Gold gehört in jedes gut sortierte Portfolio

17. Juni 2010, 16:35
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Als Instrument zum Vermö­genserhalt und als Versicherung gegen einen Zusammenbruch der Finanzmärkte sind Goldzertifikate Pflicht - Von Christian Scheid

Seit Urzeiten übt Gold eine magische Anziehungskraft auf die Menschheit aus. Während der Abbau des gelben Edelmetalls vermutlich während der Kupferzeit begann, also ab dem achten Jahrtausend v. Chr., gehen die ersten goldigen Fundstücke in Europa auf das vierte Jahrtausend v. Chr. zurück. Weil es sich das Edelmetall gut bearbeiten lässt, seinen Glanz lange Zeit behält, es schwer und selten ist, wurde Gold anfangs vor allem für rituelle Gegenstände und Schmuckstücke verwendet. Seit dem sechsten Jahrhundert v. Chr. wird es in Form von Münzen auch als Zahlungsmittel eingesetzt.

Bis heute hat Gold von seinem Glanz nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Sämtliche Finanzkrisen, Kriege und Inflationsphasen der vergangenen Jahrhunderte hat das Edelmetall nicht nur überlebt, sondern währenddessen auch nichts von seiner Kaufkraft verloren. Daher dient Gold in Form von Münzen und Barren bis heute als international anerkanntes Zahlungsmittel und wird von vielen Notenbanken weltweit als Reservewährung eingelagert - obwohl die Devisen heutzutage nicht mehr durch Goldreserven gedeckt sind.

Zunehmende Bedeutung bei Investoren

Auch bei Investoren gewinnt Gold zunehmend an Bedeutung. Der Anteil der privaten Anleger und Investoren, die das Edelmetall nachfragen, stieg allein zwischen 2007 und 2009 von 19,3 auf 37,5 Prozent. Von einer Euphorie sind wir allerdings noch weit entfernt. Ein Beispiel: Die südafrikanische Manufaktur des legendären Krügerrands wird dieses Jahr zwar erstmals seit 26 Jahren wieder mehr als eine Mio. Münzen produzieren. Doch in dem von der Ölkrise und hoher Inflation geprägten Jahrzehnt zwischen 1974 und 1984 wurden pro Jahr zwischen zwei und sechs Mio. Stück produziert.

Als künftige Nachfragetreiber kommen die Notenbanken hinzu. Während sie am Markt jahrelang als Goldverkäufer auftraten, kehrt sich dieser Trend nun um. Vor allem die asiatischen Zentralbanken sind auf der Käuferseite zu finden. Ungebrochen hoch ist auch die Schmucknachfrage aus Indien. Solange die Ursachen der Krise nicht angegangen werden, jeder neuer Brandherd im internationalen Finanzsystem also mit noch billigerem Geld bekämpft wird, spricht nichts gegen höhere Kurse. „Der langfristige Gold-Bullenmarkt ist vollkommen intakt", erklärt Erste Group-Analyst Ronald Stöferle. Als Mindestkursziel hat der Experte das inflationsbereinigte Hoch aus dem Jahr 1980 definiert: Es lag bei 2.300 US-Dollar pro Unze.

Zertifikate als Alternative

Für Anleger, denen es zu umständlich ist, Münzen und Barren zu kaufen, bietet der Zertifikatemarkt praktische Alternativen: Am einfachsten lässt sich ein Goldinvestment via Partizipationszertifikat abbilden. Diese „Tracker" vollziehen die Notiz eins zu eins nach. Angesichts der großen Auswahl sollten Sie unbedingt darauf achten, dass das Zertifikat währungsgesichert ist! Denn Gold wird am Weltmarkt in US-Dollar gehandelt. Somit unterliegen in Euro notierte Zertifikate dem Währungsrisiko. Ohne eine Absicherung haben Sie nichts davon, wenn Gold zwar wie erwartet steigt, aber eben nur in US-Dollar und nicht in Euro in ihrem Depot. Häuslbauer, die einen Kredit in Schweizer Franken aufgenommen haben, wissen sicher ein Lied davon zu singen, wie schmerzlich Währungsverluste sein können.
Die Währungsabsicherung sollte Ihnen die paar Prozent Gebühr pro Jahr wert sein. Sie fällt von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich aus und kann sich mit der Zeit je nach Marktgegebenheiten auch ändern.

Durch besonders günstige Konditionen zeichnen sich momentan Goldman Sachs (ISIN DE000GS72X24) und die Deutsche Bank aus. Unsere Wahl fällt auf das X-pert Zertifikat der Deutschen Bank (ISIN DE000DB0SEX9). Hier beträgt die Quanto-Gebühr 2,0 Prozent p.a. Angenommen, der Trend am Devisenmarkt dreht sich um und der US-Dollar wertet gegenüber dem Euro wieder ab, dann macht sich die Gebühr bezahlt.

Ohne Währungsabsicherung, aber dafür mit Extra-Schutz ist der RBS physical Gold ETC von der Royal Bank of Scotland (RBS) (ISIN DE000A1EDJ96) ausgestattet. Der ETC - die Abkürzung steht für Exchange Traded Commodity - ist aus rechtlicher Sicht zwar wie ein Zertifikat den Inhaberschuldverschreibungen zugeordnet, ist aber für den Fall einer Insolvenz der Emittentin durch physisches Gold in Form von 12,5-Kilo-Barren besichert. Angesichts der physischen Hinterlegung bei gleichzeitiger liquider Handelbarkeit des Edelmetalls geht die Managementgebühr von 0,29 Prozent p.a. durchaus in Ordnung.

Wer an den Rückschlag glaubt

Wer kurzfristig einen Rückschlag beim Goldpreis nicht ausschließt, kann zu einem Discountzertifikat greifen. Diese Papiere erlauben den Einstieg in das Edelmetall mit einem Rabatt. Im Gegenzug sind die Renditechancen begrenzt. Auf diese Weise sind ansprechende Renditen möglich, selbst wenn der Basiswert nur seitwärts läuft. Bei einem Discounter von Vontobel (ISIN DE000VFP3Y48) beträgt der Rabatt im Vergleich zum Goldpreis derzeit 4,9 Prozent. Sofern die Notiz am Laufzeitende im September 2010 mindestens bei 1.200 US-Dollar notiert, erzielen Sie mit diesem Zertifikat aktuell eine Rendite von 2,2 Prozent bzw. 10,3 Prozent p.a. Aufgrund der kurzen verbleibenden Restlaufzeit von rund drei Monaten kann bei diesem Investment auf eine Währungsabsicherung verzichtet werden, zumal das Sentiment für den Euro derzeit alles andere als gut ist und in den kommenden Monaten keine nennenswerten Verluste des US-Dollar zu erwarten sind.
Spekulanten kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Mit einem Turbozertifikat können Sie überproportional von einem Kursanstieg profitieren. Vor dem Kauf sollten Sie unbedingt prüfen, ob eventuelle Gewinne daraus KESt-frei vereinnahmt werden können. Hierzu muss der Hebel zum Zeitpunkt der Emission größer als fünf gewesen sein und zudem eine Meldung bei der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) vorliegen.

Zahlreiche Emittenten weisen auf ihren Internetseiten aus, ob Turbos KESt-pflichtig sind oder nicht, etwa die Raiffeisen Centrobank (RCB). Mit einem Hebelpapier der Wiener (ISIN AT0000A0FU79) können Sie mit dem Faktor von aktuell 4,6 an eventuellen Kursgewinnen des Edelmetalls teilhaben. Natürlich wirkt der Hebel sowohl nach oben als auch nach unten. Das bedeutet: Nicht nur Gewinne des Goldpreises, sondern auch Verluste werden beim Turbozertifikat überproportional umgesetzt. Achtung: Sollte der Goldpreis wider Erwarten fallen und die Knock-Out-Schwelle von derzeit 994,16 US-Dollar auch nur ein einziges Mal berühren, wird der Turbo sofort fällig und zum dann noch erzielbaren Restwert zurückgezahlt. Hohe Verluste wären also die Folge. Wegen des höheren Risikos sollte der Kapitaleinsatz bei Hebelprodukten also stets geringer ausfallen als bei einem Direktinvestment.
Einen besonderen Reiz bieten Investments in Aktien von Goldproduzenten. Denn die Minen profitieren überproportional von einem steigenden Goldpreis, sofern sie ihre Produktionskosten konstant halten können. Auf der anderen Seite sind Minenaktien aber auch mit höheren Risiken verbunden, sollte der Preis für das Edelmetall wider Erwarten einbrechen. Das Einzelaktienrisiko können Sie mit Zertifikaten umgehen, die sich auf mehrere Titel beziehen. Ein Beispiel für ein solches Papier ist der Goldaktienbasket von der Erste Group Bank (ISIN AT0000A0DY51). Der Aktienkorb enthält Aktien von nach Ansicht der Researchabteilung der Erste Group „aussichtsreichen" Konzernen, die in der Goldproduktion und der Goldexploration tätig sind bzw. Unternehmen, die kurz vor Start dieser Geschäftszweige stehen. Bei der Auflage vor knapp einem Jahr wurde das Zertifikat mit elf anfangs gleichgewichteten Titeln bestückt. Die einseitige Ausrichtung auf kanadische Konzerne hat nicht geschadet. Im Gegenteil: Mit einem Plus von fast 100 Prozent seit Emission hat sich der Goldaktienbasket glänzend entwickelt. Vor einem Investment sollten Anleger jedoch die erstmalige Überprüfung der Zusammensetzung und das Rebalancing Ende Juli abwarten.

 

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