Industrie streicht weiter Jobs

18. Juni 2010, 13:40
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Der Auftragseingang wuchs im ersten Quartal wieder um zehn Prozent, die Produktion stagnierte. Jobs werden weiter abgebaut

Wien - Die österreichische Industrie ist in den ersten drei Monaten 2010 erstmals wieder über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gelegen, warnt aber davor, dass sich die günstige Entwicklung ungebrochen fortsetzt. Speziell auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Lage weiter verschlechtert, im ersten Quartal 2010 ist die Zahl der Beschäftigten gleich stark zurückgegangen wie 2009 (6 Prozent). "In absoluten Werten liegen wir auf dem Niveau der Jahre 2004/2005", sagte Manfred Engelmann, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer (WKÖ) am Freitag.

Keine Arbeitszeitverkürzung

Vertreter der KfZ-Industrie, die zusammen mit Engelmann auftraten, wiesen Forderungen der Gewerkschaft nach einer Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich zurück. Sie verlangten ihrerseits mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit. "Wenn ich mir Forderung nach Arbeitszeitverkürzung (ohne Lohneinbußen, Anm.) anhöre, kann ich nur sagen, dass gewisse Kräfte nicht aus der Krise gelernt haben", meinte Dietmar Schäfer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Automotive Zulieferindustrie. Eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich bedeute, dass sich die Lohnstückkosten proportional erhöhten.

Gerhard Klein, Vorstand der MAN Nutzfahrzeuge in Österreich sagte, es bestehe zwar die Chance, industrielle Wertschöpfung in Mitteleuropa zu halten - aber nur, wenn man es schaffe, "intelligente Lösungen für die Organisation der Arbeit zu finden".

MAN Österreich hat 2009 nach Eigendarstellung 55 Prozent Volumen verloren, hat aber niemand aus der Stammbelegschaft gekündigt. Der kleinere Zulieferer iSi Automotive, der von Schäfer geleitet wird, hat im Krisenjahr 2009 gewachsen und beschäftigt laut Schäfer heute um 50 Prozent mehr Mitarbeiter. "Die Hälfte der Betriebe in der Autozulieferbranche ist im vergangenen Jahr aber ordentlich zur Ader gelassen und bei den betriebswirtschaftlichen Kennziffern stark geschwächt worden", sagte Schäfer.

Ausblick mit wenigen Lichtblicken

Schätzungen für das Gesamtjahr 2010 wollen die Industriebetriebe noch nicht machen - "der Ausblick auf das Jahr 2010 ist nur mit wenigen Lichtblicken durchzogen", meinte Engelmann. Der Verband rechnet zwar damit, dass der Beschäftigtenabbau langsamer wird - eine Stabilisierung ist aber nicht in Sicht. Nach einer Umfrage der Industriesparte rechnen zwei Drittel der befragten Industriezweige mit Jobverlusten; keine einzige Branche rechnet mit einem Beschäftigtenzuwachs.

Im ersten Quartal 2010 haben sich die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um immerhin 10 Prozent erhöht, die Produktion hat "auf dem niedrigen Vorjahresniveau stagniert". Der Export ist um knapp 4 Prozent gewachsen.

Im Gesamtjahr 2009 war die Industrieproduktion um wertmäßig 18 Prozent oder 25 Mrd. Euro auf das Niveau von 2005 eingebrochen. Die Beschäftigung, die ab 2006 bis deutlich gestiegen war, sank um 6,1 Prozent. Der Einbruch 2009 kostete die Industrie (inklusive Leiharbeiter) 34.000 Arbeitsplätze. Die Gesamtzahl der in dem Sektor Beschäftigten sank von 451.000 auf 417.000 Personen. (APA)

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