Börserally machte Österreichs Reiche reicher

18. Juni 2010, 14:38
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Trotz der tiefen Krise ist die Zahl der österreichischen Euro-Millionäre und ihr Vermögen im vergangenen Jahr kräftig gewachsen

Wien - Die enormen Kursgewinne ab März 2009 haben die Vermögen der österreichischen Reichen und Superreichen massiv ansteigen lassen. Trotz der stärksten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ist die Zahl der österreichischen Euro-Millionäre im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 68.900 Personen gewachsen, ihr Vermögen hat sich sogar um 13,7 Prozent auf 210 Mrd. Euro erhöht, geht aus dem am Freitag veröffentlichten "Vermögensreport 2010" der Liechtensteiner Investmentgesellschaft Valluga hervor.

Valluga rechnet in dem Report über Deutschland, Österreich und die Schweiz damit, dass das Vermögen der reichen Österreicher bis 2013 weiter auf 292 Mrd. Euro ansteigt. Dies würde einem jährlichen Wachstum von 8,6 Prozent entsprechen.

Im Jahr davor waren die Reichen kräftig gerupft worden. Der Verfall der Aktien- und Immobilienwerte hatten 2008 und im 1. Quartal 2009 Vermögenseinbußen verursacht, "in kurzer Zeit wurden die Vermögenszuwächse des laufenden Jahrzehnts vernichtet ", heißt es in dem Bericht. "Insgesamt kostete die Krise den Millionären 13,1 Prozent ihres Gesamtvermögens (entspricht in etwa dem BIP der Schweiz)." Ab Frühjahr 2009 ging es dann mit Vollgas in die Gegenrichtung.

Unterstützungsprogramme beflügeln

Befeuert von milliardenschweren Konjunkturprogrammen und der lockeren Geldpolitik der Notenbanken legten die Börsen 2009 im internationalen Durchschnitt um fast 46 Prozent zu. Die Wiener Börse steigerte ihre Marktkapitalisierung etwa in gleichem Ausmaß, was einem Plus von 25 Mrd. Euro entspricht. (Im gleichen Jahr schrumpfte die Gesamtwirtschaft des Landes/BIP um 3,5 Prozent). Die Börsen in Osteuropa haben sich sogar fast verdoppelt, der frühere Osteuropa-Malus der Österreicher "kehrte sich in das Gegenteil um".

"Es ist erstaunlich, wie rasch die Reichen die Folgen der Krise abschütteln konnten", kommentiert Reinhard J. Berger, Präsident der Valluga AG. Mit der Einschätzung des Comebacks der Finanzmärkte seien diese im vergangenen Jahr richtig gelegen - aktuell seien sie aber nur "vorsichtig optimistisch" bzw. "zurückhaltend, was die zukünftige Entwicklung der Kapitalmärkte betrifft."

Die Zahl der in Deutschland, Österreich und der Schweiz lebenden Millionäre habe durch die Kehrtwende "fast wieder den Höchststand des Jahres 2007 erreicht", heißt es in der Studie. Im gesamten deutschsprachigen Raum zählt man aktuell 985.000 Millionäre.

Vermögenskonzentration nimmt weiter zu

Nach der Studie nimmt die Vermögenskonzentration weiter deutlich zu. In Österreich kamen im vergangenen Jahr 6.800 frisch gebackene Euro-Millionäre dazu. Die insgesamt 68.900 Wohlhabendsten in Österreich - weniger als ein Prozent der Wohnbevölkerung - leben vor allem in Wien (17.000), Niederösterreich (15.100), Oberösterreich (11.100) und der Steiermark (8.700). Sie besitzen aktuell "fast ein Drittel (32 Prozent) des gesamten privaten Finanzvermögens". Die 10 Prozent der wohlhabendsten Österreicher verfügen über fast zwei Drittel.

Die Zahl der von der Valluga ermittelten österreichischen Millionäre fällt fast doppelt so hoch aus wie jener Wert, den die Boston Consulting Group (BCG) vor einer Woche veröffentlicht hat. Die BCG ging von "nur" 39.000 Dollar-Millionären in Österreich aus. Die Wachstumsrate, die sie errechnet hat (9,8 Prozent) deckt sich aber in etwa mit dem von Valluga ermittelten Wert.

Die zehn Reichsten Personen/Familien in Österreich besitzen zusammen 58,8 Mrd. Euro und sind damit nicht ganz so reich wie die zehn Superreichen Deutschlands (100,2 Mrd. Euro). Die Österreich-Liste wird von den Familien Porsche und Piech (Porsche SE, Salzburger Porsche Holding) mit 28,6 Mrd. Euro angeführt, gefolgt den den Flick-Erben (5,7 Mrd. Euro) und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz (4,1 Mrd. Euro). Als viertreichster Österreicher rangiert überraschenderweise Glücksspiel-König Johann F. Graf (Novomatic; 3,7 Mrd. Euro). Der niederösterreichische Geschäftsmann, ein gelernter Fleischhauer, ist bis jetzt in kaum einer Liste der Superreichen erfasst worden. Laut Valluga vermehren sich die Vermögen der Milliardäre Pro Jahr zwischen acht und 10 Prozent.

Mehr weibliche Millionäre

Der Vermögensreport der Liechtensteiner widmet sich im heurigen Jahr dem Schwerpunkt "weibliche Millionäre". Ergebnis: Der Frauenanteil am Gesamtvermögen ist im Lauf der vergangenen Jahre deutlich gestiegen - von 26,4 Prozent (2003) auf 31,8 Prozent (2009). Bei den Superreichen seien die Frauen aber noch deutlich unterrepräsentiert.

"Weibliche Millionäre denken anders als ihre männlichen Kollegen", schreibt Valluga. Frauen seien "bereit, für ihre Entscheidungen mehr Informationen zu sammeln und zu verarbeiten als Männer. Sie lassen sich gezielt von Experten beraten, wenn sie ihre eigene Kompetenz in der jeweiligen Fachmaterie als unzureichend einschätzen."

Dass das freilich nicht autoamtisch von Vorteil sein muss, zeigen Beispiele wie Maria-Elisabeth Schaeffler (Schaeffler), Christine de Castelbajac (Constantia) oder Madeleine Schickedanz (Quelle). (APA)

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    2008 waren die heimischen Dagobert Ducks kräftig gerupft worden - im Vorjahr ging es wieder kräftig aufwärts.

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