Greenpeace-Chef

"US-Kongress bestes Parlament, das man für Geld kaufen kann"

18. Juni 2010 18:06

Die US-Regierung trifft mehr Schuld an der Ölkatastrophe als BP, meint Greenpeace-Chef Kumi Naidoo im STANDARD-Gespräch

Washington/Wien - "Darüber weiß ich nichts" und "ich bedaure den Unfall zutiefst" - viel mehr konnte BP-Chef Tony Hayward nicht sagen, als Kongressabgeordnete bei einem Hearing am Donnerstag von ihm wissen wollten, wie es zur Katastrophe im Golf von Mexiko kommen konnte und ob BP beim Bohren fahrlässig gehandelt habe. Genau das legen interne Firmendokumente jedoch nahe: "Was wir bisher herausgefunden haben, ist alarmierend" , meinte der Demokrat Bart Stupak.

Hilfe für Hayward kam vom Republikaner Joe Barton: Er entschuldigte sich beim BP-Chef dafür, dass die US-Regierung von BP 20 Milliarden Dollar in einem Entschädigungsfond sehen will. Das sei "Erpressung" durch das Weiße Haus. Der Abgeordnete musste sich später für die Aussage entschuldigen. Im vergangenenWahlkampf erhielt er 100.000 Dollar Spenden von Ölkonzernen.

"Wenn Sie mich fragen, wem ich mehr Schuld gebe an der Katastrophe, dann muss ich sagen: der US-Regierung" , meinte indes Greenpeace-Chef Kumi Naidoo am Freitag in Wien im Gespräch mit dem STANDARD. Denn die Regierung habe dabei versagt, sichere und strenge Regeln für Tiefseebohrungen zu erlassen.

"Wenn diese Katastrophe eines gezeigt hat, dann, dass es massive Korruption bei der Vergabe der Bohrrechte gibt" , sagt Naidoo. "Der US-Kongress ist das beste Parlament, das man für Geld kaufen kann." Der Einfluss der Ölindustrie auf die Politik müsse zurückgedrängt, das "Verschmutzer zahlt" -Prinzip Gesetz werden.

BP nicht allein schuld

Es sei verlockend, aber falsch jetzt nur BP verantwortlich zu machen. "Andere Ölfirmen wie Shell oder Texaco sind um nichts besser. Sie verhalten sich, als ob ihnen die Welt gehört. Sie haben jahrelang verhindert, dass über den Klimawandel gesprochen wird." Täglich rinne überall auf der Welt Öl aus Tiefseebohrlöchern aus - wenn auch in kleineren Mengen. "Wenn die Ölfirmen nicht bald weniger Ölfirmen und mehr Energiefirmen werden, dann werden sie zu Grunde gehen", meint Naidoo. "BP ist vielleicht nur das erste Opfer." Er sei nicht sicher, ob sich die Haltung der US-Regierung zur Ölindustrie ändern werde. Wähler sollten nur für Politiker stimmen, die sich gegen die Öllobby durchsetzen könnten.

Gelingt es BP bald, den Ölaustritt zu stoppen, dann würde sich die Wirtschaft der Golfregion in zwölf bis 18 Monaten erholen, die Natur in fünf bis zehn Jahren. Gelingt es nicht, dann könnten die Schäden nicht mehr gutzumachen sein, warnt der Südafrikaner Naidoo.

Inzwischen rinnt das Öl weiter: Erst im August, glaubt BP, wird das Loch gestopft werden können. In der Quelle lagern noch 97 Prozent des Öls, sie könnte noch bis zu vier Jahre weitersprudeln. 100 Milliarden Dollar Schaden wird die Ölpest verursachen, meint Louisianas Finanzminister John Kennedy - die 20 Milliarden, die BP zahlen will, seien nicht genug. (Tobias Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 19.6.2010)

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Mostbluzza
23.06.2010 11:54
lobbyisten bestimmen was läuft

wenn bp das wohl giftigste öl-bekämpfungsmittel ins meer schüttet, nur weils von der tochterfirma kommt, ist das ja noch mit raffgier & halbwahnsinn zu erklären.
wenn die us umweltbehörde dann den einsatz verbietet, wird weitergeschüttet.

das zeug ist mittlerweile an der küste, auf den feldern und vernichtet die ernten ... da ist das öl noch nicht mal da.

dummheit, raffier und kriminelle energie sind das ende. der moral, der umwelt und des menschen.

Nele_1
20.06.2010 17:30
Intelligenzbestie

"wen Sie mich fragen, wen ich "MEHR" die Schuld gebe" geh schleich di

Tscheina Wild
20.06.2010 12:14
die Menschheit...

...ein Virus der über die Welt herfällt! Aber hey, langfristig wird die mit uns schon fertig...

theBORG
21.06.2010 17:47
Wie heißt's so schön ?

Treffen sich 2 Planeten.
Sagt der eine "Du, ich hab Menschen!"
Darauf der andere: "Mach dir nichts draus - das geht vorbei!"

Christoph S.
 
21.06.2010 05:56
voll

die idee beruhigt mich auch immer ungemein, alles eine frage der skalierung ;)

Josef Wöss
20.06.2010 11:51

und wisst ihr, was mir angst macht? bei einer atomkatastrophe mitten in europa gings uns allen ebenso. zuerst arrogant kritiker abwiegeln,
dann blöd schauen. und die pelikane, die könnten wir sein. verjagt sie mit nassen fetzen, die arroganten.

theBORG
21.06.2010 17:48
Exakt: Versicherung nur für Klein-Unfälle

Ein echter GAU ist in Europa nicht versicherbar.

sitting bull
19.06.2010 19:59
"sie verhalten sich, als ob ihnen die Welt gehört."..

das ist ein schöner satz, über den man mal nachdenken muss...denn wie verhalten sie sich denn, in der welt, die ihnen gehört...? sie verdrecken und verschmutzen und versiffen sie...wie kein einziges tier das mit seiner umwelt tut, zu lande, im wasser in der luft...wie die ärsten kapitalisten ebene, denen ausser ihrem dollar nix heilg ist, aber auch gar nix...im gegenteil: diese typen verwandeln den planeten erde in eine latrine... un der planet stinkt schon nach ihnen, und ist dabei sich zu schütteln und zu übergeben...aber in wahrheit sind diese typen die plage der natur.

Danidel
20.06.2010 14:57
benutzen sie Erdölprodukte?

dann sind Sie einer dieser "Typen" nur hald ganz unten in der Pyramide.

irgendein/e posterIn
19.06.2010 20:38
das ist ideologieunabhängig

siehe die ökologischen katastrophen im ehemaligen ostblock.

sitting bull
19.06.2010 21:30
stimmt, Sie haben recht...

aber was ist es, das diese leute sich so verhalten lässt? haben Sie eine Idee, eine Vorstellung? Ich begreife es nicht, Ich begreife es einfach nicht.

bdbrot
 
21.06.2010 22:28
Antwort:

Es ist der unbewusste Überlebenstrieb.

Diese Menschen sehen im permanentem Streben nach Gewinn und Profit die Sicherung, den Erhalt und eine Steigerung ihres Überlebens.

Sicher ist das ein Trugschluss. Aber versuchen Sie mal einem alten Kriegsveteran sein Feindbild aus dem Kopf zu kriegen.

Bo Vist
20.06.2010 08:37

phantasielosigkeit
lieblosigkeit
erkaltung
gier

Christoph S.
 
21.06.2010 06:00

die prämissen des systems und die motivierung jedes einzelnen mitglieds in bezug auf diese, um einen unausgeglichenen und undurchsichtigen wettkampf am laufen halten zu können, bei dem wenige gewinnen, der großteil jedoch verliert.

irgendein/e posterIn
19.06.2010 22:48
wenn man ehrlich ist, dann

ist es nicht so schwer zu begreifen.

geldgier und druck.
dann denkt man sich. das geht schon gut
zu 95% geht es ja tatsächlich gut, aber die 5%, das passiert den anderen nicht mir. tja und weiter brauch ich es ja nicht zu erklären.

menschliches, allzu menschliches

hawkeyelinz
19.06.2010 19:46

kennt der unser parlament??? ^^ - aso, - er hat BESTES gesagt... - ich bin scho ruhig..

ja aber
19.06.2010 18:42
"US-Kongress bestes Parlament, das man für Geld kaufen kann"

aber auch nur solange die spenden der industriellenvereinigung nicht offengelegt werden. da würden die österreicher aber mehr schauen.

Der Kobold
21.06.2010 23:22
in der Tat!

Sowas hier http://www.opensecrets.org/ bräuchten wir auch!

schlechter Gutmensch
19.06.2010 20:08
das wäre dann wohl...

... zu viel Transparenz....
;-)

derElch
21.06.2010 13:58

das würde auch die Transpiranz (schreibt man das so?) bei so einigen Politikern ankurbeln

jMor
 
19.06.2010 18:56

glaub schon dass die den US Kongress als besser bewerten als unser Parlament

Christian S
19.06.2010 18:42
Der US-Kongress ist das beste Parlament,

das man für Geld kaufen kann.

Dank EU mit ihrer für den Normalbürger undurchschaubaren Entscheidungsfindung werden wir den Amerikanern in dieser Hinsicht noch starke Konkurrenz machen.

Ronner
19.06.2010 18:20
und auf welcher lohnliste stehen sie, Kumi Naidoo?

TanteMitzi
19.06.2010 20:52

Auf der von Greenpeace.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
19.06.2010 18:09
Ein US-Politiker, der sich bei BP dafür entschuldigt, dass

aus der Portokasse ein bisschen was gezahlt werden muss für eine langfristige Natur-Zerstörung ungeahnten Ausmasses.

Ich weiss nicht, sind die Rechten einfach deppert?

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