Weniger Rückfälle, längeres Überleben

17. Juni 2010, 10:21
posten

Rückfallrisiko mit Kombinationspräparat deutlich reduziert

Barcelona/Wien - Eine neue Behandlungsmöglichkeit, die bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) unter bestimmten Bedingungen das Risiko für Rückfälle reduziert und das krankheitsfreie Überleben verlängert, diskutierten Experten Europäischen Hämatologenkongress (EHA 2010) in Barcelona. Die Kombination von Histamin-Dihydrochlorid und Interleukin-2 (IL-2) ist die erste Therapie bei AML, die im Zeitraum ohne Krankheitssymptome nach der ersten Chemotherapie zur Vermeidung von Rückfällen wirkt. Die ersten Länder, in denen der neue Immunmodulator ab sofort verfügbar ist, sind Deutschland, Österr! eich und Großbritannien, weitere europäische Länder werden folgen. 

Unterstützung für das Immunsystem

„Es gibt einen großen Bedarf an neuen Therapieoptionen für AML-Patienten. Während Chemotherapie zunächst sehr wirksam ist und häufig nach der Therapie zu einem Verschwinden der Symptome führt, erleiden aber an die 70 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres einen Rückfall, mit schlechten Prognosen für das Langzeit-Überleben. Es gibt klare Hinweise, dass AML-Patienten mit einem intakten Immunsystem gegen Rückfälle geschützt sind. Wir waren daher auf der Suche nach therapeutisch einsetzbaren Substanzen, mit denen sich das Immunsystem von AML-Patienten so unterstützen lässt, dass der symptomfreie Zustand anhält", sagte in Barcelona der Hämatologe Kristoffer Hellstrand (Universität Gothenburg, Schweden), der den Wirkmechanismus der neuen Substanz entdeckt hat. 

„In einer Reihe von Studien hat sich gezeigt, dass IL-2 das Rezidivproblem bei AML-Patienten nicht lösen konnte. Kombinieren wir aber IL-2 mit Histamin-Dihydrochlorid, sehen die Ergebnisse ganz anders aus. Histamin-Dihydrochlorid unterstützt offenbar die immunogene Wirkung von IL-2 und die Kombination aktiviert wesentliche Komponenten der zellulären Immunität. Das Rückfallrisiko ist mit dieser Kombination reduziert, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Symptomfreiheit stabil bleibt, ist um mehr als 50 Prozent erhöht", so Hellstrand. „Histamin-Dihydrochlorid ist das erste z! ugelassene Medikament, das sich eines wesentlichen klinischen Problems von AML annimmt, nämlich dem Rückfallrisiko nach einer Erstbehandlung."

Längeres krankheitsfreies Überleben 

In einer groß angelegten Studie wurde die Histamin-Dihydrochlorid /IL-2-Behandlung mit keiner Behandlung verglichen, dies bei 261 Patienten ohne Symptome nach der ersten Chemotherapie und 59 Patienten, die bereits einmal wegen eines Rückfalls neuerlich behandelt werden mussten und danach wieder symptomfrei waren. Bei den Patienten nach der ersten Chemotherapie stieg die Dauer des leukämiefreien Überlebens im Durchschnitt von 291 Tagen ohne Behandlung auf 450 Tage nach Behandlung mit Histamin-Dihydrochlorid und IL-2. 40 Prozent von ihnen blieben nach Behandlung mit beiden Substanzen drei Jahre lang le! ukämiefrei, gegenüber nur 26 Prozent bei den unbehandelten Patienten. Bei Patienten, die bereits einen Rückfall hinter sich hatten, war die Kombination allerdings nicht wirksam.

Die AML ist eine von vier Formen der Leukämie, im EU-Raum werden jährlich rund 14.000 neue Fälle diagnostiziert, insgesamt gibt es rund 40.000 Patienten. In Österreich treten etwa 400 Neuerkrankungen pro Jahr auf. Die AML macht etwa 80 Prozent aller akuten Leukämien beim Erwachsenen aus, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Als Therapie für eine relative geringe Patientenzahl wurde Histamin-Dihydrochlorid von der EMEA der Status einer „Orphan Drug" zuerkannt. Bei der gemeinsamen Jahrestagung 2010 der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie von 1. bis 5. Oktober in Berlin sollen neue Daten zur neuen Therapie präsentiert werden. (red)

Share if you care.