Der Plattmacher

17. Juni 2010, 19:31

Es wird spannend, ob sich nach Dichands Tod die politische Kultur verbessert

Hans Dichand prägte die (Massen-)Medienlandschaft der Zweiten Republik wesentlich mit. Er hatte direkten Einfluss auf die Politiker - wie nur wenige. Wenn jetzt aber Politiker aller Parteien - mit Ausnahme der Grünen - seine Qualitäten als Blattmacher rühmen, dann darf nicht darauf vergessen werden, dass er auch ein Plattmacher war: In seinem Blatt hatte menschenverachtende Berichterstattung Platz, häufig in Gedichtform. Es wurden Kampagnen gefahren, Hetze betrieben und unrichtige Darstellungen wider besseres Wissen veröffentlicht. Meinungsjournalismus zog sich durch alle Seiten - insbesondere die Innenpolitik.

Die bemerkenswerteste Kondolenz kam jedoch vom World Wildlife Fund mit der Überschrift: "WWF trauert um Hans Dichand - Österreichs Umwelt verliert ihr wichtigstes Sprachrohr" . Weiters heißt es: "Der WWF hofft, dass im Sinne Hans Dichands die Kronenzeitung die Blattlinie für den Schutz der Umwelt, die Erhaltung der Natur und gegen Gentechnik, Klimawandel und Atomkraft im Interesse der kommenden Generationen weiter beibehalten wird, so WWF-Präsident und WWF-Geschäftsführerin in gemeinsamer Trauer." Dass eine international tätige Organisation sich das traut und sogar "an die Kampagnen erinnert" - darunter hatten häufig Menschen zu leiden, Tiere nie -, offenbart eine besondere Sichtweise: Medien werden als Mittel zum Zweck benützt - sofern sie das zulassen.

Mit besonderem Verve verfolgte Dichand die EU. Es verging in den vergangenen Jahren fast kein Tag, an dem nicht - vor allem auf den Leserbriefseiten - die Staatengemeinschaft für alles mögliche verantwortlich gemacht wurde: für den Ausverkauf des Wasser, den Verkauf von Blutschokolade, Privilegienritterei etc. Zusätzlich hatten noch Menschen wie Hans-Peter Martin in Kolumnen eine Plattform, sich auszulassen.

Die Kronen Zeitung ist mitverantwortlich für den Niedergang der Diskussionskultur in dieser Republik. Nur weil es seit drei Jahren eine weitere Zeitung auf dem Boulevard gibt, die der Kronen Zeitung ihren Ruf als Krawallblatt streitig macht, sind häufige Verstöße gegen das Mediengesetz, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten, die Abschaffung von Unschuldsvermutungen nicht vergessen.

Spannend wird es, wie es weitergeht: Politiker, die bisher die Wertschätzung Dichands genossen haben - allen voran Bundeskanzler Werner Faymann, "die beiden Prölls" , wie sie Dichand selbst nannte, und vor allem Heinz-Christian Strache müssen sich nun neu orientieren. Die Kronen Zeitung taugt nicht mehr als ihr Leitstern, Cato gibt nicht mehr die Richtung vor. Sie müssen sich auf sich selbst verlassen, nicht mehr auf die Kampagnenfähigkeit des Kleinformats. Das macht insbesondere den Wahlkampf in Wien spannend, für den Strache die Kronen Zeitung als Helfer eingeplant hat.

Offen ist auch: Wird die Kronen Zeitung in ihrem täglichen EU-Bashing milder oder wird sie es sogar einstellen? Zu wünschen wäre es. Denn dann wären sachliche Diskussionen auch über kritisierenswerte Zustände in der EU leichter zu führen. Denn die Krone-Kampagne ist ein zentraler Grund für die negative Einstellung vieler Österreicher zur EU und der Erweiterung der Gemeinschaft.

Die Kronen Zeitung tritt nun in einen Prozess der Neuorientierung ein. Das ist auch eine Chance auf eine bessere politische Diskussionskultur in diesem Land. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2010)

Kommentar posten
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Urs Baumannn
00
22.6.2010, 21:34
Kronenzeitung

Ich glaube Starche und seine FPÖ Bande werden versuchen mit dubiosen Geldgebern die Zeitung ganz zu ihrem Sprachrohr zu machen

King of Pop
11
21.6.2010, 12:29
ad Plattmacher

http://derstandard.at/plink/127... id17068361

Freut mich, dass ich mit meinem Wortspiel zur Überschrift dieses Artikels beitragen konnte!

also dann ...
21
20.6.2010, 23:41
ja ... die krone + cato haben - oft - die eu "un-seriös" kritisiert, stimmt ! andererseits...

ist das PRO_EU_geschwätz ...
vor allem der selbsternannten "qualitätsmedien",
genauso indiskutabel - weil nur volksverdummung !

vor allem die stand-arT...redakteure/journalisten
sind alles andere als bewandert in der recherche
- wo ja die qualität eines jounrnlaisten beginnt.

also frau föderl :
kehren sie vor ihrer eigenen haustüre . . .

hansi b.
34
18.6.2010, 20:17
Krone versus Standard

Ich lese hier oft von Kronefans, der Standard wäre ähnlich manipulativ und tendenziös wie die Krone, nur
mit einer unterschiedlichen Ausrichtung.
Diese Meinung Kann nur von Postern verteten werden,
die den Standard nur online,d.h. mit den entsprechenden
Postings lesen, denn diese sind in ihrer Mehrzahl der linken oder besser linksliberalen Politorientierung zuzurechnen.
Im Gegensatz zur Krone betreibt der Standard keinen meinungsmanipulativen Journalismus und lässt v.a. bei Kommentaren auch andere Meinungen zu Wort kommen ganz im gegensatz zur Krone.
Ganz schlimm finde ich dabei , dass kaum zwischen
Berichterstattung und Meinungsmache unterschieden wird, was letzendlich auch das miese Niveau der Krone
ausmacht.

Urs Baumannn
10
22.6.2010, 21:36
Kronenzeitung

Sie sind wohl auch so ein verführter FPÖ Kleingeist

hansi b.
00
Eskimos am Äquator

Mich in den Dunstkreis der "F"PÖ zu stellen ist vergleichbar mit der Zuordnungvon Eskimos zum tropischen Regenwald

Bluestone
22
19.6.2010, 07:34

Sie dürften ein paar Auswüchse im ARTIKEL überlesen haben...

"Plattmacher", "Krawallblatt" , "menschenverachtende Berichterstattung" , "...den Niedergang der Diskussionskultur.." ,....
Derartige Auswüchse gab es in noch keinem Krone-Artikel, den ich gelesen habe.

"Denn die Krone-Kampagne ist ein zentraler Grund für die negative Einstellung vieler Österreicher zur EU und der Erweiterung der Gemeinschaft."
Um diese Aussage zu treffen, müsste Frau F-S eine Kristallkugel besitzen. Vielleicht verwechselt sie auch nur Ursache und Wirkung. Aber egal-Wissen ist Macht-nichts wissen macht auch nichts...

king of prussia golf association
00
19.6.2010, 20:20

das ist ein kommentar, kein artikel.

der unterschied ist nicht klar?

Alastair McKenzie
 
05
18.6.2010, 22:24
Leider ...

... finden sich auch in Standard-Berichten (ja, in Berichten!) tendenziöse Formulierungen. Aber wer weltanschaulich auf der gleichen Linie ist, merkt das wahrscheinlich nicht. Ebenso ist die Mehrzahl der Standard-Kommentatoren auf Blattlinie - ähnlich wie bei der Krone. Aber auch dort kamen die unterschiedlichsten Kommentatoren zu Wort, z.B. Nenning genauso wie später Schönborn, H.P. Martin wie Helmut Zilk, usw.
Was der Standard lobenswerter Weise nicht macht, ist, so extreme parteipolitische Kampagnen zu fahren wie die Krone in der Spät-Dichand-Phase. Das war früher aber auch nicht so. Aber subtil pusht der Standard schon Rot und Grün und basht Schwarz, ganz besonders aber Blau (und Orange).

hansi b.
00
Objektivität gibt es nicht

Natürlich hat ein Presseorgan eine Grundausrichtung.
Beim Standard würde ich diese als "Liberal" bezeichnen, vergleichbar in Deutschland mit der "Süddeutschen".
Hier wie dort werden gesellschaftliche "Fehlentwicklungen", wie Ausländerfeindlichkeit, Überwachungsstaat oder Turbokapitalismus etc. kritisiert,ohne aber dabei Kampagnen zu fahren wie die Krone oder in Deutschland die Bildzeitung.
Diese Grundausrichtung spiegelt sich natürlich sowohl in Kommentaren aber auch in Art und Auswahl von
Artikeln.

Peter Hammer 06
11
21.6.2010, 06:00
Kann man bei BLAUbraun und ORANGE ....

...anderes als bashen?

naja2009
 
01
18.6.2010, 19:57
...Frau Föderl-Schmid...

jetzt können Sie ja die Richtung vorgeben.Mal schauen,welcher der Herren sich danach orientiert.

magkeinelinken
30
18.6.2010, 19:28
Die Kronr unter Dichant war wenigstens halbwegs objektiv

Dass jeder Journalist auch ein wenig Partei nimmt ist klar, aber zu befürchten ist, dass die Printlandschaft ver- "Österreichert" wird. Wirklich nicht objektiv sind die Fellner Blätter (linke Lügengazetten) aber die Germanen a`la Bild zu bekommen ist auch nicht prickelnd.

Alastair McKenzie
 
42
18.6.2010, 18:44
Mark Twains ...

... Zitat von der Meinung, die er sofort überlegen würde zu ändern, wenn sie der Mehrheit entspricht, trifft auch auf Dichand und seinen EU-Kurs zu. Leider hat er sich 1994 vor den Karren der Europhoriker spannen lassen und damit das mehrheitliche "Ja" zur Volksabstimmung erst ermöglicht (ich frage mich, mit wieviel Partei- und Regierungsanzeigen dies entlohnt wurde), danach ist er aber auf eine kritische Linie eingeschwenkt - was sehr wohltuend war gegenüber dem geradezu religiösen Meinungs-Einheitsbrei der medialen Mehrheit, der leider auch der Standard angehört, und die ein eisernes erstes Gebot hat: An der EU ist keine Kritik zu üben, niemals! Dass Dichand sich dieser Meinungsdiktatur seiner Kollegen wiedersetzt hat, ehrt in besonders.

hot doc
02
19.6.2010, 16:22

ich denke, sie haben den mark twain falsch verstanden. aber einerlei: wenn sie eu-kritik lesen wollen, so können sie dies auch im standard tun. wenn sie jedoch eine tumbe meinungsmache gegen die eu-mitgliedschaft als solche lesen wollen, so greifen sie nach der kronen-zeitung.
simpel ausgedrückt: wenn sie der meinung sind, ö sollte aus der eu austreten, und diese meinung unhinterfragt bestätigt haben wollen, dann sind sie bei der krone richtig.

a las barricadas
11
18.6.2010, 18:43
na ja

im vergelich zum standard war und ist die krone ein ökonomisches juwel - und was den meinungsjournalismus betrifft, der nicht passendes aussen vor lässt, da ist der standard auch net schlecht.

Alastair McKenzie
 
00
18.6.2010, 20:16
Wer im Glashaus sitzt, ... ;-)

Aber es ist ja klar - der Standard zensuriert nur die "bösen" Meinungen, während die Krone die "guten" zensuriert. Oder? ;-)

Jo eh...
13
18.6.2010, 18:16

Es bleibt zu hoffen! Wie irgendjemand einmal geschrieben hat: Afghanen sind den Krone-Braunen schon Recht, solange sie vier Beine haben! Eine der widerlichsten und menschenverachtendsten Zeitungen der Welt.

Geh!danke
00
18.6.2010, 18:00
Stimme zu, besonders der Passage

über die negativen Wirkungen Ds auf die Wiener Presselandschaft. Viel zu viele Journalisten wollten ab und zu ein kleiner Dichand sein und ahmten seine gewissenlosen Polemiken gegen ihm nicht zu gesicht stehende Personen nach. Beispiel: sinn- und grundlose Herabsetzung U. Plassniks im Kurier.

Schwalbe
28
18.6.2010, 17:35

selten und gut: kritik ohne (viel) polemik. danke.
ich hoffe, dass kritische presse und kritische politik die entwicklung des 'mediamil-komplex' nach dichand erst recht kritisch verfolgt und dass auf dem österreichischen meinungsmarkt jetzt neue chancen und freiheiten entstehen und gepflegt werden. eigentlich mangelt es nicht an menschen, die verdanmt gut denken und schreiben können. vielleicht kommt jetzt mehr bewegung in den journalismus.

aereo
03
18.6.2010, 17:19
Frau Heide Schmidt ist für die Schwulen

und gegen Kreuze in den Schulen,
für die Entlohnung Arbeitsscheuer
und dass man Leistung straft mit Steuer.
Das Ganze nennt man “liberal”.
Viel Glück, Frau Heide, für die Wahl (Krone 2008)

Redets das Schundblattl nicht schön. Die Heide brauch ich auch nicht, aber das ist Nebenthema.

El Coyote
02
18.6.2010, 17:06
"De mortui nihil nisi bene"

Ergo nihil!

The Dark
11
18.6.2010, 17:01
In Zukunft

liegt es also an Zeitschriften wie Standard und Presse so Sachen wie Hainburg zu verhindern. Ob sie das schaffen werden, werden wir sehen.

Peter Alpenrausch
01
19.6.2010, 10:16
jaja

weil der herr dichand war ja ein ganz ein grüner

und die aubesetzer hat er ja nicht benutzt um sein eigentum zu erhalten ...

Geol Dolter
 
00
20.6.2010, 08:17
erzählen sie

wissen sie mehr darüber?

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