2,2 Milliarden Einsparung bei Ökoreform des Steuersystems

Conrad Seidl, 18. Juni 2010 18:49

Umweltdachverband fordert Abbau "schädlicher Subventionen"

Wien - Der Bund lässt sich Jahr für Jahr rund drei Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen, indem er Dinge fördert, die die Umwelt belasten. 2,2 Milliarden davon ließen sich relativ kurzfristig lukrieren. Das besagt eine Studie des Umweltdachverbands (UWD), die dem Standard vorliegt, die als Anregung für das im Herbst erwartete Sparpaket dienen könnte.

Die Studie listet 13 Bereiche auf, in denen der Staat ökologisch lenkend eingreifen könnte - wobei er auch noch sparen würde. Der Ansatz liegt bei Verkehr und Energie und reicht von der Mineralölsteuerbefreiung des Schiffsverkehrs (kostet den Staat in einem guten Jahr 23 Millionen Euro) über die Kerosinsteuerbefreiung des Flugverkehrs (380 Millionen Euro) bis zur Steuerbegünstigung für Diesel (750 Millionen Euro).

Kritisiert wird die Befreiung von Verkehrsflächen von der Grundsteuer - das fördert den Flächenverbrauch bei Straßen und Flughäfen. Unter die "schädlichen Subventionen" fallen für den UWD-Präsidenten Gerhard Heilingbrunner auch Pendlerpauschale und Kilometergeld: Sie hätten in vielen Fällen nicht nur ein höheres Verkehrsaufkommen, sondern auch sozial unerwünschte Verteilungseffekte "nach oben" zur Folge. Der Staat pumpt hier 260 Millionen hinein. Der Wirtschaft würde der Umweltdachverband die Rückvergütung von Ökostromaufwendungen streichen, die 400 Millionen Euro ausmacht.

***

Wien - Der Finanzminister will den Bundeshaushalt sanieren? Fein, meint Gerhard Heilingbrunner, der Präsident des Umweltdachverbands (UWD). Aber: "Man muss zuerst dort ansetzen, wo Staatsausgaben negative Wirkungen auf die Umwelt haben. Ich könnte Minister Josef Pröll jede Menge Sparmöglichkeiten aufzeigen, die kurzfristig mehr als zwei Milliarden Euro bringen - und deren Realisierung auch noch dem Umweltschutz dienen würde."

Der UWD hat eine Studie erstellt, die alle Umweltbelastungen aufführt, die durch den staatlichen Verzicht auf Einnahmen oder durch direkte Subventionen auch noch gefördert werden, zum Beispiel das steuerliche Pendlerpauschale: Es fördert die Zersiedelung, schadet damit der Biodiversität und fördert das Verkehrsaufkommen, was wiederum negative Auswirkungen auf das Klima hat.

260 Millionen Euro Einnahmenausfall hat diese Steuererleichterung im Jahr 2008 den Bund gekostet - und dabei nicht einmal die positiven sozialen Effekte erzielt, derentwegen das Pauschale eigentlich eingeführt worden ist.

Das Pendlerpauschale hat eine Umverteilungswirkung nach oben, heißt es in der UWD-Studie: "Begünstigt werden Besserverdiener in der Umgebung von Städten. Schlechtergestellt werden Arbeitnehmer, die kurze Distanzen zum Arbeitsplatz haben. Arbeitnehmer, die in zentralen Lagen wohnen, müssen dafür meist höhere Wohnkosten in Kauf nehmen, diese sind jedoch nicht steuerlich begünstigt." Heilingbrunner schlägt vor, das Pauschale sozial auszurichten und gezielt nur für untere Einkommen zugänglich zu machen. Kurzfristig könnten damit 80 Millionen Euro eingespart werden. Bei einem umfassenden Umbau des Steuersystems sogar noch mehr.

Die von Johannes Wahlmüller durchgerechnete Studie listet insgesamt bis zu 3,2 Milliarden an umweltschädlichen Subventionen auf - davon könnten, wie die Tabelle zeigt, 2,2 Milliarden relativ kurzfristig gestrichen werden. Teilweise müssten dazu neue Abgaben eingeführt werden - etwa eine Flugticket-Abgabe von zehn Euro, um die Begünstigung des Flugverkehrs wenigstens teilweise auszugleichen.

Auch solle man die Grundsteuerbefreiung von Verkehrsflächen (etwa Flughäfen) streichen, ebenso die steuerliche Begünstigung von Diesel im Straßenverkehr und im Agrarbereich. Falsche Lenkungswirkungen sehen die Umweltschützer auch beim amtlichen Kilometergeld: Es schaffe einen Anreiz, die Fixkosten des privaten Pkws durch Dienstfahrten hereinzubringen. Aus Sicht des Autofahrers verständlich, aus Sicht der Umwelt unerwünscht.

Betreiber von Wasserkraftwerken könnten nach dem Vorbild des Schweizer Wasserzinses oder der bayerischen Lizenzabgabe ebenfalls stärker zur Kasse gebeten werden, schlägt Heilingbrunner vor. Den Förderzins für Rohöl würde er ebenfalls nach oben anpassen. (DER STANDARD Printausgabe, 19.6.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 393
1 2 3 4 5 6 7 8 9
iohui
20.06.2010 17:55
ja ist eh alles logisch. kann man sofort umsetzen.

das einzige was ich nicht versteh ist:
wo liegt die ersparnis wenn der staat an sich selber grundsteuer für strassen zahlt? das ist doch ein schildbürgerstreich und kostet sogar zusätzlich ein grösseres rudel beamte die dafür aktenberge erzeugen.

und was hat es mit der rückvergütung von ökostromaufwendungen auf sich? was ist daran schlecht für die umwelt?

OttotheBusdriver
20.06.2010 15:27
Ich spare jetzt auch

- Die MWSt. die spar ich mir jetzt bei den Handwerkerrechnungen

- Meine Wahlstimme, die geb ich der ÖVP sicher nicht, weil ich spare.

schwitzende Lippe
20.06.2010 11:24
am einfachsten sofort die Wohnbauförderung einstellen

damit könnte die Zersiedelung eingedämmt werden, die Kosten für die Gemeinden gesenkt werden, die Infrastruktur (Bahn, Bus, Schiene, Straße) besser gebündelt werden UND die Lohnnebenkosten gesenkt werden.

Und eine Subprime-Krisensituation wie in den USA könnte mit dieser Maßnahme auch vermieden werden.

Almi66
20.06.2010 07:31
AUSSICHTSLOS WIE DAS RAUCHVERBOT?

Liest man viele Postings, was vermutlich auch mancher Politiker tut, so sieht man die massiven-eh klar-Interessensdivergenzen.

Ähnlich war das ja beim Rauchen, wo es die Politik schlussendlich allen recht machen wollte und als Ergebnis einen zahnlosen Gesetzesmurks produziert hat, der selbst den Wirtn schlaflose Nächte bereitet.

Ähnliches ist nun zu befürchten: Wie kann man bei notwendiger Stimmenmaximierung möglichst so schröpfen, dass es niemand merkt und alle verstehen?

Die notwendige Ökologisierung (Thema Feinstaub, Kyoto Ziel) scheint hier wohl politisch nicht das Maß aller Dinge zu sein.

_Mercenary_
19.06.2010 20:41
Die Staatsausgaben sind offenbar in Stein gemeißelt.

Heilig und von Gott gegeben. Deswegen fällt der SPÖ niemals etwas anderes ein als Steuern zu erhöhen. Neue Steuern und wieder neue Steuern. Denn wir wissen ja: irgendwelche Ausgaben zu senken, egal welche, ist per se unsozial und pfui pfui.

Aracni Santini
21.06.2010 23:00
Was sind Ausgaben? Sozialleistungen oder Verwaltungskosten?

Johann A Höfler
 
19.06.2010 20:07
Zuerst Bundesheer und Zivildienst weg, dann Verwaltung verkleinern und wenn noch immer Geld gebraucht wird, dann beginnen wir uns mit den Ideen von Hrn. Heilingbrunner auseinandersetzen. Bitte keine Vorarbeit für das Gschmackigmachen v. neuen Steuern

Lieber Gerhard, Du hast schon Recht mit Deinen Ansagen. Aber mal langsam der Reihe nach: Wozu brauchen wir 9 Landesverwaltungen (Bayern kommt ohne aus und ist flächen/einwohnermäßig mit Österreich vergleichar)? Wozu brauchen wir unzählige Krankenkassen und auch auf Landesebene (Slowakei reduzierte die Kassen auf 2)? Wozu brauchen wir den Assistenzeinsatz und das BH (SK, SLO, SRB, I schafften die Wehrpflicht ab)? Dabei geht gerade das Geld für die Zivis aus! Wozu brauchen wir Landesschulräte? Wieso sind die Bürgermeister 1. Bauinstanzen (Förderung von Zersiedelungen - schaue nach Bayern, dort ist nichts zersiedelt)! Man kann in der Verwaltung verdammt viel einsparen und dann beginnen wir über Deine Ideen zu reden. Dienst Du jetzt dem Pepi?

0815-Kommentar
20.06.2010 09:20

ja, das sind alles punkte über die man reden kann. aber bitte nicht vergessen, wir müssen jetzt sparen! das einer der genannten punkte in absehbarer zeit auch nur andiskutiert wird, ist unwahrscheinlich und damit bringt uns das kurzfristig nicht weiter.

und dann bleibt auch die frage, warum man kleinere misstände/fehlentwicklungen nicht korrigieren darf, wenn es noch größere gibt.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
20.06.2010 15:37
Wenn Sie eine Mittelohrentzündung und Nasenhaare haben, dann

entfernen sie vermutlich nur die Nasenhaare, oder?

Das bringt was!

Wenn obige Punkte auf Grund des österr. Korruptionsfaktors nicht angedacht werden "können", dann stimmt vermutlich gröberes mit unserer Demokratie nicht mehr, und das kann man nicht so einfach hinnehmen!

0815-Kommentar
23.06.2010 06:24

wenn ich nasenhaare entdecke warte ich mit der entfernung nicht, bis ich mit meiner mittelohrentzündung zum arzt gehen kann.

Ronzi Zwirbel
19.06.2010 19:37
kann nicht mehr zu-hören/sehen

irgendwann reicht es jedem. also mir reicht es wohl schon lange. aber es ändert nix an der sache. es wird einfach zuviel geld verbrannt, und wir werden von leuten regiert, die gar nix, aber schon gar nix, von einem hackler alltag kennen.
warum ich aber poste - ist die tatsache - dass sich gerade wieder herausstellt - wie brutal sich die neoszene an den steuertöpfen bedient hat. es bestätigen mir alle vorurteile.
also aus meiner sicht hat sich österreich einfach zu einem polizeistaat mit deutscher gründlichkeit entwickelt, in dem der mensch nix mehr zählt.
arigona MUSS bleiben !!!!!!!!!

gogosch der Grosse
19.06.2010 19:22
Aus der Sicht der ÖVP bedeutet "Sparen" Erhöhen der Massensteuern!

Für wie blöd hält uns der Autor eigentlich?

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
19.06.2010 19:11
Blöde Frage! Gibts jetzt Verantwortliche in der Politik

für die VIELEN Milliarden die NÖ und Kärnten verzockt haben?

WAS!? NEIN?!!

ICH DACHTE, RECHT MUSS RECHT BLEIBEN IN DIESEM LAND!

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
19.06.2010 19:06
Ich hätt ein paar Posten wo Milliarden drin sind!


VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG*VERWALTUNG

0815-Kommentar
20.06.2010 09:21

und? deshalb darf man bei anderen nicht sparen?

01052004
20.06.2010 17:33

danach

Christian Mathias Sand
 
29.07.2010 23:52

Nach der Logik können Sie die Politik gleich abschaffen – es gibt immer etwas vordringlicheres, wichtigeres, dringenderes.

null_device
19.06.2010 18:46
Überraschung - der liebe Umweltdachverband...

...unabhängig, parteifrei und voll-ökologisch. Die naturmystische Vorfeldorganisation der ÖVP gibt Pröll Schützenhilfe, wenn's darum geht Massensteuern salonfähig zu machen. Wieder einmal ein Angriff auf die böse Wasserkraft. Die himmelhohen Einspeisetarife für Windkraft, die wir alle mitzahlen, bleiben natürlich unerwähnt. Dass genau die Wasserkraft, den Strom liefert, den die Windkraft nur verpricht, verschweigt der liebe Dr. Heilingbrunner (UWD) allzu gerne. Dazu passt auch der Artikel "Atomkraft im Vormarsch" in der gestrigen KRONE. Da werden die üblen Slawen vom Krone'schen Haus- und Hofökologen Perry wieder mal nur so her'gschübelt.

Attila der Hunnenkönig
 
19.06.2010 17:22
So ein Schwachsinn

Der Inhalt in diesen Artikel ist für mich nur Schwachsinn. Das ist die morderne Variante von Maschienenstürmer.

Trau kan Politika
19.06.2010 17:18
Meinen die mit Öko das Ausreißen des Wildwuchses in Ämtern?

Da ist das 4 fache drinnen.

anonym4
19.06.2010 17:03
"Einsparungen", "Sparen" journalistische Frechheit

es tut mir leid aber wenn ich mir die Tabelle anschaue:

Überschrift: "..mit d. der Staat kurzfristig EINSPAREN könnte"

* Grundsteuerpflicht für Vekehrsflächen
Wem gehören eigentlich die Verkehrsflächen ?
das meiste wird wohl in Öffentlicher Hand sein, oder ?
130Mill.

* Anhebung der MÖST um 10Cent
So wo ist hier nun der Spargedanke ?
750Mill.

* Pendlerpauschale
hier könnte man sicher das Konzept überdenken. 80Mill.

* Wasserkraftnutzung
Besteuerung in der Höhe von 500Mill.

Fassen wirs mal kurz zusammen:
Steuererhöhung bei der MÖST und Wasserkraft bescheren den Staat 1,2Milliarden + 500Mill an sich selbst zahlen und ein paar Steuerumverteilungen von 500Mill.

ich empfinde es eine Frechheit wie einen hier das Wort SPAREN verkauft wird!

Karli Valentino
19.06.2010 18:43
sie sehen das m. e. nicht alles richtig.

es geht beispielsweise nicht um die anhebung der mineralölsteuer bei diesel, sondern um die streichung einer subvention der mineralölsteuer bei diesel, also die verrechnung des selben möst-satzes bei diesel wie bei benzin. so gesehen wäre das schön eine einsparung für den staat.

anonym4
20.06.2010 02:58

ob nun eine steuer von einen hohen niveau auf ein noch höheres angehoben wird ändert nichts an der tatsache das es eine steuererhöhung und keine "steuereinsparung" ist.

warum missbraucht man solche begriffe ?

muss der standard solche artikel unverändert übernehmen ?

iohui
20.06.2010 18:09
ja, aber die strategie ist ausbaubar.


z.b. sollte man die enorme begünstigung von beamtengehältern und zulagen vor und in der ruhe sowie deren unkündbarkeit einsparen und an normale handels-kv angleichen.

ebenso sollte man die enorme begünstigung der bundesverwaltung einsparen, welche durch die kontraproduktive arbeitsentlastung durch die landesverwaltungen geschaffen wurde, und an normale verwaltungsgliederung für 8 mio. ew angleichen.

da liegt ein gewaltiges einsparungspotential :)

iohui
19.06.2010 19:25

so gesehen wäre z.b. auch die streichung der reduzierten mwst für lebensmittel und einhebung der normalen mwst eine sparmaßnahme die dem staat enorm viel geld einspart.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 393
1 2 3 4 5 6 7 8 9

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.