil-Hauptquartier von de Gaulles "Freien Franzosen" in London.

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