Wegbegleiter und Kritiker über Dichand

17. Juni 2010, 14:31
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Faymann: Ohne Dichand Erfolgsgeschichte der "Krone" nicht vorstellbar - Mahr: "Echte Volkszeitung"

Wien - Der am Donnerstag gestorbene Hans Dichand polarisierte Zeit seines Lebens. Nachfolgend Stimmen und Zitate über Dichand von Wegbegleitern und Kritikern aus der jüngeren Vergangenheit:

Werner Faymann, Bundeskanzler, SPÖ-Chef:

"Etwa drei Millionen Leserinnen und Leser halten und hielten der 'Kronen Zeitung' über Jahre hinweg die Treue, was weltweit beispiellos ist. Gelingen konnte das nur durch die besondere Bindung zwischen Leser und Zeitung und dem regen Meinungsaustausch, dem durch umfangreiche Leserbriefseiten Raum gegeben wird. Ich schenke beim Lesen der 'Kronen Zeitung' den Leserbriefseiten besondere Aufmerksamkeit. Die Leser selbst zu Wort kommen zu lassen und somit den Kontakt zwischen Zeitung und Leser zu verdichten, ist bestimmt eine der Ideen, die die 'Krone' so erfolgreich gemacht haben. Ohne Hans Dichand und seine jahrzehntelangen Weggefährten wäre die Erfolgsgeschichte der Zeitung nicht vorstellbar."

Hans Mahr, Medienmanager und ehemaliger Geschäftsführer der "Krone":

"Dichand hat mit der 'Kronen Zeitung' ein Medium geschaffen, das von der Größe und vom Einfluss her in Europa einzigartig ist. Hans Dichand hat immer postuliert, dass seine 'Krone' im 'Vorhof der Macht' ist. Natürlich ist da etwas Koketterie dabei. Aber der Grundsatz stimmt. Für ihn sind immer die Leser entscheidend und deren Interessen - und auch nur solche der 'gefürchteten' Krone-Kampagnen waren erfolgreich, die auch tatsächlich die entsprechende Stimmung der Menschen getroffen haben. Hans Dichand und seine 'Krone' mit drei Millionen Lesern können nur Meinungen und Emotionen verstärken, zuspitzen, umsetzen - aber nicht umdrehen. Und deshalb ist die 'Kronen Zeitung' eine echte Volkszeitung."

Christian Konrad, Raiffeisen-Generalanwalt, Mediaprint-Partner:

"Hand Dichand is t die 'Kronen Zeitung'. Die Reichweite dieses Produkts ist weltweit einzigartig. Das ist vor allem auch sein Verdienst. Hans Dichand war einer der Gründungschefredakteure des 'Kurier' im Jahr 1954. Von daher rührt seine besondere Beziehung zu diesem Blatt. Zwischenzeitlich sind wir seit mehr als 20 Jahren über eine gemeinsame Verlags-Tochtergesellschaft verbunden."

Erhard Busek, Ex-VP-Minister, Institut für den Donauraum und Mitteleuropa:

"Offensichtlich bestimmt heute täglich die 'Kronen Zeitung' das Regierungsprogramm, wobei mir unverständlich ist, dass so gut wie die gesamte Politik es nicht verstanden hat, hier gegenzusteuern und eigene Positionen einzunehmen. Einzig und allein Wolfgang Schüssel ist gelungen, 2000 eine Koalition zustande zu bringen, die gegen den Willen der 'Kronen Zeitung' zustande kam. Inzwischen werden die Politiker bereits danach ausgesucht, wie sie der 'Kronen Zeitung' zu Gesicht stehen. Der Titel von Hans Dichands Memoiren 'Im Vorhof der Macht' greift zu kurz. Er ist ein Machtfaktor und ist schon lange nicht mehr im Vorhof. Die Zahl der Wallfahrten in die Muthgasse bzw. in die Bar des Hotel Bristol sind beträchtlich, wobei ich anerkennend sagen möchte, dass Hans Dichand eine gewisse Verlässlichkeit in einigen grundsätzlichen Fragen hat, was wenigstens seine Rolle in Österreich berechenbar macht. Ob das bei anderen österreichischen Massenmedien auch so ist, möchte ich dahingestellt lassen."

Ursula Plassnik, ÖVP-Nationalratsabgeordnete, Ex-Außenministerin:

"Hans Dichand hat so wenig oder so viel Macht wie ihm Politiker einräumen."

Franz Voves, SPÖ-Politiker und Landeshauptmann der Steiermark:

"Ich lese diese Zeitung seit acht Monaten nicht mehr. Ich habe meinem Pressereferenten verboten, mir auch nur zu erzählen, was drinsteht. Es scheint ja manchmal schon so, dass ich nicht gegen Schützenhöfer antrete, sondern gegen die 'Kronen Zeitung'".

Heide Schmidt, Ex-Parteichefin LIF, Institut für eine offene Gesellschaft:

"Die 'Krone' hat aus meiner Sicht das öffentliche Diskussionsniveau nachhaltig gesenkt. Sie verkauft engstirnige, kurzsichtige Reflexe als Bürgermeinung, geht sachlicher Argumentation bewusst aus dem Weg und bedient stattdessen systematisch Vorurteile. Indem sie regelmäßig Kernelemente der Demokratie wie Unschuldsvermutung, Schutz der Schwächeren gegen Stärkere, Menschenrechte, Parlamentarismus usw. polemisch und oft aggressiv in Frage stellt, schadet sie dieser. Dabei bedient sie sich antijournalistischer Instrumente, wenn sie Lob oder Tadel nicht durch Kommentare, sondern durch Gedichte, Witze oder wertende Formulierungen in der scheinbaren Berichterstattung ausdrückt. Sexismus und Frauenfeindlichkeit sind in der 'Krone' eine Selbstverständlichkeit. Die handwerkliche Professionalität der 'Krone' und der gesellschaftliche und politische Boden in Österreich haben sie zu einer Auflagenstärke geführt, die von vielen PolitikerInnen als Machtfaktor empfunden wird. Ich teile diese Meinung nicht und muss - zu meinem Bedauern - Kanzler Schüssel als Beweis anführen. Welche Rolle die 'Krone' ohne Dichand spielen wird, kann ich nicht beurteilen. Der Schaden, den sie angerichtet hat, wird uns jedenfalls noch lange beschäftigen."

Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes:

"Die 'Kronen Zeitung' hat sich für mich zu einem Medium entwickelt, das in allen Bereichen, Wirtschaft, Politik, Sport etc. mitbestimmend wirkt. Für mich ist Herr Dichand eine Persönlichkeit die nicht durch eine Wahl oder Ernennung zu Ehren gelangte, sondern durch seinen persönlichen Einsatz, sein Durchsetzungsvermögen und seinen unternehmerischen Weitblick die 'Kronen Zeitung' zum größten und weit über die Grenzen hinaus bekannten Medium entwickelt hat." (APA)

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