Der verhasste und bewunderte "Cato"

17. Juni 2010, 14:49

Verleger hatte Zeitung, Politik und "Volkes Stimme" im Griff

Wien - Zeitungszar und Hundestreichler, Cato und Aurelius, Kunstsammler und Kampagnenmeister: Hans Dichand, eine der prägendsten Persönlichkeiten der Zweiten Republik, ist am Donnerstag 89-jährig gestorben. Er galt als genialster Verleger der österreichischen Zeitungsgeschichte, dem stets attestiert wurde, die auflagenstärkste Zeitung des Landes ebenso im Griff zu haben wir die heimische Politik. Doch rief sein Wirken und Werken nicht nur Bewunderer auf den Plan - vielen galt er als verhasster Manipulator von Politik und "Volkes Stimme". Sein Grab am Grinzinger Friedhof hatte sich Dichand bereits vor Jahren erworben - den Grabstein, so war es sein Wunsch, wird anstatt eines frommen Nachrufs nur der Name Dichand zieren: "In meiner kleinen Welt muss das genügen."

1921 in Graz geboren

Dichand wurde am 29. Jänner 1921 in Graz als Sohn eines selbstständigen Schuhmacher-Unternehmers geboren. Nach einer Druckerlehre meldete er sich im Jahr 1940 freiwillig zur Kriegsmarine, wo er 1941 schwer verwundet wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er in die Steiermark zurück, sammelte erste journalistische Erfahrungen beim englischen Nachrichtendienst und wurde 1946 Chefredakteur der "Murtaler Zeitung". In den Jahren 1949 bis 1955 machte er die "Kleine Zeitung" zum größten Bundesländerblatt bevor er als Chefredakteur des "Kurier" nach Wien wechselte. Auch der "Kurier" wurde unter Dichands Führung zum Erfolgsblatt und zur größten Zeitung des Landes.

"Volkszeitung" "Krone"

1959 verwirklichte Dichand seine Idee einer "Volkszeitung". Mit Unterstützung des damaligen ÖGB-Präsidenten Franz Olah, der ihm den Startkredit vermittelte, und mit dem Marketingmann Kurt Falk ("Persil") für Vertrieb und Verwaltung an seiner Seite, erwarb er den Titel "Kronen Zeitung" und brachte das Blatt auf den Markt. Bereits im dritten Jahr seiner Existenz schrieb es eine Million Schilling Gewinn und konnte sich seit Anfang der 70er Jahre als die unangefochten größte Zeitung des Landes bezeichnen.

Schlacht um die "Krone"

1986 trennte sich Falk von seinem Hälfteanteil an der Zeitung, dank des Einstiegs der deutschen WAZ-Gruppe in die Zeitung konnte Dichand seinen ehemaligen Kompagnon auszahlen. Wirklich harmonisch war auch das Verhältnis mit dem deutschen Mitbesitzer nicht. Spätestens, als Dichand seinen Sohn Christoph 2001 zum Chefredakteur ausrief, krachte es im Gebälk. Langjährige Weggefährten wie Friedrich "Bibi" Dragon oder Michael Kuhn blieben in der Schlacht um die "Krone", wie das jahrelange Geschehen dramatisch, wenn auch durchaus treffend bezeichnet wurde, auf der Strecke. Ende des vergangenen Jahrzehnts kehrte etwas Ruhe ein. Die Spekulationen über einen Ausstieg der WAZ erhielten aber immer wieder neue Nahrung, zuletzt erst im Mai dieses Jahres.

Schon zu Jahresanfang gab es Berichte über Folgen der Wirtschaftskrise auf Dichands persönliches Einkommen: Demnach sollte Dichand auf seinen Vorabgewinn in der Höhe von mehr als 700.000 Euro pro Monat verzichten, um negatives Eigenkapital zum Jahresende zu verhindern. Eine Bestätigung gab es freilich nicht.

Dichand hinterlässt drei Kinder - "Krone"-Chefredakteur Christoph, Michael, Johanna - und war mehrfacher Großvater. Seine Schwiegertochter Eva führt die Gratiszeitung "Heute", wenn auch Verbindungen zwischen den beiden Kleinformaten stets vehement bestritten werden. Der Millionär und erklärte Paris-Liebhaber war darüber hinaus einer der bedeutendsten Kunstsammler Österreich. Er bewohnte eine großzügige, von Stararchitekt Wilhelm Holzbauer geplante Villa im Wiener Kaasgraben in Döbling. Daneben unterhielt er Feriensitze am Attersee neben der Familie Waldheim, in Lech am Arlberg und an der sardischen Costa Smeralda. In seiner Freizeit segelte Dichand gerne auf dem Attersee, um "mit der Natur allein zu sein", wie er erklärte. (APA)

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15 Postings
Ich wär' gern eine Banane, manchmal ...
12
17.6.2010, 16:17

"Demnach sollte Dichand auf seinen Vorabgewinn in der Höhe von mehr als 700.000 Euro pro Monat verzichten, um negatives Eigenkapital zum Jahresende zu verhindern."

Wahnsinn, echt bewunderswert ... </sarkasmus>

lightyear2000.tumblr.com
37
17.6.2010, 16:03

was soll mensch dazu sagen?
vielleicht nur eine frage stellen: wird die krone nun weniger rassistisch werden?

Elisabeth Stracherl
00
17.6.2010, 17:49
NEIN natürkich nicht

Wolfgang Stelzer
136
17.6.2010, 15:44

Jedenfalls hebn Cato und Faymann mit ihren populistischen Aktionen die ÖVP zur einzig ernstzunehmenden staatstragenden Partei mit Verantwortungsbewusstsein für das Land gemacht.
Vor allem durch den Brief an das Boulevard, aber auch mit seinem Stimmenkauf um Steuergeld (MwSt-Senkung usw.)
Die SP tummelt sich seither mit den übrigen Parteien im Teich der billigen Populisten.

devianz
00
17.6.2010, 18:50

und die wahlgewinne für herrn schüssel und haider durch cato haben sie einfach ignoriert, oder wie?

byron sully
21
17.6.2010, 18:31
aha,

und war das menschenverachtende vorgehen von platter und fekter gegen arigona zogaj nicht genauso ein kniefall vor dichand?

belgarion666
 
00
18.6.2010, 15:15
meiner ansicht nach nicht

es wäre vielmehr ein kniefall vor den übrigen medien gewesen erneut geltendes recht wegen des medialen drucks zu missachten.
diese unsitte hat in österreich bereits mit der affäre um poigenfürst-ukh-lorenz-böhler begonnen, und reißt seither nicht ab. die medien haben begriffen wie es funktioniert, und nutzen in wahrheit menschen wie die zogajs aus, ums sie zu manipulieren.

Synchronschachklub "Rudolf Nurejew"
00
17.6.2010, 18:29

glauben sie, der VP genügt es, ihre stammklientel - bauern, beamte, industrielle und kammerlich vertretene selbständige - zu bedienen, um ihre mandatszahl zu halten?

cat /dev/rnd > derstandard.at
01
17.6.2010, 17:42

leider hast du recht ... leider.

hxx.c
03
17.6.2010, 17:20
ja genau

wenn sie mit staatstragend meinen, dass man prinzipiell einmal gegen alles ist, dann haben sie natürlich recht.
und mit populismus meinen sie wohl auch die övp definition: "alles, was die dummen dummen menschen, denen wir die welt erklären müssen, gut finden"
die övp ist nicht staatstragend. sie trägt eine kleine minderheit von spitzenverdienern und wirtschaftsinteressen. den staat untergräbt sie wenn es in ihrem interesse ist (siehe schüssel/grasser).
schauen sie sich mal die arbeit der derzeitigen regierung genauer an, schauen sie, was die einzelnen minister so machen. vielleicht fällt ihnen was auf.

Karl Zechenter
12
17.6.2010, 15:27

wann kommt der nachruf mit gebührender würdigung von günther traxler? das muss der anlass dem standard schon wert sein

mstislav raskachlovitsch
03
17.6.2010, 15:15
...wäre dei WAZ gestern ausgestiegen.....

....hätten sie dafür noch das dreifache von heute bekommen......(aber: die Gier is wos schiaches.....)

Synchronschachklub "Rudolf Nurejew"
32
17.6.2010, 15:04
der hüter der österreichischen realverfassung ist tot

was ist ein bundespräsident im vergleich zu dichand?

viet
138
17.6.2010, 15:38
Ein weitgehend angesehener Mann!

Synchronschachklub "Rudolf Nurejew"
03
17.6.2010, 15:50

der nunmehr verstorbene war nachbar der waldheims am attersee. wer war mehr angesehen bzw. weniger umstritten: waldheim oder dichand?

dichand hat politik gemacht. möglicherweise mehr als jeder bundespräsident seit renner.

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