Wien bekommt Archiv für lesbischwule Geschichte

18. Juni 2010, 18:53
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Bei der Eröffnung im Österreichischen Theatermuseum wird der erste schwule Roman mit Happy End vorgestellt

Wien - Durch fast das ganze 20. Jahrhundert galt es für Lesben und Schwule, alle Hinweise auf ihr sexuelles Begehren und ihre Beziehungen zu verstecken oder zu vernichten. Über weite Strecken der Geschichte sind daher äußerst wenige Materialien aus dem Besitz der Betroffenen erhalten geblieben, dafür mehr Unterlagen ihrer Verfolgungsbehörden. Kaum eine autobiografische Zeile findet sich, dafür aber zahlreiche Untersuchungen, die Homosexualität mehr oder weniger wissenschaftlich erklären. Lesbisches oder schwules Leben bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Österreich bedeutete lebenslanges Schweigen über die eigene Sexualität und in vielen Fällen auch über die Liebe.

Mit der Gründung des QWIEN Archivs wurde nun eine Institution geschaffen, die schriftliche und materielle Zeugnisse lesbischen und schwulen Lebens einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen kann. Die Gründung des Archivs konnte durch Förderungen der Gemeinde Wien, des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, des Wissenschaftszentrums Wien sowie des Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus realisiert werden.

Erster schwuler Roman mit Happy End

"Fridolins heimliche Ehe" stammt aus der Feder des Burgtheaterdirektors Adolf Wilbrandt. 1875 erstmals in Wien veröffentlicht, wurde der Roman auch als erster schwuler Roman ins Amerikanische übersetzt. Der Wiener Professor Fridolin beschreibt darin seine Seele schwankend zwischen dem "Nordpol der Männlichkeit" und dem "Südpol der Weiblichkeit", er fühlt sich sowohl zu Frauen als auch zu Männern hingezogen, kann aber mit keinem eine glückliche Beziehung leben, weil er mit sich selbst in "heimlicher Ehe" vermählt ist. Der Roman des in Rostock geborenen und Mitbegründer der "Süddeutschen Zeitung" Adolf Wilbrandt (1837-1911), gehört heute zu den interessantesten Veröffentlichungen aus dem 19. Jahrhundert, die Homosexualität in belletristischer Form thematisieren. (red)


Termine

  • Eröffnung Archiv für die Geschichte von Schwulen und Lesben am Dienstag, 22.6.2010 um 18:30 Uhr, Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
  • "Tag der Offenen Tür" im QWIEN am Mittwoch, 23. Juni um 14:00 Uhr, Große Neugasse 29, 1040 Wien

Link

QWIEN

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    Lesben und Schwule mussten beinahe das ganze 20. Jahrhundert hindurch Hinweise zu ihrem sexuellen Begehren vernichten. Übrig aus dieser Zeit ist jedoch wissenschaftliche Literatur zur Homosexualität.

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