Verpflichtende Rotation beschert "viele Traumjobs"

20. Juni 2010, 12:00
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Bei der JobmesseUni-Success wurde über die Möglichkeiten aufgeklärt, eine EU-Karriere zu starten - Die kurzweilige Veranstaltung erfreute sich regen studentischen Zuspruchs

"Ja, es ist durchaus ein Traumjob" , versicherte Jürgen Frieberger, der für die politische Berichterstattung der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien verantwortlich ist, im Rahmen einer Podiumsdiskussion am Donnerstagvormittag. Unter der Leitung von Standard-Mitarbeiterin Gudrun Ostermann sprach er mit drei weiteren Experten über das Thema "Traumjob bei der Europäischen Union? Arbeiten und Leben im europäischen Kontext."

Man müsse das Ganze aber differenzierter betrachten, so Frieberger: Er habe 1997, nachdem er sich zwei Jahre zuvor beworben hatte, seinen EU-Job begonnen. Angefangen hat der studierte Rechtswissenschafter in der Abteilung für justizielle Zusammenarbeit, also im Bereich Strafrecht. "Da es jedoch eine verpflichtende Rotation gibt, bin ich mittlerweile seit sieben Jahren in der politischen Kommunikation tätig." So gesehen habe er "viele Traumjobs" - und ab September werde er in Brüssel neuerlich einer anderen Aufgabe nachgehen, auf die er sich freue und die ihn schon sehr neugierig mache.

Internationales Umfeld

Georg Pfeifer, Presseattaché und interimistischer Leiter der Vertretung des Europäischen Parlaments in Wien, sieht die Sache ähnlich. Sein Studienabschluss fiel mit dem EU-Beitritt 1995 zusammen, davor war er bereits dreimal im Rahmen seines Studiums in Brüssel. "Wenn ich meinen beruflichen Werdegang vorausgesehen hätte, hätte ich vielleicht auch andere Ziele gewählt." An der Arbeit im EU-Zentrum spricht ihn "vor allem das internationale Umfeld an, man arbeitet mit Menschen aus ganz Europa zusammen - von Griechenland bis Irland, von Portugal bis Finnland" . Das sei "sehr spannend" .

Wer sich für eine Tätigkeit bei der Europäischen Kommission oder im Europaparlament interessiert, ist gleichermaßen gut bei Sabine Piska-Schmidt aufgehoben. Die Leiterin der EU-Job-Informationsstelle im Bundeskanzleramt verweist auf das Europäische Amt für Personalauswahl (Epso), über das die Vergabe läuft. Wer einen Epso-Account anlegt und alle nötigen Unterlagen übermittelt, wird zum Assessment-Center geladen und bei Bestehen in die Vermittlungsdatenbank übernommen.

Auch Bachelors sind gefragt

Die Zulassungstests umfassen im Übrigen je eine Prüfung zum sprachlichen und numerischen Verständnis, einen abstrakt-logischen Kurztest sowie "neuerdings" einen situationsbezogenen Test um die persönliche Stressresistenz zu beurteilen, erklärt Piska-Schmidt den zahlreichen interessierten Messebesucherinnen und -besuchern. Seit der europäischen Dienstrechtsreform 2004 seien auch Bachelor-Absolventen zur Bewerbung eingeladen.

Hubert Dürrstein, Leiter des Österreichischen Austauschdienstes (ÖAD), verwies auf die Vorteile eines Auslandsaufenthalts während der Studienphase. Es gelte aktiv zu sein "und sich früh für internationale Fragen zu interessieren" . Dadurch würden die persönlichen Jobchancen massiv erhöht. Rund 5000 österreichische Studierende würden allein über das Erasmus-Programm jährlich ins Ausland gehen. "Österreich ist da sehr aktiv" , freute sich Dürrstein, "wir liegen an zweiter Stelle" . (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.6.2010)

  • Georg Peifer (Vertretung des EU-Parlaments in Wien) Jürgen Frieberger 
(Vertretung der EU-Kommission in Wien), Moderatorin Gudrun Ostermann 
(Standard), Hubert Dürrstein (Österreichischer Austauschdienst) und 
Sabine Piska-Schmidt (Bundeskanzleramt).
    foto: standard/regine hendrich

    Georg Peifer (Vertretung des EU-Parlaments in Wien) Jürgen Frieberger (Vertretung der EU-Kommission in Wien), Moderatorin Gudrun Ostermann (Standard), Hubert Dürrstein (Österreichischer Austauschdienst) und Sabine Piska-Schmidt (Bundeskanzleramt).

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