EU-Kommission will Stresstests ausweiten

18. Juni 2010, 14:36
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Barroso will mehr als die 25 größten Banken testen

Florenz - Die EU wird künftig mehr Banken einem Stresstest unterziehen. Nach Abschluss der Überprüfungen der 25 größten Institute werde das Verfahren ausgeweitet, sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Freitag. "Wir werden damit weitermachen, dass wir mehr allgemeine Stresstests bei Banken in Europa anwenden", sagte er vor Journalisten in Florenz.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten beim Gipfel am Donnerstag unerwartet beschlossen, anders als bei der ersten Runde des Belastungstests im vergangenen Jahr nicht mehr nur das Gesamtergebnis für alle Banken, sondern individuelle Resultate zu veröffentlichen. Die Ergebnisse sollen bis Ende Juli vorliegen.

Auch die EU-Bankenaufseher wollen in Zukunft deutlich mehr Banken einem Stresstest unterziehen als bei der zurzeit laufenden Überprüfung. Der dafür zuständige Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS) arbeite an Phase zwei, die deutlich mehr als die jetzt getesteten 25 Großbanken umfassen würde, sagte ein EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Kapitalhilfen

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe auf die Anspannungen am Kreditmarkt hingewiesen, sagte ein zweiter EU-Beamter mit Kenntnis der Beratungen beim Gipfel. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet habe angemahnt, dass sich die Mitgliedstaaten parallel zur Veröffentlichung der Testergebnisse mit Kapitalisierungshilfen bereit stünden, falls bei einer Bank ein schlechtes Ergebnis herauskommen sollte. "Keine Bank würde im Stich gelassen", sagte der erste Beamte.

Über den Plan der Veröffentlichung von Einzelergebnissen sei zuerst beim letzten Eurogruppen-Treffen in Luxemburg und dann bei der Telefonkonferenz der G-7-Finanzminister am vergangenen Montag beraten worden. Die EU-Staats- und Regierungschefs hätten sich dazu entschlossen, um das Misstrauen unter den Banken zu bekämpfen. Keiner habe sich geweigert, Ergebnisse zu veröffentlichen aus Sorge, damit zu signalisieren, dass der heimische Bankensektor in großen Schwierigkeiten steckt.

Im vergangenen Jahr hatten die EU-Finanzminister eine Bekanntgabe einzelner Ergebnisse gescheut aus Sorge, schlecht im Vergleich zu den US-Banken abzuschneiden. In Europa und den USA würden sehr unterschiedliche Methoden angewandt, erläuterten die Beamten. Die Amerikaner hätten ein sehr mildes Stress-Szenario zugrunde gelegt und solange den Text justiert, bis ein bestimmter Bedarf der Banken an staatlichen Finanzhilfen herausgekommen wäre. Auch dieses Mal seien die Testmethoden nicht vergleichbar.

Als Szenarien würden dem Test ein Konjunktureinbruch sowie Anspannungen bei Staatsanleihen zugrunde gelegt. Veröffentlicht werden sollten alle relevanten Daten wie zum Beispiel die Kapitalquote.

Bankenabgabe = Fehler

UniCredits Geschäftsführer Alessandro Profumo hat am Freitag die von den EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel beschlossene Bankenabgabe als Fehler bezeichnet. "Es ist ein großer Fehler, eine Bankensteuer zur Finanzierung des öffentlichen Defizits einzuführen. Ein Fonds zur Finanzierung von Maßnahmen für schwierige Zeiten wäre dagegen angebracht", kommentierte Profumo am Rande eines von der italienischen Notenbank organisierten Seminars in Rom.

Profumo begrüßte die in Brüssel beschlossene Offenlegung sogenannter Stresstests. "Für Länder mit starken Banken wie Italien ist dies absolut positiv. Die Stresstests sind für alle Länder wichtig, für Italien ganz besonders", sagte der Banker, der auch Präsident der Föderation europäischer Banken ist.

"Die italienischen Banken tun ihre Pflicht und finanzieren das Wirtschaftssystem. Wir unterstützen auf beträchtliche Weise Familien und Unternehmen. Jetzt muss man aber diskutieren, wie man das Wirtschaftswachstum fördern kann, denn wenn die Unternehmen keine Gewinne machen, wird alles kompliziert", erklärte Profumo.

"Die europäische Wirtschaft stützt sich auf Ausfuhren und zum Teil auf die interne Nachfrage. Wir müssen interne Nachfrage mit strukturellen Reformen generieren", sagte der UniCredit-Chef. (APA/Reuters)

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