Hochbetrieb am Gold- und Silber-Schmelzkessel

18. Juni 2010, 19:35
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Seitdem die Nachfrage nach Gold täglich steigt, müssen in der Münze Österreich zusätzliche Schichten gefahren werden

Die Münze Österreich ist ein behäbiger, traditionell ausgerichteter Betrieb. Seitdem die Nachfrage nach Gold täglich steigt – am Freitag wurde ein Preisrekord erreicht -, müssen zusätzliche Schichten gefahren werden.

Wien – Das altehrwürdige Haus gegenüber vom Stadtpark, Am Heumarkt 1, sieht auf den ersten Blick gar nicht aus wie ein Hochsicherheitsgebäude, das eine Münzprägeanstalt naturgemäß ist. Seit 1838, damals noch als k. u. k. Hauptmünzamt, werden hier Münzen aller Art geprägt.

Auf den zweiten Blick ist dies jedoch anders. Da fallen die doppelten, spitz zulaufenden Zäune um das Gelände auf, die Überwachungskameras und Sicherheitsschleusen. "Wir haben nicht unerhebliche Werte im Haus", sagt dazu Marketingmann Kurt Bock von der Münze Österreich. Hinter der historischen Front des Gebäudes mit der goldenen Aufschrift "Rei Monetariae" verbirgt sich eine hochmoderne, metallverarbeitende Produktionsstätte samt Gießerei und Schmelze. Nicht zu vergessen die zwei Tresorräume, in denen Gold und Silber gelagert werden.

"Trotzdem ist nie was passiert", bezieht sich Bock auf die zentrale Lage der Münzprägeanstalt. "Wir schauen auf einen möglichst schnellen Umschlag", sagt er. Also: geringe Lagerhaltung und schnelle Belieferung der Banken und Großhändler, sobald die Münzen fertiggestellt sind.

Nachfrage schnellte hoch

Mit Beginn der Finanzkrise schnellte die Nachfrage nach edlen Metallen in die Höhe. Als im Frühjahr die europäischen Staatskrisen so richtig virulent wurden, hatte die Münze Österreich kurzfristig Versorgungsprobleme, konnte große Stückzahlen in der gewünscht schnellen Zeit nicht liefern. "Wenn die Nachfrage immer 5000 Stück pro Tag ausmacht, und plötzlich steigt sie auf 50.000, dann kann es bei der Belieferung schon Probleme geben", erklärt Bock. "Da konnten uns die Edelmetallraffinerien das Gold nicht immer schnell genug liefern."

Mittlerweile ist wieder alles im Lot. Allerdings wird im Dreischicht-Betrieb produziert, weil die Nachfrage nach Gold- und Silbermünzen in diesen kriselnden Zeiten nicht nachlässt. In der Münze Österreich, einer Tochter der Oesterreichischen Nationalbank, werden alle österreichischen Euro- und Euro-Cent-Münzen hergestellt – egal, ob sie zum Einkaufen, als Geldanlage oder zum Sammeln gedacht sind.

220 Beschäftigte hat die Münze, plus bis zu 30 Leiharbeitskräfte. Insbesondere die schmucken Sammlermünzen oder die begehrten Philharmoniker entstehen in vielen Arbeitsschritten, benötigen bis zu ihrer Fertigstellung viele Handgriffe und werden dabei nur mit weißen Stoffhandschuhen berührt. Der Schweiß der Fingerspitzen würde einen "Film" auf der prägefrischen Münze hinterlassen, erläutert Bock.

Während im Keller mit einer Maschine Ein-Cent-Münzen geprägt werden – 700 Stück in der Minute -, werden zwei Stockwerke höher Philharmoniker gegossen, gepresst, gestanzt, poliert. Es dauert gut zwei Wochen, bis ein Goldbarren in viele glänzende Goldmünzen verwandelt ist.

Vom Teller zur Münze

Es ist eine in der Wirtschaft fast ausgestorbene Tradition, der die Münze Österreich dabei nachgeht. Das meiste, das für die Herstellung notwendig ist, wird im Haus selbst gefertigt: die Entwürfe für neue Münzen, die Rohlinge, die schrittweise Reduzierung der tellergroßen Münzmodelle aus Gips auf Prägestempel in Münzgröße. Dann die Herstellung der Prägeringe und -stempel, die speziell gehärtet werden müssen. Alle Teile und Werkzeuge müssen einen Prägedruck von vielen Tonnen aushalten.

Bei der Herstellung von Gold- und Silbermünzen wird nichts weggeschmissen. Zessalien, das sind Münzen, die einen Prägefehler haben, gehen zurück in die Schmelze. Ausgestanzte Silber- oder Goldplatten, genannt "Stanzgitter", gehen ebenfalls retour in die Schmelze. Dass es dabei auch zu "zufälligem" Schwund kommen könne, schließt Bock aus. Es werde genau Buch geführt darüber, was ausgegeben werde an Material und was zurückkommt.

Beispielhaft dafür ist die Abteilung, in der den ganzen Tag gewogen wird, ob die noch nicht geprägten Münzen, die sogenannten Ronden, das richtige Gewicht haben. Dabei werden sie sortiert: In schwer, mittel zu schwer, sehr zu schwer, zu gering. Alles, was zu schwer ist, wird in einem Zyanid-Bad auf elektrolytischem Weg behandelt, sodass das Edelmetall, das die Ronde zu viel hat, chemisch abgetragen wird.

Diese Vorzugsbehandlung genießen die Centmünzen, die im Auftrag der Nationalbank hergestellt werden, nicht. Sowieso wundert man sich, dass immer wieder neue Cent gebraucht werden. Bock hat die Erklärung: "Die Menschen sammeln sie zu Hause in Gläsern." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.6.2010)

  • Viele Arbeitsschritte bis zur Münze: oben eine Schmelze, unten die 
Überprüfung der Prägung.
    foto: standard/newald

    Viele Arbeitsschritte bis zur Münze: oben eine Schmelze, unten die Überprüfung der Prägung.

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