"Spielen macht Menschen klüger"

20. Juni 2010, 14:45
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Jörg Hofstätter studierte Architektur bei Zaha Hadid und gründete 2004 die Online-Agentur Ovos in Wien

STANDARD: Das Computerspiel hat für Sie besondere Bedeutung im Bereich des Lernens. Warum?

Hofstätter: Wir glauben, dass Computerspiele ein Weg sind, Menschen klüger zu machen. Und es gibt bereits sehr elaborierte Wege, über Spiele Wissen zu vermitteln und sie aus dem Eck der reinen Unterhaltung herauszuholen.

STANDARD: Ein Kontrapunkt zu den bekannteren "Ego-Shootern" ...

Hofstätter: Das Imageproblem ist verbreitet, und es kommen damit immer zwei Dinge zutage: Eskapismus und Gewaltverherrlichung. Rein statistisch betrachtet machen diese Spiele weniger als zehn Prozent aus. Es gibt in Wahrheit viel mehr Strategie- oder Geschicklichkeitsspiele.

STANDARD: Was macht das "Lernen beim Spielen" für Sie so reizvoll?

Hofstätter: Computerspiele können die Funktionsweise komplexer Systeme sehr gut transportieren. Es gibt "instant feedback" , wodurch etwa die Schwierigkeit der Aufgabe mit dem Erfolg des Spielers in Balance gehalten werden kann. Diese Interaktivität ist sehr motivierend.

STANDARD: Sie selbst entwickeln auch Spiele dieser Art ...

Hofstätter: Ja. Wir haben etwa für das Unterrichtsministerium ein Spiel zum Thema "politische Partizipation" entwickelt. Hier kann man als Mitglied einer NGO gegen Auswüchse des ungezügelten Kapitalismus aktiv werden. Spiele bieten die Möglichkeit, Perspektiven zu wechseln oder soziale Zusammenhalte wie Mitarbeiter-Zusammenarbeit zu begünstigen.

STANDARD: Könnte das in HR-Abteilungen Einzug halten?

Hofstätter: Das passiert schon. In den USA ist das schon ein Thema. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.6.2010)

  • Jörg Hofstätter
    foto: standard

    Jörg Hofstätter

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