Nigeria

Die Ölpest, die keinen interessiert

18. Juni 2010, 10:40

Die Welt starrt auf den Golf von Mexiko und übersieht, dass die gleiche Katastrophe seit 50 Jahren Nigerias Böden vergiftet

Washington/Bodo/Wien - Während die Welt auf den Ölfilm vor der US-Küste starrt und US-Präsident Barack Obama und BP versuchen, durch deftige Worte und enorme Entschädigungssummen zumindest die eigenen Imageschäden in Grenzen zu halten, werden vergleichbare Katastrophen anderswo gerne ignoriert.

Shell statt BP

Und das über Jahrzehnte: Im Nigerdelta, wo Shell (der weltgrößte Energiekonzern) seit fast 50 Jahren nach Öl bohrt, gelangt jedes Jahr so viel Öl in den Boden, wie beim Unglück der "Exxon Valdez" ins Meer kam - also rund 41 Millionen Liter.

"Obama sorgt sich deswegen - aber niemand kümmert sich darum, was hier passiert", zitierte die International Herald Tribune am Donnerstag den nigerianischen Regionalverwaltungsbeamten Clayuts Kanye. "Die Fischerei ist tot: Früher gab es hier sogar Shrimps." Heute lebt in der schlammig braunen, nach Petroleum stinkenden Suppe in den Mangrovensümpfen nichts mehr.

Lecks in Pipelines

Tatsächlich ist die Ölverseuchung des Nigerdeltas lange dokumentiert. 6000 Kilometer Pipelines laufen durch das Land. Viele sind veraltet, haben Löcher und undichte Stellen. Zu Lecks, die oft monatelang nicht gestopft werden, führen auch Öldiebstähle durch die Bevölkerung, die im Gegensatz zur Regierung nicht an den Gewinnen (seit Beginn der Förderungen angeblich 600 Milliarden Dollar) partizipiert.

"Widerstand gegen die Ölunternehmen wird mit Gewalt niedergeschlagen", heißt es auf der Homepage von Amnesty International, "Regeln und gesetzliche Vorschriften zur nachhaltigen Gewinnung von Öl werden nicht eingehalten ... Die Menschen werden nicht über die Auswirkungen auf die Umwelt informiert."

Der "Teufelskreis aus Umweltverschmutzung, Armut und Menschenrechtsverletzung" ist bei Amnesty auf 147 Seiten beschrieben - aber dass das kaum jemanden interessiert, wissen die Bewohner der Region: Im Deutschlandfunk erzählte unlängst ein Bauer über seinen täglichen Sisyphuskampf gegen den Ölschlamm, der täglich aus einer Pipeline tropft und seine Felder "düngt" - und schloss mit einem Seufzer: "Nein, es gibt keine Hilfe - niemand will etwas für uns tun." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 18.6.2010)

 

Kommentar posten
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Laran Wish
00
20.6.2010, 11:56
Josef Wöss
06
20.6.2010, 11:53

danke für die erinnerung an diese dauerkatstrophe.

Nele_1
00
20.6.2010, 11:07

Ich hoffe dass es dieses Land schafft diese Blutabsauger, die Milliarden Gewinne machen, dabei Menschen, Natur und Länder zerstören einfach in den nächsten Jahren zur Rechenschaft gezgen werden.

stefan81
00
21.6.2010, 17:54

wetten ihre pensionsversicherung ist in so einen "blutsauger" wie sie ihn nennen investiert?

El Coyote
00
20.6.2010, 09:19
Heroin, Kokain, Benzin...

El Coyote
00
20.6.2010, 09:16
Ein erhebendes Gefühl, zu wissen ....

woran ich als Radfahrer nicht mitschuldig bin !

meinrad
01
20.6.2010, 20:54

tja, falls du nicht zusätzlich auch noch ohne strom in irgendeinem dorf in einem dritte-welt-land lebst und dein essen selbst anbaust, hast trotz radfahren indirekt einen anteil an der ölwirtschaft...

ned falsch verstehen, ich bewege mich auch praktisch nur mit dem rad fort und bin froh, mich nicht ständig über den benzinpreis ärgern zu müssen. aber selbst wenn jeder einzelne österreicher auf private kraftfahrzeuge verzichten würde, wäre das zwar eine tolle sache, aber wir könnten als land immer noch nicht ohne erdöl auskommen.

René Monet
 
11
20.6.2010, 09:49
Und ihre reifen sind

aus holz?

Nele_1
11
20.6.2010, 11:11

Der grße Unterschied ist die Menge die jemand verbraucht. Die Aktien mit denen diese Firmen sich aufblasen können und die Skrupellosigkeit mit der Flüchtlinge behandelt werden, denen die Lebensgrundlage entzogen wird weil Konzerne alles ruinieren Flüchtlinge in ihrem Booten absaufen, während Verbrecherkonzerne und da sind schon hauptsächlich die EU beteiligt
der Marke Shell und Co auch noch anerkannten Ruf genießen dürfen, weil Geld eh nicht stinkt.

dr. marbuse
03
20.6.2010, 09:45
Ignorant!

Wie gewinnen Sie denn denn Strom zu Hause, mit ihrem Hometrainer? Oder stecken Sie ihre Kinder in überdimensionale Hamsterräder?

Schon mal Kosmetikprodukte verwendet? Plastik? Woraus sind denn ihre Böden? Und die Reifen ihres Fahrrads?

Fossile Energie steckt in fast jedem Produkt des tgl. Gebrauchs, darüber muss man sich im klaren sein. Ein Umstieg kann nur durch sehr bewußtes und nachhaltiges konsumieren erfolgen und ist nur in sehr kleinen Schritten möglich!
Mit Plattitüden erreicht man gar nichts, außer das eigene Gewissen zu beruhigen, aber das reicht den meisten Menschen leider nur zu oft.....

Bernhard Marold
01
24.6.2010, 16:27
Gewissen beruhigen

Interessant, sobald jemand erwähnt, dass er/sie irgendetwas tut, um die Umwelt weniger zu belasten - z.B. Rad- statt Autofahren - wird er/sie als "Scheiheilig" diffamiert, weil er/sie nicht ganz auf Erdölprodukte verzichten kann. Dass ist genau die Art von Haltung die begründen soll, warum man selbst GARNICHTS tut um den eigenen Ökologischen Fussabdruck zu reduzieren!

Sturmwind
00
19.6.2010, 19:34
Alles ist relativ

http://4uu.net/x0l7mf

(Worst Oil Spills in History)

bzw. interaktiv: http://chartsbin.com/view/mgz

peace & love
04
19.6.2010, 19:08
ken saro-wiwa ...


... hat mit der verbreitung dieser erkenntnis vor einem erschiessungskommando geendet.

http://en.wikipedia.org/wiki/Ken_Saro-Wiwa

schei**welt.

If-Schleife
00
19.6.2010, 15:04

und was ist mit sibirien? ist doch überall das gleiche...

Systemrelevante Ausländerin
00
19.6.2010, 12:18
wäre schön

wenn das ganze auf einer globalen ebene thematisiert werden würde...

allein der glaube...mhm

naomi stein
11
18.6.2010, 23:49
Klarstellung

Kann man nicht wirklich vergleichen mit der Situation in Nigeria: 257.000 barrel jedes Jahr (41 Millionen Liter). Deepwater Horizon pumpt jeden Tag!! 60.000 barrel ins Meer. Alle 4 Tage equivalent von EXXON Valdez.

Und was soll die Welt denn machen wenn Nigerias Regierung korrupt ist und sich nicht um die lokale Bevoelkerung kuemmert?

iamdaiam
00
20.6.2010, 09:42
öl gegen waffen.

vor jahren habe ich ein flash gesehen, in dem gezeigt wurde in welchen regionen waffen hergestellt werden und wo sie verwendet werden.
öl gegen waffen oä. hat es geheissen. leider nie wieder gefunden. kann ihnen also keinen link schicken. ein zusammenhang ist aber kaum von der hand zu weisen

El Coyote
00
20.6.2010, 09:18
Tunlichst kein Öl verbrauchen ?

Cuca Racha
 
00
19.6.2010, 21:25
Klarstellung 2

"Und was soll die Welt denn machen wenn Nigerias Regierung korrupt ist und sich nicht um die lokale Bevoelkerung kuemmert?"

Zur Klarstellung, das ist das politische Resultat unserer Nachfrage nach Öl.
Wir bekommen das Öl so billig genau deshalb, weil Nigeria, Saudia Arabien etc. so sind, wie sie eben sind.

A ndreas Bogeschdorfer
02
18.6.2010, 17:24
Soviel zum Thema Boykott.

Boykottaufrufe zu Einzelereignissen sind sinnlos, weil sie an den Strukturen der Energiegewinnung nichts ändern.

Solange wir unseren Energiebedarf über Quellen decken, die nur mit hohem Kapitalaufwand erschlossen werden können, und damit die Kapitalmacht noch weiter konzentrieren, wird sich nichts ändern.

Solange wir Energie mit technischer und militärischer Gewalt gewinnen und sichern müssen, bleibt alles beim Alten.

Nur ein Wechsel zu dezentraler Energiegewinnung (und damit breiter Kapital/Machtverteilung) ohne technische Gewalt und ohne Konkurrenz/Militärzwang kann das Problem lösen.

Kurz: Raus aus Öl, Gas, Kohle, Uran, hin zu Sonnentechnologie, Wind, Kleinwasserkraft und in Kreisläufen gewonnene Biomasse, sowie Geothermie.

Cuca Racha
 
10
19.6.2010, 21:36
"Kurz: Raus aus Öl, Gas, Kohle, Uran,.."

Kurz: der spezifische CO2-Output der sog. alternativen Energie ist nach heutigem Stand der Technik höher als der von Grosswasserkraft und A-Energie. (Von den zubetonierten Alpen - zur Speicherung des "alternativen" Stroms in enormen Pumpspeicheranlagen nach heutigem techn. Stand notwendig - zu schweigen.)

Geothermie: dzt. gibt es einige Projekte in Deutschland; grosser lokaler Widerstand der Bevölkerung wegen der radioaktiven Abfälle, die diese Technik mit sich bringt.

Kapital: die "alternative" En. ist, als System gesehen, mindestens genauso kapitalintensiv.

(Dass in weiterer Zukunft Sonne, ev. neben Fusion, die wichtigste Energiequelle sein wird, ist wohl anzunehmen, aber bis dahin fliesst noch viel Öl irgendwohin.)

A ndreas Bogeschdorfer
01
20.6.2010, 13:26
Außer einem Skelett von Vorurteilen haben Sie argumentativ nichts zu bieten.

Das m d CO2 ist völliger Quatsch. Wie sollte Energiegewinnung deren Primärenergie aus Strahlung/Strömung gewonnen wird, mehr CO2 erzeugen als fossile Energien?

Lediglich zwischen AKW u PV stimmt das (vorläufig noch).

Speichertechn. gibts mehr als nur Pumpspeicherkraftwerke. Hier können d vorhandenen genutzt werden. Auch Biomasse ist gespeicherte Energie u kann z Lastenausgleich beitragen.

Kapital: 1. übernimmt bei d fossilen d Steuerzahler viele Kosten (Umwelt, Gesundheit, Infrastruktur..)

2. Gehts nicht um d Gesamtsumme, sondern um d Frage d Streuung. Fossil: Konzentriert, viel Kapital in einer Hand. Erneuerbar: Dezentral, viel Kapital in vielen Händen.

Niemand will sofort den Ölhahn abdrehen, aber Beschleunigung tut not.

Tron 2.0
00
20.6.2010, 15:50
Schöne neue Welt

Solarzellen wachsen auf Bäumen, Sonnenenergie verwandelt sich in Kuhmist

Der Dieb
10
18.6.2010, 23:04
Zustimmung, aber...

davon wegkommen kann man halt einfach nicht. oder doch?

Um Energie nützen zu können muss man sie dann erzeugen wenn man sie benötigt. Also kann man Solar nur bei Sonnenlicht, Windkraftwerke nur bei Wind und Wasserkraftwerke nur bei ausreichendem Wasser nutzen. Man kann einfach nicht Strom am Tag erzeugen und dann in der Nacht nützen, das geht nur in sehr geringem Maß.
Natürlich würden die ganzen Technologien uns sehr entlasten, jedoch braucht es immer eine Energieresource die sofort in großem Maß verfügbar ist.
Die einzige Möglichkeit wäre, wenn sich der Mensch an diese Begebenheiten einstellt. Dh. er nützt nur dann Energie wenn viel vorhanden ist und spart wenn sie nicht da ist.

Ich sage es ist Utopie. Überzeugt mich vom Gegenteil!

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