Bipolare Störungen

Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt

18. Juni 2010, 13:23
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    foto: apa/arno burgi

    Die unangemessen euphorische Stimmung während einer manischen Phase hat mitunter fatale Auswirkungen.

400.000 Österreicher leider unter bipolaren Störungen - Bis zur Diagnose vergehen mitunter Jahre - Unbehandelt sinkt die Lebenserwartung

Wien - Wie wichtig die möglichst frühzeitige Diagnose und richtige Therapie der auf Grund ihrer "vielen Gesichter" oft schwer erkennbaren Bipolaren Störung ist, darauf wiesen Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Neuropharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB) im Rahmen einer Pressekonferenz am 18. Juni im MUMOK in Wien anlässlich des XVI. Updates in Psychiatrie 2010 eindringlich hin.

Berg- und Talfahrt der Gefühle

Bei der bipolaren Störung, früher manisch-depressive Erkrankung genannt, wechseln sich depressive Episoden mit manischen bzw. hypomanischen Phasen ab. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - dies beschreibt das Gefühlschaos der Betroffenen sehr treffend. Die Betroffenen - und ihre Umgebung - leiden daran und sind zumeist nicht in der Lage, ihr Leben normal zu managen. Obwohl die Erkrankung zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen Mitteleuropas zählt - allein in Österreich leiden 400.000 Menschen daran - dauert es mitunter Jahre, bis die Patienten die richtige Diagnose gestellt bekommen.

Das Tragische daran: Unbehandelt verkürzen sich die krankheitsfreien Perioden zunehmend, auch die Lebenserwartung sinkt. Die Auswirkungen der Erkrankung, vor allem der manischen Phasen, auf Alltag, Beruf und Beziehungen können fatal sein: Existenzbedrohendes Verhalten, soziale Isolation bis hin zum Suizid sind die möglichen Folgen.

"Leider hat nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch so mancher Arzt ein Problem mit der richtigen Diagnose", so Siegfried Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Wien am AKH,. Ein Grund mag das komplexe Krankheitsbild mit seinen vielen, verschiedenen Ausprägungen und Verlaufsformen sein. Ein Grund liegt im Wesen der Störung selbst: mangelnde Krankheitseinsicht. Kasper: "Leidensdruck spüren viele Betroffene nur in depressiven Phasen, manische Episoden werden zumeist nicht als krankhaft erlebt.

Daher zählt die rezidivierende unipolare Depression zu den häufigsten Fehldiagnosen der Bipolaren Erkrankung. Die manischen oder hypomanen Phasen werden meist einfach nicht als solche erkannt, berichtet oder erfragt." Doch auch die Überlagerung durch andere Störungen bzw. Komorbiditäten verschleiert oftmals die Erkrankung.

Komorbiditäten erschweren Diagnose

Susanne Lentner, Präsidentin der ÖGPB und stellvertretende Institutsvorständin des Anton-Proksch-Instituts: "Komorbide Störungen erschweren und verschleiern oft die richtige Diagnose. Darüber hinaus wirken sich diese komorbiden Störungen erheblich auf den Krankheitsverlauf aus, durch Symptomverstärkung, Auslösen von Episoden und generelle Verschlechterung von Lebenssituation und Lebensqualität der Betroffenen sowie deren engeren und weiteren sozialen Umfeld." Neben diversen Angststörungen spielen hier vor allem "stoffgebundene Abhängigkeiten" wie Alkohol- oder Drogenabhängigkeit eine wesentliche Rolle.

Die Bipolare Störung ist nicht heilbar. Doch je früher die Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, umso besser kann ihr Verlauf beeinflusst werden. Neben Psychotherapie, klassischer Psychoanalyse oder elektrokonvulsiver Therapie kommt in der Behandlung der Bipolaren Störung der medikamentösen Therapie die Hauptrolle zu: Die richtige Medikation kann den Betroffenen zu innerer Ausgeglichenheit und Stabilität verhelfen.

Bis vor zehn Jahren standen als Stimmungsstabilisierer lediglich Lithium und Antiepileptika zur Verfügung. In den vergangenen Jahren wurden mit atypischen Neuroleptika Erfolge erzielt. Diese Medikamente wurden zur Behandlung der Schizophrenie entwickelt. Eine relativ neue Substanz, Quietapin eignet sich für die Langzeittherapie und ist in Österreich seit 2009 zur Behandlung manischer und depressiver Episoden zugelassen. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 84
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helicopter.pylori
10
16.9.2010, 12:04
Immer neue "Krankheiten" & "Heilmittel"

ist es auch "behandlungsbedürftig", wenn man während einer Werbeeinblendung was kaufen will, dann aber merkt, sowas brauch ich je doch gar nicht ;-)
Hier zu ADHS ...
http://www.focus.de/gesundhei... 14037.html
http://www.medizin-im-text.de/blog/?p=16

heisenberg
12
22.6.2010, 16:16
ihr solltet

alle ärzte werden, so gut wie ihr euch auskennt

Toeris
12
22.6.2010, 19:40
Es gehört zum "autonomer Mensch sein" dazu,

über die eigenen Befindlichkeiten genau Bescheid zu wissen und sie beschreiben zu können um zeitgerecht kompetente Hilfe zu bekommen. Tut man das nicht, ist man schnell in der "Rue de la Gack", wie der Wiener so schön sagt.
Jeder ist für sich, seine Gesundheit und Psychohygiene selbst verantwortlich. Wenn man diese Verantwortung nicht trägt, hat ein Arzt auch sehr viel weniger Chance richtig zu helfen.
Und wenn dann mal eine Diagnose da ist und eine Behandlung, ist es wichtig sehr genau über die Erkrankung Bescheid zu wissen, um selbst erkennen zu können ob das "was da gerade passiert" im Rahmen ist oder nicht.
Nur so kann eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patienten funktionieren.

super cat
03
24.6.2010, 10:21

Jeder ist für sich, seine Gesundheit und Psychohygiene selbst verantwortlich. Wenn man diese Verantwortung nicht trägt...
Jemand der psychisch krank ist, ist unter Umständen gar nicht in der Lage diese Verantwortung zu tragen.

lobby | VERNICHTER
61
25.6.2010, 11:59


aber solche leute lässt die gesellschaft nicht frei rumrennen.

theWatcher14
00
20.9.2010, 10:26
Ein Bipolarer....

...hat in der geschlossenen Anstalt auch nichts verloren.

super cat
11
30.6.2010, 20:56

Glauben sie wirklich, dass diese Menschen alle in der geschlossenen Psychiatrie verwahrt werden? Da liegen sie falsch.

hasa baba
23
21.6.2010, 13:09
Psychotherapie/Psychoanalyse

Wie das Amen in der Kirche werden bei psychischen Erkrankungen Psychotherapie aufgezählt. Niemand sagt dazu, dass die nur einer kleinen wohlhabenden Schicht vorbehalten ist. Würden alle psychisch Kranken tatsächlich Psychotherapie bekommen bräuchten wir
a) 100 mal mehr Psychotherapeuten
b) 100 mal höheres Krankenkassenbudget
Ein Medikament kostet ca 100 EUR im Jahr. Wieviel Psychotherapie bekommt man für 100 EUR?

Chakotay
00
8.12.2010, 23:55

Es gibt fundierte Belege dass die medikamentöse Behandlung von Depressionen, langfristig das doppelte und dreifache der Kosten verschlingt, als eine Psychotherapie. Psych.Störungen lösen sich nicht immer einfach auf. Solang die Ursache nicht bereinigt ist, verursacht das Jahrelange verschlingen von Psychopharmaka ernorme Summen, und belastet erst recht die Kassen. Eine einjährige Therapie, kann dagegen die Lebensqualität erhöhen, wenn die Blockaden und die Probleme befreit sind.

NickKnarrkarton
03

Viel interessanter wäre einmal eine (fundierte !) Studie darüber, was Psychotherapie genau bringt.
In meinem Bekanntenkreis gibt es etliche Leute, die eine in Anspruch genommen haben - teils über Jahre - der einzige Nutznießer war der Therapeut, der das Geld kassiert hat.
Es gilt immer so als das Amen im Gebet, daß PT und nur PT helfen könne - so wird es in der Öffentlichkeit dargestellt. Bei genauerer Betrachtungsweise ist der wahre Nutzen in vielen Fällen leider gleich null.

Clemens Schwarz
01
21.6.2010, 23:25
aufgrund von mangelnder therapie erhält im schnitt der manisch

depressive (sicher nicht die 400000, sonder viel weniger) erst nach 10 jahren die richtige diagnose. meist hat er schon einige stationäre aufenthalte hinter sich. die kosten sind dabei enorm. die meisten therapeuten in österreich haben aufgrund der ausbildungskriterien nicht wirklich eine ahnung von therapie bei psychiatrisch erkrankten menschen.

Clemens Schwarz
10
21.6.2010, 23:18
in deutschland ist dies gang und gäbe

sie haben leider unrecht.
das hier angesprochene mediakament kosten ca 150€ im monat bei einer dosierung von 400mg. sie sollten dies aufgrund der unheilbaren krankheit sehr lange nehmen. Im jahr kommen dann kosten von 1800€ ohne arzt ohne labor auf die krankenkassen zu.

JayneCobbs
60
20.6.2010, 09:28
...

... bei so manchem Fußballspiel wechseln sich depressive Episoden mit manischen bzw. hypomanischen Phasen im Minutentakt ab. :)

Schneeglöckchen
 
00
20.6.2010, 08:47
"Vererbte Krankheit"

"Die Auswirkungen der Erkrankung, vor allem der manischen Phasen, auf Alltag, Beruf und Beziehungen können fatal sein."

Und wie fatal erst wirkt sich die Krankheit auf deren Nachkommen aus und dann auf deren Nachkommen...?

Toeris
00
20.6.2010, 13:26
So, um es zu präzisieren, Vollbeispiele:

Kind erlebt etwas, Mutter befindet sich gerade in manischer Phantasiewelt. Kind erzählt begeistert vom Erlebten, wird aber von Mutter zurecht gewiesen, weil das alles Blödsinn ist. Die Wahrnehmung der Mutter war zu dem Zeitpunkt weg von der Realität. Kind zweifelt an der eigenen Wahrnehmung, fühlt sich schuldig.

Mit viel Glück und Hilfe kann sich Kind bereits sehr früh emotional von der Mutter lösen und übernimmt Verantwortung für sich, mit der es überfordert ist. Heftig und nicht einfach.
Klappt das beim Kind nicht, normal so, wächst ein total verstörtes Kind auf, das gerne auch für dumm gehalten wird, es aber nicht ist. Es hat einfach nur eine kranke Mutter.
Frage mich nicht, was ich davon halte: Mama muss beim Kind zu Hause bleiben!

Schneeglöckchen
 
00
21.6.2010, 09:28

Glaube ich auch, daß Kinder vorgeschädigter Eltern sich nur mit Hilfe eines Außenstehenden etwas Eigenes "drüberderretten".

Dort, wo diese helfende Person fehlt, wird es schwierig, weil sich Kinder für das Leid, das ihnen angetan wird, schuldig fühlen wird - da stimme ich Dir zur Gänze zu.

Den letzten Satz verstehe ich nicht.

Toeris
00
21.6.2010, 10:00
Es gibt noch den Begriff der "Rabenmutter" im deutschen Sprachraum. Die Konsequenz daraus ist:

Es gibt zu wenige Kindergärten und Mütter sind gezwungen bzw. von der Familie genötigt "beim Kind zu Hause zu bleiben", weil nur das eine gute Mutter ist.
Wenn diese Mutter dann derart vergeschädigt ist, dann ist das eine Katastrophe für das Kind, weil es selten ein gesundes Außenregulativ hat.
Den gleichen Albtraum erleben natürlich auch Kinder von schizophrenen, Alkoholiker-Eltern usw. Die Erkrankung der Eltern, der Mutter, wird in der Regel tabuisiert. Man trichtert ihr immer ein sich "zusammen zu reißen" weil psychische Erkrankungen als Schande, als Charakterschwäche, gelten, aber nicht als Krankheit.
Und die volle Dröhnung bekommt das Kind ab.

Schneeglöckchen
 
01
23.6.2010, 08:12

1
Rabenmutter mag ich auch nicht, weil oft Frauenfeindlichkeit mitschwingt - Rabeneltern hingegen schon (auch wenn Rabenvögel ihr mieses Image zu Unrecht haben - sie sorgen für ihre Nachkommen bis zur Selbständigkeit)

2
Gestreßte Eltern würde ich nicht mit psychisch gestörten Eltern gleichsetzen: Schizophrenie ist eine massive Persönlichkeitsstörung, Alkoholismus oft Symptom dafür: Betroffene sind idR nicht imstande, auch nur ein Mindestmaß an notwendigem elterlichen Schutz, Begleitung, Sicherheit, Wärme...ihren Kindern zu geben. Deswegen volle Zustimmung für Ihren letzten Satz.

Unerträglich finde ich es, wie wir alle sehenden Auges dem Schicksal von so vielen Kindern tatenlos zuschauen!

Toeris
00
23.6.2010, 10:53

Alkoholismus geht mit vielen unbehandelten psychischen Erkrankungen Hand in Hand. Auch die bipolare Störung.
Es bringt kurzfristig eine Entspannung in einem nicht kontrollierbaren Zustand. Nur ist dann die Sucht schneller als die Entspannung anhält und damit wird das Problem noch erhöht.
Ich verstehe jeden, der da rein tappt. Ist und war auch der Weg vieler Künstler und Schriftsteller. Manische Phase kommt, die Spitze wegsaufen und dann schreiben was da in der Manie hochgekommen ist. Das ist dann Literatur.

Toeris
00
20.6.2010, 11:47

Katastrophal.

Toeris
04
19.6.2010, 20:46
Und offenbar gehen hier wieder nur Postings mit Häme und purem Quatsch durch.

Postings mit Inhalt werden Zurückgehalten.
Spinnt die Zensi wieder mal?

KKdJ
16
19.6.2010, 20:27
Also, eines sollte schon klar sein: Diese Pressekonferenz war offensichtlich von AstraZeneca, dem Hersteller von Quetiapin, gesponsert.

Und man weiß ja schließlich auch, wie gut das Verhältnis des Hrn. Prof. Kasper zu dieser und so ziemlich allen anderen Pharmafirmen ist.

Das mit der "klassischen Psychoanalyse" hat wohl Kasper nicht gesagt. Und es dürfte wohl, gerade bei einer Bipolaren Störung, ein ziemlicher Unsinn sein. Da hilft Psychotherapie nicht, oder jedenfalls nur begleitend; die Leute brauchen wirklich Medikamente.

Und ich sage das, OBWOHL Kasper es auch behauptet. Er ist zwar gekauft, aber nicht alles, was er sagt, ist deshalb falsch.

Clemens Schwarz
10
19.6.2010, 20:19
400000 als lebenszeitprävalenz ergebe ca 5%

5% aller österreicher werden in ihrem leben an einer bipolaren erkrankung leiden. die sind nicht die ganze zeit krank.

die aussage, dass es nicht heilbar ist, ist nicht ganz verständlich, aber da man eine manische oder hypomanische phase als angenehm empfindet, sieht der erkrankte in dieser phase keine behandlungsbedürftigkeit. insofern drückt es die notwendige behandlungswürdigkeit aus.

es muss in der vergangenheit eine depressive phase vorkommen mit mindestens noch einer hypomanen phasen, dann würde man von bipolaren affektiven störung hypomane episode sprechen

nomad13
10
21.6.2010, 16:51
Du schon wieder

Weiter unten ging es um die Frage ob das "Borderline" ist -->das hat doch Madonna gesungen? Das war nach "Like a virgin" !!! Jetzt versteh ich. Vermutlich war ihr danach alles zu klein :-) hihihi

Mit meiner schnellen Auffassungsgabe - wäre besser wenn ich Plem Plem studiere

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