Leitindizes setzen Erholung fort

18. Juni 2010, 17:10
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Ein Kommentar von Hans Engel aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die anhaltende Schwäche des Arbeitsmarktes bestätigte sich auch durch die veröffentlichten
Wirtschaftsdaten dieser Woche, die erwartungsgemäß schwach ausfielen. Da es mittlerweile
offenkundig ist, dass diese Schwäche noch viele Quartale andauern wird, hatte die
Veröffentlichung der jüngsten Daten keinen nennenswerten Einfluss auf den Aktienmarkt. Auch
die steigenden Notierungen von Erdöl und Gold konnte die Stimmung der Marktteilnehmer
nicht beeinträchtigen. Die Renditen blieben im 10-jährigen Bereich vorerst weiter auf niedrigem
Niveau (3,2%). In diesem Umfeld setzten die wichtigsten US-Leitindizes ihre Erholung fort.
Unternehmensergebnisse sind aktuell auch in den USA eine Rarität, weshalb viele Anleger
vermutlich etwas entspannter agieren als noch wenige Wochen zuvor.

Einige interessante Nachrichten von den Unternehmen gibt es dennoch. Beispielsweise jene
von Tesla Motor Inc., dem mittlerweile bekannt gewordenen Hersteller eines elektrisch
betriebenen Sportwagens. Das Unternehmen plant einen Börsegang, bei dem 11,1 Mio. Aktien
in einer Preisspanne von USD 14 -16 angeboten werden. Damit sollen USD 178 Mio.
eingenommen werden. Auch wenn das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2003 noch
keine Gewinne erzielen konnte, scheint die Aktie unter spekulativen Gesichtspunkten
interessant. Das Unternehmen wird mit dem aktuellen Produkt (ein Roadster mit einem
Kaufpreis von USD 109.000) zwar keinen Massenmarkt bedienen können, die neuen geplanten
Produkte und die Zusammenarbeit mit Toyota scheinen aber sehr aussichtsreich. Als einer der
wenigen Automobilhersteller hat es Tesla geschafft, ein Elektrofahrzeug mit hoher Reichweite
nicht bloß wie viele Mitbewerber anzukündigen, sondern tatsächlich auch zu produzieren. Der
hohe aktuelle Kaufpreis des Roadsters sollte einen potenziellen Anleger nicht irritieren. Ganz
neue Technologien sind anfänglich üblicherweise nie günstig. Auch IBM Mainframe-Computer
waren bei ihrer Markteinführung extrem teure Produkte und IBM konnte sich letztendlich
trotzdem zu einem Milliardenkonzern entwickeln. Der Weg dorthin ist meist ein ziemlich langer,
und Tesla hat zumindest ein bereits funktionierendes Produkt, das viel Potenzial bietet. Zudem
ist beachtlich, dass sich der Konzern nicht wie die meisten Mitbewerber um den allmählichen
Ausstieg aus den veralteten Technologien kümmern muss, der den traditionellen
Automobilfirmen nicht wirklich gut zu gelingen scheint.

Dass die schlechte Verfassung der US-Konsumenten natürlich rasch Auswirkungen auf den
Einzelhändlern hat, sieht man am jüngsten Quartalsergebnis von Best Buy Co., einer
Elektrowaren-Handelgruppe. Der ausgewiesene Gewinn lag mit 36 Cents weit unter den
Erwartungen der Analysten (50 Cents). Zwar sind die Umsatzzahlen leicht angestiegen, die
Verkäufe von Fernsehern, Notebooks, Handys usw. auf vergleichbaren Ladenflächen gingen
aber zurück. Das Unternehmen, welches immerhin 180.000 Mitarbeiter beschäftigt,
verzeichnete in den Bereichen Verwaltung und Marketing einen Anstieg der Kosten um 12%.
Die Voraussetzungen für eine nennenswerte Erholung der Aktie sind aktuell nicht gegeben.

Weiterhin erfolgreich laufen dennoch die Geschäfte international tätiger Technologiehersteller.
Apple hat für sein neues Handy (iPhone IV) bereits Vorbestellungen von 600.000 Stück
erhalten. Ein gutes Signal für den weiteren Erfolg dieser Produktsparte. In den USA wird AT&T
alle vorbestellten Produkte ausliefern. Apple konnte mit seinen Produkterfolgen nicht nur
Microsoft hinsichtlich der Marktkapitalisierung überrunden, sondern ist auch am besten Weg
dem Ölmulti Exxon Mobile diesbezüglich zu schlagen. In Sachen Kreativität ist das natürlich
bereits längst passiert.

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