Zweitausend Tote befürchtet

18. Juni 2010, 17:59
29 Postings

Regierung droht mit Schließung von US-Basis in Manas

Die Unruhen in Kirgistan dürften zehnmal so viele Todesopfer gefordert haben wie bisher offiziell bekanntgegeben. Übergangs-Regierungschefin Rosa Otunbajewa, die am Freitag in die Krisenregion im Süden des Landes aufgebrochen war, schätzte die Zahl der Toten auf rund 2000.

Wahrscheinlich wird es nie klar sein, wie viele Opfer genau die Unruhen vor einer Woche in der südkirgisischen Stadt Osch gefordert haben. Viele Tote sind ohne Identifizierung begraben worden. "Nach unseren Bräuchen werden die Menschen noch vor Sonnenuntergang beerdigt", sagte Otunbajewa laut Kommersant.

Nach UN-Schätzungen haben bereits mehr als 400.000 Menschen ihre Heimatstädte verlassen und sind ins Grenzgebiet zu Usbekistan geflohen. Usbekistan hat rund 80.000 Flüchtlinge aufgenommen, aber dann die Grenze geschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis zu eine Million Menschen durch die Gewalt direkt oder indirekt zu Schaden gekommen sind.

Die Ursachen sind nicht geklärt. Augenzeugen berichteten, dass gut ausgerüstete Gangs mit gezielten Morden und Brandstiftungen einen Konflikt zwischen Kirgisen und Usbeken angeheizt haben. Die Übergangsregierung hat die Familie des gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew für die Gewalt verantwortlich gemacht. US-Vize-Außenminister Robert Blake forderte, die Vorfälle von einer internationalen Kommission untersuchen zu lassen.

Der Vize-Chef der Regierung, Asimbek Beknasarow, machte Druck auf die USA. Sollte Großbritannien den Sohn des Ex-Präsidenten, Maxim Bakijew, nicht ausliefern, werde er die Schließung der US-Militärbasis in Manas beantragen. Schließlich seien Großbritannien und die USA Verbündete im Anti-Terror-Kampf. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Interims-Premier Rosa Otunbajewa reiste nach Osch

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hilfslieferungen treffen in Osh ein.

Share if you care.