Seeräuber beschossen Frachter mit Raketenwerfer - Besatzung versenkte Piratenboot
Rotterdam - Ein Gericht in den Niederlanden hat fünf
somalische Staatsbürger wegen Piraterie zu je fünf Jahren Haft
verurteilt. Es war das erste Verfahren gegen somalische Seeräuber,
das in Europa stattfand. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass
die fünf Männer im Jänner 2009 einen türkischen Frachter, der unter der Flagge der niederländischen Antillen fuhr, mit Raketenwerfern und Gewehren angegriffen zu haben.
Dessen Besatzung der "Samanyolu" setzte sich zur Wehr und schoss das Boot der Angreifer mit Leuchtsignalmunition in Brand. Das Boot sank, aber die mutmasslichen Piraten wurden von einem dänischen Militärhelikopter vor dem Ertrinken gerettet. Später übergaben die Dänen die Angeklagten den niederländischen Behörden.
Verteidigung: Angeklagte suchten Hilfe
Die Verteidigung argumentierte, die Angeklagten seien Fischer, deren defektes Boot in Seenot geraten sei. Hilfesuchend hätten sich die Somalier im Alter zwischen 25 und 45 Jahren an den türkischen Frachter gewandt - und nicht in der Absicht, das Schiff zu überfallen.
"Wir hatten unsere Hände hoch erhoben, als wir uns dem Schiff näherten und plötzlich auf uns geschossen wurde", schilderte einer der Männer.
Die Staatsanwaltschaft hatte Haftstrafen von sieben Jahren
verlangt. Der Vorsitzende Richter argumentierte jedoch, die
schwierigen Verhältnisse in Somalia hätten dazu beigetragen, dass die
Männer zu Piraten geworden seien. (red/APA/apn)