Reicher Russe - das wär's

17. Juni 2010, 19:21
145 Postings

Mit dem Spruch eines Höchstgerichtes im Rücken ist leicht stinken - Der Fall Zogaj zeigt: Heimat bist du großer Heuchler

Beim nächsten Anlauf, die österreichische Bundeshymne umzuschreiben, sollte man auf keinen Fall auf den Einbau der Zeile vergessen: Heimat bist du großer Heuchler. Damit käme man der Wahrheit näher als mit der späten Entschädigung großer Söhne, die zu Lebzeiten meist miserabel behandelt wurden. Die Gesinnungen, die der Fall der Familie Zogaj ans Tageslicht bringt, zeigt das Land der selbstgefälligen Rechthaber in seiner ganzen Erbärmlichkeit.

Mit dem Spruch eines Höchstgerichtes im Rücken ist leicht stinken, also trompeten die umgepolten Kohlhaase der Nation ihr "Recht muss Recht bleiben!" Klar, was sonst in einem Rechtsstaat - wäre er sonst nur auch so gut beschirmt! Wie es zu diesem Recht kommen konnte, und wie es praktiziert wird, das fällt besser unter den Tisch.

Die Zogajs haben sich rechtlich nicht korrekt verhalten. Auch wenn man das nicht entschuldigt, so hatten sie dafür doch einen in den hiesigen Verhältnissen liegenden Grund. Die Zerstörung ihrer Familie büßen sie aber für ein Verbrechen - für das Verbrechen, keine Russen mit großem Vermögen dubioser Herkunft zu sein, die sich österreichische Staatsbürgerschaft, damit EU-Bürgerschaft und Aufenthalt bei einem Landeshauptmann gegen Einzahlung in einen Topf erkaufen, aus dem schöpfend dieser wiederum vor seinem Volk den herzensguten Gönner geben konnte. Und der Obmann einer Partei, die diese patriotische Finanztransaktion von allerhöchst österreichischem Interesse in der letzten Sitzung einer Regierung vor deren Absterben noch rasch abgesegnet hat, geht im Falle der Familie Zogaj nun mit dem Spruch hausieren: Recht muss Recht bleiben. Ja, den Zogajs geschieht Recht.

Komplexe Sauberkeit

Da haben sie es noch gut. Kärntner Slowenen warten seit Jahrzehnten darauf, dass die Sonne solch hehren Rechtsbewusstseins auch auf sie fällt, der Staatsgefangene Helmut Elsner noch nicht ganz so lange, und nicht wenig deutet darauf hin, dass ein ehemaliger Finanzminister und seine Kompagnons für immer im Zustand einer angeschimmelten Unschuld schmachten müssen, weil die Komplexität ihrer Sauberkeit die Möglichkeiten einer Justiz unter der gegenwärtigen Justizministerin überfordert. Daran, dass sie vielleicht in Österreich nie zu ihrem Recht kommen, sieht man, wie gut die Zogajs aus Österreich davon kommen, so nur der gute Wille einer Innenministerin christlich waltet.

Denn deren Partei ist die Familie heilig, heilig, heilig, jedenfalls um den 24. Dezember, weil gratis. Entspricht diese dann auch noch ihren hohen Anforderungen an Integration, kann nur noch das Recht an dieser Heiligkeit rütteln. Und wenn schon - Hauptsache, einmal hinausgeworfen! Von draußen kann sie es ja wieder probieren. Schließlich braucht Österreich die Zuwanderung junger, gut integrierter Kräfte dringend.

Experten des Heuchelns

Das naturgemäß kleinformatige Gewissen der Nation hat die Haltung der Politiker im Fall Zogaj als "erbärmliche Feigheit" qualifiziert. "Aus Angst, in der Umfragegunst zu sinken, verschanzt man sich hinter einem Richterspruch. Das ist keine Politik, das ist eine Schande." Wer sollte das besser wissen als die Krone - im Lande der Heuchler? (DER STANDARD Printausgabe, 18.6.2010)

 

Share if you care.