Mit der Spitzhacke gegen die Erinnerung

18. Juni 2010, 18:58
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Tafel mit Namen vertriebener Juden zerstört

Wien - Das einzig Positive an dem Ausbruch puren Zerstörungswillens sei "das darauf folgende Verantwortungsgefühl der betroffenen Hausbewohner" gewesen, sagt Irmtraut Karlsson, Vizeobfrau des Vereins "Steine der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes in der Josefstadt". Denn es waren die Mieter und Wohnungsbesitzer des Bernhardhofs in der Wiener Skodagasse selbst, die der Bezirksvorstehung meldeten, dass in der Nacht von 10. auf 11. Juni Unbekannte eine der vier im Gehsteig vor dem Haus eingelassenen Metallplaketten mit Namen von in der Nazizeit delogierten - und in vielen Fällen später ermordeten - jüdischen Mitbewohnern weggerissen worden war.

"Der oder die Täter müssen eine Spitzhacke verwendet haben, denn die Steine sind in den Boden einbetoniert", sagt die Ex-SPÖ-Nationalratsabgeordnete. Es handle sich um den wienweit ersten Fall von Vandalismus an einer Erinnerungstafel, deren es allein in der Josefstadt derzeit 96 gibt - und hunderte in der ganzen Stadt. "Wir sind auch in unserem Bezirk mit der Anbringung keineswegs fertig", erläutert Karlsson.

Gegen den oder die Plakettenzerstörer wurde Anzeige wegen Sachbeschädigung unter Hinweis auf einen möglicherweise rechtsextremen Hintergrund der Tat erstattet. (bri/DER STANDARD-Printausgabe, 19.6.2010)

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