Argentinien fast makellos

17. Juni 2010, 16:27
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Higuain trifft dreimal, Argentinien etabliert sich mit einem 4:1 gegen Südkorea als Titelfavorit und mar­schiert ins Achtelfinale. Seine Stärke ist aber zugleich auch seine - mag sein vorläufige - Schwäche: Lionel Messi

Johannesburg - Den Lionel Messi, den man von Barcelona kennt, sucht man noch vergebens in Argentinien. Das klingt, zugegeben, ein wenig hanebüchen angesichts eines klaren und hoch verdienten 4:1-Sieges und dem wohl nicht mehr bestreitbaren Einzug ins Achtelfinale.

Aber Messi ist tatsächlich die Schwachstelle des, wenn schon nicht fraglos stärksten, so doch herausragenden Teams. An ihm dreht und angelt sich alles. Wer ihn kaltstellt - ein Sisyphos-Unterfangen, gewiss -, hat Argentinien halbwegs im Griff. Stärkere Teams als Südkorea könnten das freilich hinbekommen.

Korea hat sich wacker bemüht, es war aber zurecht für die Katz. Die 17. Minute sah ein Eigentor von Park Chu-young nach einer Messi-Hereingabe. Auch das 2:0 in der 33. Minute verdankt sich einer gefühlvollen Hereingabe Messis, die Nicolas Burdisso - in der 23. Minute für den verletzten Walter Samuel gekommen - auf Gonzalo Higuain verlängerte, der von der zweiten Stange köpflings das erste seiner dann insgesamt drei Tore (76., 80. - auch die nach Messi-Vorarbeit) erzielte.

So richtig Messi war Messi - der unermüdlich sich in den Aufbau mengte - erstmals in der 44. Minute. Da packte er gleich fünf Gegner ein, zirkelte aufs rechte Kreuz, schlug derart den koreanischen Goalie, der Schuss ging allerdings knapp vorbei. Kurz darauf, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, verkürzte Südkorea nach einem recht unansehnlichen Schnitzer von Bayern-Verteidiger Martin Demichelis. Lee Chung-yong verwertete ohne Probleme.

Dass so ein Patzer den Durchmarschplan Argentiniens zumindest behindern könnte, zeigte die zweite Hälfte. Aus dem Konter in Minute 58 hätte gut und gerne der Ausgleich resultieren können. Und dann: frage nicht.

Der südkoreanische Trainer, Huh Jung-moo, trauert dieser Szene und der in der 76. Minute, als Argentiniens Goalie Sergio Romero weit aus seinem Sechzehner musste, nach: "Argentinien hat in der zweiten Hälfte einen Gang zurückgeschaltet, da hätten wir das Spiel noch drehen können. Leider haben wir aber das zweite Tor nicht gemacht. Jetzt kommt alles auf unser Endspiel gegen Nigeria an, und darauf werden wir uns sehr gut vorbereiten."

Argentinien dagegen ist mit zwei Siegen praktisch schon im Achtefinale, also im Plan. Im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland, das den Südkoreanern 0:2 unterlag, sollte eigentlich nichts mehr passieren können.

Der Weg Richtung Finale scheint gangbar. Kurioserweise sowohl trotz als auch wegen Lionel Messi. Er ist das Um und Auf des Teams, das sich andererseits erst so richtig zusammenfinden muss. Die Kollegen - Schaufelbagger Carlos Tevez voran - haben schon gezeigt, dass sie genau das wollen. Und bei Messi besteht jede Sekunde die Gefahr, dass er zu Messi wird. Selbst wenn er, wie von den Koreanern, nicht bloß gedoppelt, sondern getripelt wird. Wahrscheinlich meint das angeblich coachende Maskottchen Diego Maradona genau das, wenn er sagt: "Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Auf dieser Linie müssen wir weitermachen." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 18. Juni 2010, wei)

Gruppe B (2. Runde):

Argentinien - Südkorea 4:1 (2:1). Johannesburg, Soccer-City-Stadion, 72.000, SR
Franck de Bleeckere (Belgien).

Torfolge: 1:0 (17.) Park Chu-Young (Eigentor), 2:0 (33.) Higuain, 2:1 (45.) Lee Chung-Yong
3:1 (76.) Higuain, 4:1 (80.) Higuain

Argentinien: Romero - Demichelis, Samuel (23. Burdisso), Heinze - Gutierrez, Maxi Rodriguez, Mascherano, Di Maria - Messi - Higuain (82. Bolatti), Tevez (75. Agüero)

Südkorea: Jung - Oh, Cho, Lee Jung-soo, Lee Young-pyo - Lee Chung-yong (81. Lee Dong-gook), Kim Jung-woo, Ki (46. Kim Nam-il), Yeom - Park Ji-sung, Park Chu-young

Gelbe Karten: Heinze, Mascherano, Gutierrez bzw. Yeom, Lee Chung-yong

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    Higuain erzielt das 2:0. Der erste von drei Treffern des Stürmers.

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