Raucherentwöhnung für Jugendliche

18. Juni 2010, 17:37
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Ein Fünftel aller Schüler unter 14 raucht, Glawischnig: "Regierung tut nichts"

Wien - Rauchern zu einem nikotinfreien Leben zu verhelfen ist schwer genug. Noch schwieriger ist es, jugendliche Raucher davon zu überzeugen, dass Tabakkonsum das Gegenteil von gesund ist. Denn gerade das Gesundheitsbewusstsein ist bei Teenagern noch weniger ausgeprägt, Unbeschwertheit und Risikobereitschaft dafür umso mehr. Dazu kommt, dass Warnungen aus der Erwachsenenwelt eher uncool sind. Deshalb will das Wiener Institut für Sozial- und Gesundheitspsychologie (ISG) jugendgerechte Angebote zur Raucherentwöhnung entwickeln.

Laut einer Studie des EU-Projektes "European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs" raucht mit 14 Jahren bereits ein Fünftel aller Schüler in Österreich. Drei Jahre später ist es bereits die Hälfte. 34 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren sind in Österreich laut EU Raucher. Wie viele davon aufhören wollen, weiß niemand. Es gibt hierzulande einfach keine repräsentativen Umfragen zu diesem Thema.

40 Prozent wollen aufhören

Zahlen aus den USA belegen, dass vier von zehn Raucherinnen und Rauchern unter 18 zumindest daran denken, Zigaretten aufzugeben. Im Rahmen des EU-Projektes Acces ist das ISG gerade dabei, Best-Practise-Modelle für Raucherentwöhnung zu entwickeln.

Für das Vorhaben holt sich ISG-Geschäftsführer Sebastian Bohrn-Mena möglichst breite Unterstützung. Als Ko-Finanzier tritt das Gesundheitsministerium auf, dessen Chef Alois Stöger (SP) gerade selbst in einer Inseraten- und Plakatkampagnen gegen das Rauchen präsent ist. Bei der Präsentation des ISG-Projektes am Freitag saß hingegen Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig mit auf dem Podium. Für sie ist Stögers Initiative nur eine teure "Eigen-PR des Ministers" .

Glawischnig wirft überhaupt der gesamten Bundesregierung vor, nichts gegen den dramatischen Anstieg des Tabakkonsums unter Jugendlichen zu unternehmen. Jährlich nehme der Staat 1,4 Milliarden Euro aus der Tabaksteuer ein, 60 Millionen davon stammten von Konten Jugendlicher. In Nichtraucherschutz würden in Österreich hingegen nur zwölf Millionen Euro pro Jahr investiert. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 19.6.2010)

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