Japan legt Wachstumsstrategie vor

18. Juni 2010, 17:36

Die Regierung in Tokio will bis 2020 jährlich zwei Prozent Wachstum und fünf Millionen neue Arbeitsplätze schaffen

Die japanische Wachstumsstrategie umfasst 21 strategische Projekte. Und die Regierung verspricht damit, die Arbeitslosenrate von derzeit fünf auf unter vier Prozent zu senken. Erreicht werden soll dies durch eine Mischung aus Förderung der Nachfrage und von Wachstumssektoren, Exporthilfen sowie einer Senkung der Unternehmenssteuer.

Die Wachstumsstrategie bildet einen von zwei Pfeilern der neuen Wirtschaftspolitik der regierenden Demokratischen Partei, die im Herbst 2009 erstmals an die Macht gekommen ist. Der zweite ist eine umfassende Steuerreform, die am kommenden Dienstag vorgestellt werden soll. Im Gespräch ist unter anderem eine Verdopplung der Umsatzsteuer von fünf auf zehn Prozent.

Ende der Stagnation

Mit diesem Zangenangriff will die Regierung die zwei Grundübel Japans angehen: 20 Jahre Stagnation und Deflation sowie den Schuldenberg von inzwischen fast 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Denn nur durch dauerhaftes Wachstum kann das Land, wie von den Demokraten in ihrem Wahlprogramm für die Oberhauswahlen im Juli versprochen, bis 2020 einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorlegen und danach mit dem Schuldenabbau beginnen.

Zur Stimulierung der Wirtschaft hat die Regierung sieben strategische Wachstumssektoren ausgewählt. Auf der Nachfrageseite stehen für die Demokraten Umwelt und Energie sowie Kranken- und Altenpflege im Mittelpunkt. Allein in diesen beiden Sektoren soll eine zusätzliche Nachfrage von 50.000 Mrd. Yen geschaffen werden, durch die 1,4 Millionen neue Jobs in der Umweltindustrie und 2,8 Millionen neue Jobs in der Pflege entstehen sollen.

Interessant für ausländische Unternehmen ist die Ankündigung, das Genehmigungsverfahren von neuen Medikamenten massiv zu beschleunigen.

Unter dem Stichwort Asien hat die Regierung angekündigt, aktiv die Exporte von Infrastrukturvorhaben wie Eisenbahnen und Atomkraftwerken zu fördern. Denn sie befürchtet, dass ihre Konzerne wegen der verstärkten Staatsprogramme bei den Nachbarn China und Südkorea, aber auch in Frankreich oder den USA ins Hintertreffen gerät.

Forcierung des Tourismus

Außerdem will die Regierung dem Vernehmen nach die Unternehmenssteuer von im internationalen Vergleich hohen 40 Prozent auf etwa 25 Prozent senken. Damit soll nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Konzerne, sondern auch Japans Attraktivität als Asien-Hauptquartier für ausländische Firmen erhöht werden. Als vierten Punkt setzt die Regierung auf Tourismus und lädt privates Kapital ein, in öffentliche Einrichtung zu investieren.

Auf der Angebotsseite will die Regierung durch den Ausbau von Schulungseinrichtungen und mehr Gelder für Forschung und Entwicklung Japan zu einer Wissenschaftsnation umbauen. Mehr Kindergärten und bessere Ausbildung sollen das richtige Personal für die neue Gesellschaft liefern.

Als siebten Sektor hat die Regierung eine umstrittene Reform des Finanzsektors vorgeschlagen: Eine Fusion der vier wichtigsten Finanzplätze des Landes, der Börsen in Tokio und Osaka sowie des Tokyo Financial Exchange und des Tokyo Commodities Exchange. Durch die Bündelung des Kapitals hofft die Regierung, den Finanzplatz Japan im harten globalen Wettbewerb der Börsen zu stärken. Doch um mehr als einen Versuchsballon handelt es sich nicht, denn die Regierung hat keine Handhabe, die bisher widerstrebenden Börsen zum Beginn von Verhandlungen zu zwingen.

Die Reaktionen von Ökonomen auf das Programm sind gespalten. Zwar werden der schon lange überfällige Beginn der Haushaltssanierung und die Senkung der Unternehmenssteuer unisono begrüßt. Viele halten das Programm allerdings für unrealistisch und detailarm.  (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.6.2010)

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11 Postings
grenzneutral
00
20.6.2010, 11:05

in china werden die nächsten 20 jahre enorm viele altenpfleger gebraucht werden. eine wachstumsstrategie für japan?

Andi van west
04
19.6.2010, 17:03
wow!

Die haben eine Strategie!! - Davon können wir in Bananarepublic nur träumen!

smeki
01
19.6.2010, 16:26

"Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.” (Kenneth Boulding, economist)

Girgl Galgenstein
00
20.6.2010, 21:56
Dieses Statement ist Unsinn

denn es geht davon aus, dass Wachstum nur in den angestammten Wachstumsbereichen stattfinden kann. Schaut man sich die Geschichte des Wachstums genauer an, so stellt man ausnahmslos fest, dass das Problem der exponentiellen Wachstums dort besteht, wo strukturelle Defizite nicht überwunden werden, man um keinen Preis vom alten lassen will und unfähig ist sich auf neues einzulassen.

maxbz
06
19.6.2010, 15:00
"Denn nur durch dauerhaftes Wachstum..."

Dauerhaftes Wachstum ist unmöglich, vor allem wenn das alle wollen.
Die Ressourcen der Erde sind begrenzt, die Umwelt verträgt kein dauerhaftes Wachstum.
Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, das ohne Wachstum möglich ist!

flatus incarceratus
06
19.6.2010, 11:27
.. "die Regierung will

durch den Ausbau von Schulungseinrichtungen und mehr Gelder für Forschung und Entwicklung Österreich zu einer Wissenschaftsnation umbauen. Mehr Kindergärten und bessere Ausbildung sollen das richtige Personal für die neue Gesellschaft liefern."

Endlich haben faymann, pröll & co. erkannt, was notwendig ist, damit europa nicht ins hintertreffen gerät!

Sophist1
00
19.6.2010, 10:59
Traumtänzer!

Lukas Chen
00
19.6.2010, 14:26
fraglich?

Ob die demokratische Partei in Japan sein Versprechen halten kann. Es ist nur ein neues Manisfest fuer die kommende Wahl.

djang
02
19.6.2010, 06:00
jackie chan will was?

yokozuna
00
19.6.2010, 12:18

Gut erkannt.

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