Zehntausende Ultraorthodoxe demonstrieren

17. Juni 2010, 18:07

Protes gegen Zulassung von sephardischen Schülerinnen an aschkenasischer Schule

Ein Streit um eine Mädchenschule in einer israelischen Siedlung in der Westbank schaukelte sich zum Grundsatzkonflikt zwischen Orthodoxen und Weltlichen in Israel auf.

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Letzte fieberhafte Vermittlungsversuche, in die auch Staatspräsident Shimon Peres eingeschaltet wurde, waren gescheitert - Donnerstagnachmittag formierten sich zehntausende schwarz gekleidete orthodoxe Juden in Jerusalem und in Bnei Brak bei Tel Aviv zu dem, was israelische Medien im Vorfeld als "Mutter aller Demonstrationen" bezeichnet hatten. Die Polizei bot tausende Beamte auf, weil wilde Zusammenstöße mit womöglich zahlreichen Verletzten befürchtet wurden. Nach der Einschätzung mancher Kommentatoren ging Israel in eine vielleicht prägende Runde im ewigen "Kulturkampf" zwischen den Religiösen und den Nichtreligiösen im jüdischen Staat.

Schulstreit als Auslöser

Begonnen hatte alles relativ unauffällig mit einer Art Integrationsstreit in einer Mädchenschule in der religiösen West-Bank-Siedlung Immanuel. Die Direktion hatte dort die aschkenasischen, also europäisch-jüdischen, Schülerinnen von ihren sephardischen, also orientalisch-jüdischen, Kolleginnen getrennt. Eine sephardische Organisation ging daraufhin zu Gericht, und der Oberste Gerichtshof gelangte zu dem Erkenntnis, dass die Trennung diskriminierend sei und aufgehoben werden müsse.

Die Eltern der aschkenasischen Schülerinnen akzeptieren diese Entscheidung aber nicht. Denn es handle sich keineswegs um ethnische Diskriminierung oder gar um Rassismus, argumentieren sie, man müsse wie in anderen Bereichen der Gesellschaft auch beim Schulunterricht respektieren, dass die verschiedenen Gruppen auch unterschiedliche Lebensweisen hätten.

Haft für die Eltern

Dass die aschkenasischen Eltern ihre Kinder nun einfach nicht mehr in die Schule schicken, ließ dem selbst religiösen Höchstrichter Edmond Levy nun den Kragen platzen. Er legte das als Missachtung des Obersten Gerichtshofes aus und verfügte umgehend, dass die 43 widerständigen Elternpaare am gestrigen Donnerstag eine zweiwöchige Haftstrafe anzutreten hätten.

Das schaukelte sich nun rasant zu einer Grundsatzkonfrontation "zwischen den Orthodoxen und den Prinzipien des Staates" hoch, so der prominente liberale Jurist Amnon Rubinstein. Viele orthodoxe Vertreter erklärten dabei offen, dass rabbinische Entscheidungen für sie Vorrang vor den staatlichen Gesetzen hätten. "Es ist ein Kampf zwischen der Bibel und dem Gerichtsurteil" , sagte Jischajahu Eichler, ein Gemeinderat von Immanuel und Vater eines der Kinder an der Mädchenschule, "die Bibel haben wir vor 3000 Jahren bekommen, das Urteil beruht auf Gesetzen, die wir erst mit der Staatsgründung bekommen haben."

Zehn Prozent Orthodoxe

Auch eigentlich verfeindete Strömungen unter den Orthodoxen, die rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, solidarisierten sich mit den Eltern und wollten sie in einem herausfordernden Triumphzug zum Gefängnistor geleiten. Schachar Botzer, Vorsitzender der Studentenvereinigung, sprach von einer "kritischen Situation" und organisiert für das Wochenende eine Gegendemonstration der Nichtreligiösen: "Wir wollen unsere Unterstützung für das Höchstgericht und die Herrschaft des Gesetzes demonstrieren - wir sagen bis hierher und nicht weiter." (Ben Segenreich aus Tel Aviv /DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2010)

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Bagel
00
19.7.2010, 11:53

Kein Problem. Mit ein paar Palmers-Plakaten kann man die sicher in die Flucht schlagen.
Oder noch besser: ein Hologramm, das können sie nicht zerschlagen.

Tomás Borge
00
29.8.2010, 13:58
oder die NPD kann sie aufnehmen,

dort passen diese Rassisten nämlich hin.

imir
01
14.7.2010, 07:16

Jetzt stelle man sich vor, es erschiene eine Anzeige, die vor Heirat mit Juden warnt.

Karl Buschina
14
22.6.2010, 17:58
Eh keine Rassismus.,.

http://tinyurl.com/lhjczg
Israel has launched an advertising campaign urging Israelis to inform on Jewish friends and relatives abroad who may be in danger of marrying non-Jews.

Vienne2
05
20.6.2010, 20:28

ich frage mich manchmal schon ob diese religiös, patriachalisch- fundamenalistischen Vollkoffer offenbar j e d e Religion dieser Welt in Geiselhaft nehmen können. Antwort die ich mir selber gebe: ja sie können und sie tun es.

Was ich mich weiterhin frage ist, ob man all den Frauen die diesen Wahnsinn erleben müssen in den letzten Jarhrunderten die "Schneid" abgekauft hat hat. Es gibt einzelne, sehr beachtenswerte, durchaus religiöse, Vertreterinnen die ihre Stimme erheben. Aber das kann ja wohl nicht alles gewesen sein. Hoffentlich nicht...

SEFARDI
00
19.6.2010, 22:34
@Drip Drop

"welche gruppe ist nun jene, die unreligiös ist? und welche die, die religiös ist?

Säkulare Israelis sind diejenigen die in den Großstädten leben. Von beiden Gruppen also.

SEFARDI
32
19.6.2010, 21:29
Sefarden

haben übrigens mit der ,,Holocaust" nichts zu tun.
In Isreal "veredeln" sich die aschkenasi Juden als Opfer der Shoa...

Der_Klingone
00
20.7.2010, 10:59

Kann mir jemand mal erklären, wieso die Sepharden "orientalische Juden" sein sollen? Ich muss zugeben, daß ich mich nicht so gut auskenne. Aber dort wo ich herkomme (Serbien/Bosnien) bezeichnen sich viele Juden als Sepharden. Also eindeutig europäischen Ursprungs. Auch wenn die Vorfahren alle im ~16. Jahrhundert aus Spanien flohen und sich dann am Balkan niederliesen. Aber auch Spanien ist Europa.

Donald Kerabatsos
01

Orientalisch bedeutet hier "original", währenddessen Ashkenasim khasarischen Ursprungs und somit ursprünglich Konvertiten sind
("Der 13. Stamm Israels").

Austro-Spanier0
53
20.6.2010, 13:14
n Isreal "veredeln" sich die aschkenasi Juden als Opfer der Shoa...

und waren sie das nicht? Ich habe mehr als die Hälfte meiner Familie in der shoah verloren und Du?

master of puppets
03
23.6.2010, 15:10

und wegen dem hast du so eine RECHTE gesinnung (wenn man deine posts liest) ???
verkehrte welt !

T. B. Manero
16
19.6.2010, 19:18

Wahrscheinlich sind die Ultraorthodoxen und die Hamasaktivisten Brüder im Geiste.

Drip Drop
10
19.6.2010, 02:58
frage

welche gruppe ist nun jene, die unreligiös ist? und welche die, die religiös ist?

dasBeobachter.blogspot.com
24
18.6.2010, 16:06

ein vorgeschmack dessen, was israel blüht, wenn es ernsthaft frieden anstreben würde.

Der elegante Herr von nebenan
 
15
18.6.2010, 12:44

Also die 2 Staatenlösung rückt immer näher. Der eine für die jüdischen und islamischen Fundamentalisten - mit Waffenembargo ausgestattet. und der andere für die säkularen, aufgeklärten, modernen Moslems und Juden - für den Verteidigungsfall mit Waffen hochgerüstet

T. B. Manero
00
20.6.2010, 10:15
Gaza City für Rechtsradikale jeglicher Nationalität - das hat was!

So wie Manhattan oder LA im Fim "Die Klapperschlange"

Mr_Murphy
22
18.6.2010, 12:42

Gebt denen Arbeit, dann haben sie weniger Zeit zum Demonstrieren.... Gilt übrigens für den gesamten Nahen u. mittleren Osten.

kapitän nemo
49
18.6.2010, 12:40
was täten sie ohne die palästinenser??

das stellt sich manchmal die frage ob die israelische gesellschaft ohne gemeinsame bedrohung auseinanderbrechen würde.


da wurden menschen aus allen teilen der welt auf 20.000 km2 zusammengesteckt, die ausser der religion kulturell oft nur wenig gemeinsam haben, und selbst die religion oft nur am papier.

Austro-Spanier0
44
18.6.2010, 19:58
da wurden menschen aus allen teilen der welt auf 20.000 km2 zusammengesteckt, die ausser der religion kulturell oft nur wenig gemeinsam haben, und selbst die religion oft nur am papier.

an diesem Schwachsinn erkennt man, dass sie noch nie dort waren.

dasBeobachter.blogspot.com
32
18.6.2010, 15:58

die palästinenser sind nicht essentiell.
mit libyen, syrien und iran ist die auswahl an feindbildern noch groß genug.

Pepe Nero
312
18.6.2010, 12:35
"STOP THE BOMB"

Wenn man bedenkt, dass Israel über Atombomben verfügt, kann man langsam ein ungutes Gefühl bekommen.

headbang0r
20
18.6.2010, 12:21

komplizert. sind jetzt die europäisch-jüdischen aschkewasweißich ultraorthodox und die orientalisch-jüdischen sephardorinos die weltlichen? wieso ist das so? und warum genau trennt man sie in der schule?

razcoon
14
18.6.2010, 15:23
ashkenasen / sefarden

ashkenasen = vom althebräischen "aus dem deutschen raum stammend" also mittel-, ost-, und nordeuropa
sefarden = vom althebräischen "sfarad" (spanien) sind juden aus dem westen europas und aus dem nahen osten (aufgrund der inquisition in spanien sind sie in den nahen osten gewandert, der name ist erhalten geblieben)

es gibt viele gruppierungen von juden, jedoch sind die beiden die größten. beide sind je nach eigenem befinden strengreligiös, halten jedoch nicht viel voneinander.. in einer gewissen art also diskriminierung aufgrund der herkunft. jeder sieht sich als religiöser als der andere weil nach der zerstörung des ersten tempels beide voneinander getrennt wurden und das judentum unterschiedlich ausleben, die basis jedoch ist gleich!

Donald Kerabatsos
00

Ashkenas ist ein Enkel Noahs aus dem Pentateuch, mit "deutsch" hat der Begriff vorerst nichts zu tun. Und was an den Khazaren deutsch sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis, deren Nachfahren bilden die Askenasim, die sich dann in Mitteleuropa niederließen.

wero2
00
21.6.2010, 20:39

diese - die iquisition kam aber doch durch die christen, nach dem granada viel. vorher hatten doch muslims, juden und ... christen?... ein auskommen nebeneinander.
wucherzins und höllenqualen, leider keine isbn- da ichs buch nicht finde, verfügbar, aber lesenswert.
wie ma´s brauchen so drehen wirs.

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