Brasilien-Spiel mit 17-stündiger Verspätung ausgestrahlt

17. Juni 2010, 15:16
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Angst vor Ausschreitungen: 2005 flogen nach Heimniederlage Flaschen und Sitze

Obwohl Fußball Nordkoreas Nationalsport ist, durften die Fans die Niederlage ihrer Nationalmannschaft gegen Brasilien erst am Mittwoch im Fernsehen sehen. Die staatliche TV-Anstalt zeigte schließlich doch noch eine Aufzeichnung der Partie, in der sich die asiatische Mannschaft eine Halbzeit lang erfolgreich gegen den Fünffachweltmeister zur Wehr setzte.

Die Angst vor Live-Übertragungen dürfte begründet sein: Beim Qualifikationsspiel gegen Iran im März 2005, das die nordkoreanische Auswahl daheim 2:0 vergeigte, flogen Flaschen und Plastiksitze auf das Spielfeld des Pjöngjanger Kim-Il-Sung-Stadions.

Berichte, dass die nordkoreanische Fernsehanstalt KCTV die Aufzeichnung mit kreativer Montagetechnik zu einem 1:0-Sieg umgestaltet hätte, stellten sich allerdings als Fälschung heraus.

Chinesische Nordkorea-Fans

Dass das nordkoreanische Sportministerium die von der FIFA gelieferten Tickets für alle Spiele der Nationalmannschaft (1400 je Begegnung) an die Agentur "China Sports Event Management Group" weitergab, löste bei den Organisatoren Verwunderung aus. Offizielle Begründung: nur wenige Nordkoreaner können sich Flug und Visum leisten.

Agenturmeldungen zufolge sollen sich unter der chinesischen Fantruppe bekannte Schauspieler und Sänger befinden. Der 40 Mann starke DPRK-Fanblock, der beim Brasilien-Spiel das Team anfeuerte, soll laut Angaben der nordkoreanischen Botschaft in Südafrika hingegen echt sein. Man habe sich "in letzter Minute entschlossen", 200 Staatsbürger zur WM zu schicken.

Einigen Journalisten gelang es sogar, die weitgereisten Fußballanhänger mit Hilfe eines nordkoreanischen Reporterkollegen anzusprechen. Fragen zur Finanzierung der Reise blieben unbeantwortet, aber DPRK-Fan Sun Woo-ryong sagte zur südkoreanischen Agentur Yonhap, er sei ein normaler Arbeiter und habe sich freiwillig für die Reise gemeldet.

Andere Fans gaben an, die Regierung habe die Gruppenmitglieder sorgfältig ausgewählt. Sie hätten einander vorher nicht gekannt, seien über Peking angereist und würde so lange wie ihre Mannschaft in Südafrika bleiben, sagte Kim Yong Chon zu Los Angeles Times. (bed)

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    Nach der Heimniederlage gegen Iran flogen im Pjöngjanger Stadion Flaschen und Plastiksitze

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    Dank aufmerksamer Zuschauer (links im Bild)  gelang es der Polizei aber, einen Unruhestifter festzunehmen

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    Sogar einen Cheerleader hat der Nordkorea-Fanblock mitgebracht.

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    So sieht es aus, wenn Nordkorea die Fanmassen mobilisiert: zu den Asien-Spielen 2002 im südlichen Nachbarland reisten 360 junge Damen an. Exilanten zufolge landeten mehrere von ihnen im berüchtigten Lager Daeheung, weil sie sich nach ihrer Rückkehr nicht an das von der Regierung auferlegte Sprechverbot hielten

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