Schwarz im schwarzen Paradies

18. Juni 2010, 17:02
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Nicht weit von Les Halles, dem verschwundenen "Bauch von Paris" , im 1. Arrondissement der Seinestadt, sitzt Alain Mabanckous Ich-Erzähler in einer Bar

Nicht weit von Les Halles, dem verschwundenen "Bauch von Paris" , im 1. Arrondissement der Seinestadt, sitzt Alain Mabanckous Ich-Erzähler in einer Bar. Und setzt uns ins Bild, dass ihn seine Freundin mitsamt Kind verlassen hat. Mit einem Musiker ist sie in den Kongo abgehauen, woher auch der Berichterstatter stammt. Und dann gibt es in diesem ausgelassenen Roman noch Paul-aus-Großkongo, Roger-den-Franko-Ivorer und den rassistischen Ungustl von nebenan, Monsieur Hippocrate, der souverän seine eigene dunkle Hautfarbe ignoriert. Die Liebesgeschichte rollt ab: wie sie sich kennen lernen. Wie sie in ihrem armen Wohnquartier sich durchschlagen, dem einst der tückische Namen "Goutte d'Or" , Goldtropfen, verliehen wurde. Paris ist hier durch und durch schwarz. In der kein Ende nehmen wollenden, stets sympathischen Selbstrechtfertigung zieht Mabanckou, 1966 in der Republik Kongo geboren, dort aufgewachsen und seit seinem Wirtschaftsstudium in Paris lebend, Schicht für Schicht grassierende Vorurteile ab wie die lamentable Selbstbespiegelung. Denn am Ende erweist sich alles als viel fragiler: Die Existenz des Erzählers beruht auf Identitätsschwindel, er, ein illegaler Einwanderer, ist also im Wortsinn schwarz. Kein Wunder, dass die Bar, in dem er alles zu Papier bringt, in Gehnähe zu Châtelet liegt, der größten Métrostation in Zentraleuropa. (Alexander Kluy, DER STANDARD/Printausgabe 19.6./20.6.2010)

  • Alain Mabanckou, "Black Bazar" . Deutsch: Andreas Münzner. € 20,40 / 
272 Seiten. Liebeskind, München 2010.
    foto: liebeskind verlag

    Alain Mabanckou, "Black Bazar" . Deutsch: Andreas Münzner. € 20,40 / 272 Seiten. Liebeskind, München 2010.

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