Ex-Bank-Austria-Managerin auf Schadenersatz geklagt

17. Juni 2010, 16:50
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Anwalt Böhmdorfer: Radel-Leszczynski hätte von Malversationen wissen müssen - Beklagte dementierte

Wien - Die Causa um den inhaftierten US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff beschäftigt weiterhin auch die österreichische Justiz. Etwa wurden gegen die Bank Austria wegen ihres Fonds "Primeo", der bei Madoff rund zwei Mrd. Dollar verloren haben soll, schon zahlreiche Klagen eingebracht. Nun hat Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer gegen die ehemalige Bank-Austria-Managerin Ursula Radel-Leszczynski persönlich drei Schadenersatzklagen eingebracht, berichtet das "Format" in seiner aktuellen Ausgabe. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen sie wegen schweren Betrugs, Bilanzfälschung und Verstoß gegen das Investmentfondsgesetz. Radel-Leszczynski hatte in der Vergangenheit bestritten, von den Machenschaften Madoffs gewusst zu haben, es gilt die Unschuldsvermutung.

Radel-Leszczynski war laut "Format" seit 1995 beim BA Worldwide Fund Management tätig, ab 2000 in leitender Funktion. Die Gesellschaft hat den von Madoff gemanagten "Primeo"-Fonds aufbereitet. Für Böhmdorfer ist Radel-Leszczynski "aufseiten der Bank Austria die Hauptverantwortliche in der ganzen Causa. Sie musste davon wissen, dass Madoff den Primeo managt, und hat das bewusst verschwiegen". Die früher in der Bank als Shootingstar in der Bank gehandelte Managerin sei nämlich immer im Zentrum des Geschehens gewesen. Sie habe Madoff mehrmals persönlich getroffen und sei auf den "Primeo"-Verkaufsfoldern als Ansprechpartnerin genannt worden. Böhmdorfer sieht Radel-Leszczynski als Erfüllungsgehilfin der Bank, womit sie persönlich haftbar sei, wie er in den Klagen laut Magazin schreibt. "Man darf sich für seinen Arbeitgeber eben nicht zu schmutzig machen", sagte der Anwalt, aus dessen Sicht die Managerin von den Madoff-Malversationen hätte wissen müssen.

Beklagte dementiert

Die Beklagte hingegen hat "Format" zufolge Ende Oktober bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt: "Zu keiner Zeit hatte ich eine Ahnung, Vermutung oder Kenntnis über die betrügerischen Machenschaften von Madoff." Und auch die Geschicke von "Primeo" seien nicht in ihrer Hand gelegen. Radel-Leszczynski ist dem Magazin zufolge immer noch in der UniCredit-Gruppe beschäftigt.

Der Fall Madoff zieht in Österreich immer weitere Kreise, so galt Sonja Kohn als eine der wichtigsten Geldbeschafferinnen des ehemaligen Börsengurus. Ihr Geldhaus, die Bank Medici in Wien, musste im Gefolge des Betrugsskandals seine Banklizenz abgeben. Das kleine Institut, an dem auch die Bank Austria mit 25 Prozent beteiligt war, initiierte den "Herald"-Fonds, dessen Mittel ebenfalls Madoff zuflossen. Gegen Kohn, für die die Unschuldsvermutung gilt, wird im In- und Ausland ermittelt. Neben zahlreichen hochrangigen Bankern haben hierzulande auch die steirische Gemeinde Hartberg, die deutsche "Zeit" einst als "Zockerstädtchen" bezeichnet hatte, sowie die Kärntner Tourismusholding (KTH) jeweils mehrere hunderttausend Euro verloren.(APA)

 

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