Begegnung mit Flugzeugen

18. Juni 2010, 16:00
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Dollars spielt im Jahre 1966, also vor Handy- und Internetzeiten, dementsprechend langsamer ist das Tempo, das Hellingas Serienheld Sid Stefan vorlegt

Ein bisschen nostalgisch kommt der Krimi des Niederländers Gerben Hellinga daher. Dollars spielt nämlich im Jahre 1966, also vor Handy- und Internetzeiten, und dementsprechend langsamer ist das Tempo, das Hellingas Serienheld Sid Stefan vorlegt. Der hat sich nach Gefängnis und Scheidung als Holzfäller in Schweden verdingt und ist gerade dabei, wieder in die Zivilisation zurückzukehren, als er im Flugzeug nach Amsterdam eine ehemalige Freundin trifft. Jeanette werkt als Stewardess und ist nicht abgeneigt, Sid wieder zu treffen. Nur, als es so weit ist, liegt sie tot in ihrem Appartement, und Sid ist schon wieder in Schwierigkeiten. Jeanettes Bekannte sind hinter ihm her, lauter nervende italienische Minimafiosi. Sid ist eigentlich Werbetexter mit Hang zu Designerklamotten und perfektem Essen, von Nahkampf hat er keine Ahnung. Aber das hindert ihn trotzdem nicht, sich handfest aus allen möglichen und unmöglichen gefährlichen Situationen herauszuwinden. Ironische Sprüche, boshafte Beschreibungen langweiliger Menschen, viel Alkohol und wundersame Errettungen begleiten den Krimi mit Augenzwinkern. Es ist in gewisser Weise eine fast unschuldige Welt, noch ohne Serienkiller, an die wir uns schon in Wort und Bild gewöhnt haben. Eine charmante deutsche Erstausgabe, nicht nur für eine Reise nach Amsterdam. (Ingeborg Sper, DER STANDARD/Printausgabe 19.6./20.6.2010)

 

  • Gerben Hellinga, "Dollars". Deutsch: Hanni Ehlers. € 15,40 / 266 
Seiten. Alexander, Berlin 2010
    foto: alexander verlag

    Gerben Hellinga, "Dollars". Deutsch: Hanni Ehlers. € 15,40 / 266 Seiten. Alexander, Berlin 2010

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