Von A wie Adabei bis Z wie Zilk

17. Juni 2010, 17:29
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Cato, Haider, Leserbriefe, Onkel Hans, etc.

Wien - Hans Dichand und die "Kronen Zeitung" haben die österreichische Medienlandschaft in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mitgeprägt. Nachfolgend ein "Krone"-Lexikon von A wie Adabei bis Z wie Zilk.

Adabei: Unter der Rubrik "Adabei" läuft seit Jahrzehnten die Gesellschaftsberichterstattung der "Krone". Die bekanntesten Gesellschaftskolumnisten des Kleinformats waren Roman Schliesser und Michael Jeannee. Letzterer widmet sich Promis und Politikern inzwischen in der Kolumne "Post von Jeannee". Wenige Tage vor seinem Tod rührte Hans Dichand in der "Adabei"-Redaktion nochmals gehörig um und tauschte das aktuelle Personal aus.

Boulevard: Hand Dichand bevorzugte die Bezeichnung "Volkszeitung", Medienwissenschafter sahen und sehen die "Krone" hingegen eindeutig am Boulevard beheimatet. Als Zeichen dafür werden die populistische Themenaufbereitung, die Betonung des Wir-Gefühls mit den Lesern, schreiende Schlagzeilen, Law-and-Order-Parolen in der Kriminalberichterstattung oder patriotische Töne im Sport gewertet. Unter dem Titel "Tag für Tag ein Boulevardstück" lieferte der TV-Sender arte vor Jahren eine anschauliche "Krone"-Doku, deren Ausstrahlung der ORF verweigerte.

Cato: Eines der Pseudonyme unter denen Hans Dichand seine Kommentare zeichnet. Neben Cato (der Ältere), der im Alten Rom gegen Sittenverfall und Überfremdung wetterte, schrieb Dichand in der Vergangenheit auch als (Philosophenkaiser) Aurelius, Erwin Togger oder einfach mit dem Kürzel H.D. Dichands letztes Pseudonym bleibt hingegen geheim. Nach seiner Einlieferung ins Spital wurde er unter strengster Geheimhaltung abgeschirmt und verbrachte die letzten Tage seines Lebens unter falschem Namen.

Dichand: Hans Dichand war Gründer, Hälfteeigentümer, Herausgeber und Alleingeschäftsführer der "Kronen Zeitung". Er galt als einer der mächtigsten und politisch einflussreichsten Medienmänner des Landes. Zum Dichand-Clan gehören Ehefrau und Haupterbin Helga, Tochter Johanna, Sohn Michael und Sohn Christoph, der 2003 vom Vater zum Chefredakteur der "Kronen Zeitung" gekürt wurde. Christoph ist mit Eva Dichand verheiratet, die Geschäftsführerin und Herausgeberin der Gratis-Tageszeitung "Heute" ist.

EU: Unterstützte Hans Dichand mit der "Krone" in den 1990er Jahren noch den Beitritt zur EU und warnte vor einer "Eurosklerose", so hat sich der politische Wind in der Muthgasse in der jüngeren Vergangenheit klar gegen Brüssel gedreht. Die "Krone" hatte eine heftige Kampagne gegen die EU und insbesondere den EU-Vertrag von Lissabon geritten, deren vorläufiges Ende der berühmte EU-Brief des damaligen Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer und des jetzigen Kanzlers Werner Faymann bildete. In dem als "Kniefall" bewerteten Schreiben an den "Krone"-Patriarchen sprachen sich Gusenbauer und Faymann für künftige EU-Volksabstimmungen aus. "Krone"-Kritik gab es hingegen an Bundespräsident Heinz Fischer für dessen EU-Haltung.

Falk: Kurt Falk war neben Dichand Geschäftsführer, Mitherausgeber und Hälfteeigentümer der "Kronen Zeitung" ehe er 1987 nach langjährigen Streitigkeiten mit Dichand aus dem Unternehmen schied. Mit der 160 Millionen Euro schweren Abfindung für seinen 50 Prozent-Anteil gründete Falk die "Ganze Woche" und publizierte von 1992 bis 2000 die Tageszeitung "täglich Alles". Er starb 2005 kurz vor seinem 72. Geburtstag. Mit seinen Marketing- und Vertriebsideen trug Falk in den 1960er und 1970er Jahren wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg der "Krone" bei.

Gewerkschaft: Mit Gewerkschaftsgeld, das der damalige ÖGB-Präsident Franz Olah aufstellte, wurde der Start der "Kronen Zeitung" erst finanziell ermöglicht. Mitte der 1960er Jahre erhob der ÖGB nach der Entmachtung Olahs Anspruch auf die Tageszeitung. Nach langwierigen Gerichtsverfahren blieb das Blatt aber in der Hand Dichands und seines Kompagnons Falk.

Haider: Mit ihrer Berichterstattung war die "Krone" in den 1990er Jahren maßgeblich am Aufstieg Jörg Haiders beteiligt. Haider wurde von Dichand als notwendiger und wichtiger "Hecht im Karpfenteich" beschrieben, offene Unterstützung für freiheitliches Gedankengut gab es von verschiedenen "Krone"-Kolumnisten unter anderem beim Thema Ausländer.

Internet: Unter krone.at ist die "Kronen Zeitung" seit einigen Jahren auch im Internet vertreten und zählt dort zu den größeren heimischen Medien-Portalen. Rund 900.000 Leser monatlich erreichte man dabei zuletzt. Im Internet läuft darüber hinaus auch "krone-tv", das zuletzt auf rund 280.000 monatliche Seher kam.

Jeannee: Michael Jeannee war zunächst als Sonderreporter der "Krone" unterwegs und löste danach Roman Schliesser als "Adabei" und Gesellschaftsreporter des Blattes ab. 2003 fiel Jeannee bei Dichand in Ungnade, 2007 durfte er mit seiner täglichen Kolumne "Post von Jeannee" sein "Krone"-Comeback feiern.

Kampagnen: Sie sind das tägliche Brot der "Kronen Zeitung" - seien es Hainburg, Temelin oder die EU. Nahezu jedes Thema ist für die "Krone" kampagnenwürdig, und die Kampagnenfähigkeit der größten österreichischen Tageszeitung ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass das Kleinformat als politischer Machtfaktor gesehen wird. Zitat Dichand: "Alle unsere Kampagnen sind groß. Wenn wir etwas machen, dann ordentlich."

Leserbriefe: Kanzler Werner Faymann nimmt über die Leserbriefe der "Krone" gerne öffentliche Witterung und Stimmung auf, "Krone"-Herausgeber Hans Dichand misst ihnen besonderen Stellenwert bei und wählt die Inhalte der Leserbrief-Spalten auch gerne selbst aus. Startete eine der berüchtigten "Krone"-Kampagnen, dann zählten die Leserbriefe stets zu wichtigen "Geschoßen" der größten Medien-"Stahlorgel" des Landes.

Mediaprint: Bei der Mediaprint handelt es sich um eine gemeinsame Gesellschaft von "Kronen Zeitung" und "Kurier", in der die zeitungswirtschaftlichen Aktivitäten der beiden Blätter - von Druck über Vertrieb und Anzeigen bis hin zur Verwaltung - zusammengelegt wurden. Der Mediaprint, die ihren Sitz wie die "Krone" in der Muthgasse in Wien-Döbling hat, wird von anderen Verlagen eine marktbeherrschende Stellung nachgesagt.

Nackte: Die Nackte auf Seite 7 gehört zum täglichen Repertoire des Boulevardblattes. Barbusige Nacktmodels werden dabei als Mädchen von nebenan präsentiert. Die Bildunterschriften dazu lieferte in der Vergangenheit mitunter auch Hans Dichand selbst.

Onkel Hans: So soll Hans Dichand von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann genannt worden sein. Faymann pflegt ein betont enges Verhältnis zum Kleinformat.

Politmacht: Dass die "Krone" ein politischer Machtfaktor ist, bestreiten nur wenige in Österreich. Hans Dichand selbst gehörte dazu. Politische Opfer der "Krone" wie etwa der frühere Vizekanzler und VP-Chef Erhard Busek neigen hingegen zur Annahme, dass die "Krone" unter der Bundesregierung Faymann das Regierungsprogramm durch die Vorgabe der Themen-Agenda maßgeblich mitbestimmt. Kritiker beklagen, dass gegen die "Krone" in Österreich wenig bis gar nichts geht. Als Beispiel dafür, dass das so nicht stimmen, muss immer wieder der letzte VP-Kanzler Wolfgang Schüssel herhalten. Er hat gegen Dichands Wunsch die Regierung mit der Haider-FPÖ gebildet.

Quote: Die "Krone" ist die quotenstärkste Tageszeitung des Landes. Die Reichweite beträgt 40,4 Prozent oder rund 2,9 Millionen Leser. Ihr Aufstieg begann in den 1960er Jahren mit unter fünf Prozent Reichweite, 1968 setzte sich das Kleinformat an die Spitze der heimischen Tageszeitungen. Die verkaufte Auflage des Blattes lag zuletzt bei etwa 800.000 Exemplaren.

Radio: Im Radiobereich ist die "Kronen Zeitung" mit dem Sender "Kronehit" vertreten. Es entstand 2001 aus dem niederösterreichischen Regionalradio Rpn der Tageszeitung "Kurier". Durch den Aufbau einer Senderkettenstruktur ist "Kronehit" das einzige bundesweit vertretene Privatradio und kommt auf über 600.000 Hörer.

Sport: Der Sportteil zählt zu den Kernressorts der "Krone" und ist wesentlich für den Erfolg des Blattes mitverantwortlich. Lange Zeit geführt vom später geschassten Chefredakteur Michael Kuhn wurde und wird hier ergebnis- und personenorientiert über die wichtigsten Sportereignisse des Tages berichtet. Kritiker schätzen zwar das Angebot, monieren aber den mitunter chauvinistischen und oft für österreichische Sportler Partei ergreifenden Unterton der Berichterstattung.

Tiere: Tiere zählen wie Nackte und Kinder zu einem wesentlichen Gestaltungselement der "Krone". Tier-Fotos gehören zum täglichen redaktionellen Geschäft des Blattes, darüber hinaus zeigt man in der Tierecke des Blattes ein besonderes Herz für Vierbeiner. Leiterin des Ressorts für schwer vermittelbare Hunde und Katzen ist Maggie Entenfellner, die den Job von Edith Klinger übernahm. "Der Tierschutz ist für uns wichtig, wir haben ein sehr großes Ressort, das ist ein Millionenunternehmen geworden. Wir kriegen Erbschaften und alles Mögliche", beschrieb Dichand einst selbst den Stellenwert.

U-Express: Unter diesem Titel erschien von 2001 bis 2004 die erste tägliche Gratiszeitung Wiens, für die Hans Dichand verantwortlich zeichnete. Der "U-Express" wurde schließlich ein Opfer des Streits zwischen Dichand und der WAZ und auf Drängen der deutschen Partner eingestellt. Kurze Zeit später startete die Gratis-Tageszeitung "Heute", der ebenfalls - von der Familie Dichand stets dementierte - Verbindungen zur "Krone" nachgesagt werden und die heute von Dichands Schwiegertochter Eva als Geschäftsführerin und Herausgeberin geleitet wird.

Vorhof: Im "Vorhof der Macht" wähnt Hans Dichand seinen Platz als Zeitungsmacher. Er streichle lieber seinen Hund daheim, als Macht auszuüben, so ein berühmtes Zitat des "Alten".

WAZ: Die WAZ ist der drittgrößte Zeitungsverlag Deutschlands und an zahlreichen Medien in Mittel- und Ost-Europa beteiligt. In Österreich hält die WAZ 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" sowie 49,44 Prozent am "Kurier". Via "Kurier" hält der deutsche Medienkonzern auch Anteile an der News-Gruppe. Mit Dichand lag die WAZ in den vergangenen Jahren immer wieder im Clinch. Legendär war etwa der öffentliche Schlagabtausch zwischen Dichand Senior und dem WAZ-Manager Erich Schumann. Zuletzt standen die Signale auf Frieden. Den von Dichand so gewünschten Rückkauf der WAZ-Anteile sollte der "Krone"-Herausgeber aber nicht mehr erleben.

Xenophob: Die "Krone" war in der Vergangenheit wiederholt den Vorwürfen der Ausländerfeindlichkeit, des Antisemitismus und Rassismus ausgesetzt. Als Beleg dafür dienten vor allem Kolumnen von Richard Nimmerrichter, der unter dem Pseudonym "Staberl" fast 40 Jahre für die "Krone" tätig war, oder "in den Wind gereimte" Verse des "Krone"-Haus- und Vorhof-Dichters Wolf Martin. Hans Dichand wies solche Vorwürfe stets zurück.

Ysop: Eine Heilpflanze und Bestandteil einer Tee-Rezeptur, die der 2004 verstorbene Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger noch im Jahr 2006 in seiner regelmäßigen Vermächtnis-Kolumne aus den Jenseits anpreisen durfte. Weidinger war einer der vielen "Krone"-Kolumnisten.

Zilk: Der ORF-Journalist, SPÖ-Politiker und Wiener Bürgermeister Helmut Zilk war ein enger Freund Hans Dichands und arbeitete über viele Jahre auch als "Ombudsmann" für das Kleinformat. Das Hrdlicka-Denkmal gegen Krieg und Faschismus vor der Wiener Albertina zog er als Bürgermeister auch gegen kritische "Krone"-Stimmen dennoch durch. Zuletzt nahm die "Krone" Zilk gegen Spionage-Vorwürfe in Schutz. (APA)

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