Wohlwollensbekundung

18. Juni 2010, 19:45
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Die Bewunderung des Zeitungsmenschen durch Wegbegleiter und Nutznießer kannte kaum Grenzen

"Wohlwollen wird ewig siegen." Mit diesem fast richtigen Goethe-Zitat aus Dichtung und Wahrheit endete eine ORF-Dokumentation zum Ableben von Krone-Chef Hans Dichand. Der Zeitungsmacher bezog den Satz auf die Wärme, die er seinen Lesern ein Leben lang zu vermitteln versuchte; er hätte aber auch gut zu der butterweichen Grundtendenz dieser Sendung gepasst, die mit einem von entspannter Trompetenberieselung begleiteten Segelausflug Dichands begann.

Damit war der Kurs gesetzt, und die Bewunderung des Zeitungsmenschen durch Wegbegleiter und Nutznießer kannte kaum Grenzen. Dichand erklärte selbst seine Auffassungen vom "Vorhof der Macht", ein Begriff, den er mit der "Verschmitztheit" (Günther Nenning) desjenigen im Munde führte, der diese sehr wohl zu nutzen wusste. Viel kritischer wurde es nicht. Gegenrede? Analytische Schärfe? Nicht heute. Nicht im ORF.

Zur gespenstischen Patina der Sendung, die sich pietätvoll im Anekdotischen vergrub und problematische historische Verkürzungen unkommentiert im Raum stehen ließ, trug auch der Umstand bei, dass etliche der Interviewten, Helmut Zilk, Kurt Falk oder auch Nenning, selbst schon verstorben waren. Nachrufe werden zwar längerfristig vorbereitet, aber dieser erweckte eher den Eindruck, man wolle die Gegenwart absichtsvoll mit aller Macht draußen halten.

Warum wurden Faymanns Kniefall oder die anfängliche Unterstützung von Rosenkranz nicht thematisiert? Blieben die Uhren nach der Waldheim-Affäre stehen? Die Vorsicht und Behutsamkeit dieser Sendung sagt einiges aus über das Niveau der medialen Auseinandersetzung in diesem Land. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD; Printausgabe, 19./20.6.2010)

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