Bis dass der Tod sie scheidet

17. Juni 2010, 18:00
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Jede 5. Frau erlebt Gewalt durch (Ex-)Partner: ExpertInnen tagen zu massivem gesellschaftlichem Problem

Wien - Laut Studien ist jede 5. Frau im Laufe ihres Lebens zumindest einmal von Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner betroffen, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz aus Anlass einer ExpertInnentagung des Netzwerkes von Interventionsinitiativen in Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Deutschland.

Übernationale Aktivitäten

Mit-Organisatorin Rosa Logar wies auf die schweren zusätzlichen Konsequenzen des Problems hin: "Kinder sind direkt oder indirekt immer mitbetroffen. Oft werden sie selbst auch misshandelt, und sie erleiden psychische Gewalt, indem sie Zeugen der Gewalt gegen die Mutter werden." Das bleibe natürlich nicht ohne Auswirkungen auf sie, und es sei notwendig, auch Kinder vor Gewalt zu schützen.

Betont wurde die Bedeutung übernationaler Aktivitäten zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Die Tagung wurde durch Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (V), Innenministerin Maria Fekter (V), Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) und Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, eröffnet. In Österreich sind Justiz-, Innenressort und Frauenministerium im Zuge der österreichischen Gewaltschutzgesetze für die Unterstützung und Prozessbegleitung der Opfer von Gewalt durch Interventionsstellen und Gewaltschutzzentren zuständig.

Nicht immer ernst genug genommen

Allerdings klafft zwischen Legistik und Realität manchmal eine Lücke. Immer wieder komme es im Bereich Gewalt in der Familie zu Morden und Mordversuchen an Frauen, insbesondere wenn diese versuchen, sich zu trennen, hieß es. "Österreich hat vorbildliche Gesetze zum Schutz vor Gewalt geschaffen", so Rosar Logar, "doch in der Umsetzung der Gesetze bestehen noch Lücken und Probleme." Gewalt werde nicht von allen BehördenvertreterInnen genügend ernst genommen, teilweise fehlten effektive Schutzmaßnahmen.

Immenser Schaden - auch volkswirtschaftlich

Neue Wege gehe Spanien mit umfassenden Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen. Sie enthalten eigens geschulte RichterInnen und StaatsanwältInnen, technische Schutzmaßnahmen wie Notruftelefone für Opfer und elektronische Fußfesseln für verurteilte Täter.

Die Fachleute wiesen auch darauf hin, dass Gewalt an Frauen und Kindern hohe gesellschaftliche Kosten verursacht. Dies wurde auch durch eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt. In England und Wales werden die jährlichen Kosten von Gewalt auf rund 33 Milliarden Euro geschätzt. (APA)

 

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    Gewalt gegen Frauen werde nicht von allen BehördenvertreterInnen genügend ernst genommen und teilweise fehlten effektive Schutzmaßnahmen, hieß es bei der Tagung des Netzwerkes von Interventionsinitiativen in Wien.

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