Frauenquote im ORF

18. Juni 2010, 19:35
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Kleiner Trost - Von Andrea Schurian

Jetzt ist es also, nach langen Wehen und komplizierter Steißlagengeburt, endlich auf die Welt gekommen, das neue ORF-Gesetz. Papa SPÖ und Mama ÖVP sind selig über ihr gemeinsames Kind, auch wenn es nicht gerade wahnsinnig hübsch geraten ist. Obwohl: Die Frauenquote ist eh schön. Die Zeit ist weiblich. Die Karriere auch. Und die Zukunft sowieso.

Doch Frauen lesen gern das Kleingedruckte. Und da steht: 45 Prozent Frauenanteil - außer, aufgepasst, in der Geschäftsführung und im Stiftungsrat. Na dann. Bleibt eh alles bei den Old Boys. Bei niedrigen Putz- und sonstigen Diensten dürfte die Frauenquote auch jetzt schon übererfüllt sein. Das Global Media Monitoring Project (GMMP) analysierte im November 2009 zum vierten Mal in 130 Ländern weltweit die Nachrichtenlage. Das wenig berauschende Ergebnis: Mehrheitlich - und zwar: sehr mehrheitlich - berichten Männer über Männer.

Nur in 16 Prozent der Nachrichten stehen Frauen im Zentrum der Berichterstattung. Nur ein Viertel der Interviewten ist weiblich, nur jede fünfte Expertise stammt von einer Frau. 48 Prozent der News stärken Geschlechter-Stereotype. Kleiner Trost: Zwar sind beim Fernsehen weltweit Männer in der und an der (Über-)Macht, präsentiert werden die Nachrichten aber zu 57 Prozent von Frauen. Egal wo und auf welchem Kanal. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe 19./20.6.2010)

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