Armin Wolf im Interview

"Schreckliche Kuhhändel" um ORF

17. Juni 2010, 17:14
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    foto: orf

    Bei HypoAlpeAdria und FPK "hätte ich schon gern paar Fragen gestellt": Wolf.

"Kopf schütteln oder weinen" bei Passagen des ORF-Gesetzes, fragt sich Armin Wolf - Montag kehrt der Anchorman aus der Bildungskarenz in die "ZiB 2" zurück

STANDARD: Was halten Sie denn vom Donnerstag beschlossenen ORF-Gesetz?

Wolf: Zumindest gibt's mal ein Gesetz und damit auch die Gebührenrefundierung, die wir dringendst brauchen. Wirklich problematisch finde ich die Online-Beschränkungen, die da in den letzten Tagen noch hineingebastelt wurden. Den ORF genau bei dem Medium zu beschränken, das künftig am ehesten junge Leute erreicht, ist schon bemerkenswert weitsichtig. Und per Gesetz vorzuschreiben, dass wir pro Woche nicht mehr als 80 Berichte aus einem Bundesland bringen dürfen - da weiss man nicht, ob man den Kopf schütteln oder weinen soll.

STANDARD: "Die nahezu hemmungslose Einflussnahme der Politik auf den ORF ist natürlich kein neues Phänomen", haben Sie 2006 in ihrer legendären Dankrede zum Robert-Hochner-Preis gesagt. Das war wenige Monate vor einer Generaldirektorenwahl. Passt er auch 2010, zwischen neuem ORF-Gesetz und rund ein Jahr vor der nächsten Generaldirektorenwahl?

Wolf: Es hat in den letzten Jahren nicht für die Informationssendungen gestimmt, das ist ja schon mal ein großer Fortschritt. Aber die Kuhhändel rund um das ORF-Gesetz, die erinnern einen an die frühen 60er Jahre. Schrecklich.

STANDARD: Die Politik interessiert am ORF nur, wie sie im ORF vorkommt, sagt Gerd Bacher stets: Trifft das die medienpolitischen Entwicklungen auch dieser Tage?

Wolf: Dieser Satz stimmt seit es den ORF gibt jeden Tag, glaube ich.

STANDARD: Sie sind Österreichs Paradezwitscherer - was fasziniert daran denn so? Und gibt man damit nicht auch - in Sachen Social Media kein Einzelfall - ein Stück Privatsphäre auf? Macht das Dauerzwitschern nicht auch extra Stress? Haben Sie schon Tweets bereut?

Wolf: Das ganz Spannende an diesen neuen Medien ist der Rückkanal - dass es wirklich zu einem Dialog oder einer größeren Diskussion mit Zuschauern kommt. Und ich bekomme auf Twitter zahllose interessante Hinweise. Aber es ist schon zeitaufwändig. An Tagen, an denen ich moderiere, sicher ein- bis eineinhalb Stunden, die mir ja vorher nicht fad war. Bei den Tweets hatte ich mich bis jetzt, glaube ich, unter Kontrolle.

STANDARD: Ist Ihnen die "ZiB 2" abgegangen - aus der Perspektive vor der Kamera?

Wolf: Ehrlich, nach 15 Jahren Nachtarbeit hält man ein paar Monate Pause ganz gut aus.

STANDARD: Aus Ihren Tweets wissen wir, dass Sie es nicht bereut haben, dass nicht Sie Karl-Heinz Grasser interviewen mussten - (blöde Frage:) Warum denn?

Wolf: Ich danke Ihnen für diese Frage, supersaubere Weste, reines Gewissen, nichts zu verbergen, für Österreich nur das Allerbeste erreicht, Nulldefizit, superprofessionell, Riesenerfolg für den Steuerzahler ... Noch mehr?

STANDARD: Gab es in der Zeit Gesprächspartner/"ZiB"s, bei denen Sie es bereut haben, gerade nicht selbst fragen oder (im TV) kommentieren zu können?

Wolf: Als innerhalb von zwei Tagen die HypoAlpeAdria in die Luft flog und die FPÖ mit dem Kärntner BZÖ fusionierte, da hätte ich schon gerne ein paar Fragen gestellt, muss ich sagen.

STANDARD: Wie arbeitet man sich nach einem Dreivierteljahr mit etwas mehr Distanz zur österreichischen Innenpolitik wieder ins Thema ein?

Wolf: Man denkt einfach dran, dass es Menschen in anderen Jobs auch nicht leicht haben.

STANDARD: Was haben Sie in der Bildungskarenz gelernt?

Wolf: Wie angenehm es ist, mit Mitte 40 das erste Mal im Leben nur Student zu sein. Großartig! Für das Inhaltliche bräuchte ich etwas mehr Platz.

STANDARD: Wird man Erkenntnisse aus dem Studium in der "ZiB 2" merken können?

Wolf: Ich hoffe schon. Ich habe mich ja in meiner Master Thesis sehr ausführlich damit beschäftigt, wie man mit politischer Information auch ein jüngeres Publikum erreichen kann. Und was ich da gelernt habe, werde ich natürlich auch in der Redaktion einbringen.

STANDARD: Sie haben ein Post-Graduate-Studium in "Creative Leadership" abgeschlossen - sind Sie für die Moderation der "ZiB 2" nicht schön langsam überqualifiziert?

Wolf: Für eine Sendung, die jeden Tag über Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und häufig auch über Sport berichtet, kann man gar nicht überqualifiziert sein. Da ist man naturgemäß immer eher unterqualifiziert.

STANDARD: Creative Leadership klingt doch recht stark nach Führungsaufgabe: Spätestens 2011 besetzt der Stiftungsrat wieder die Stellen von Generaldirektor, Direktoren, und der General danach Senderchefs, Chefredakteure ... Wär da was dabei oder sagen Sie: Ich bin so gerne Anchorman der "ZiB 2" - ich will den Job, dazu vielleicht ein paar Bücher noch, bis zur Pension machen?

Wolf: Ich bin wirklich sehr gerne "ZiB 2"-Moderator. Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass ich das nicht bis zu meiner Pension machen werde.

STANDARD: Haben Sie einen Traumjob?

Wolf: Ja, Privatgelehrter. Aber der Sponsor fehlt noch. (Harald Fidler/Online-Langfassung/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
hallowasgehtdaab
11
21.6.2010, 09:12

ich mag den wolf, aber man hat manchmal das gefühl er war in der schule immer der, der gesagt hat er hat sicher einen fünfer auf die schularbeit und dann war er aber der einzige mit einem sehr gut.

Cape Code
11
23.6.2010, 12:30
irrtum. der hat immer 5er gehabt.

dann hat er sich nach der schule ein parteibuch geholt - und schwupps, schon ging es aufwärts

KingKong Number 1
 
00
19.6.2010, 10:18
Sein engagement

Muss belohnt werden: Generaldirektor des ORF im Minimum, denn wie er selbst sagt,werden die Medien zunehmend von" Controllern und Buchhaltern" gefuehrt . Kennst Di. Aus?

A Voice
00
18.6.2010, 22:54
Welcome

back!
Freut mich sehr. Den Traumhob kann ich sowas von nachvollziehen *seufz*

Hauptsache dagegen
10
18.6.2010, 21:18

Ich mag den Typen

Ein Troll
33
18.6.2010, 17:43
Das Idealbild der

grünbürgerlichen 45-jährigen Mittelschullehrerin.

Dieser Spezies und Mentalität haben wir sehr sehr viele ungelöste Probleme zu verdanken.

Der staatstragende Arbeiter, Freiberufler und Angestellte findet weniger Gefallen an solchen, für ihn zwielichtigen, Gestalten.

Ein Troll
00
18.6.2010, 17:32
Die rot-grün-katholische

Einflussnahme hält sich in Grenzen!

Warum?

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
102
18.6.2010, 16:35
Wer ist

Armin Wolf?

philidor85
11
19.6.2010, 16:03

einer, der sogar interviews mit österreichischen politikern interessant gestalten kann

sehen sie sich ihn einmal an und vergleichen sie ihn beispielsweise mit frau thurnher

Das 21. Jahrhundert
26
18.6.2010, 15:51

Ich frage mich wirklich, wie es Armin Wolf so weit nach oben schaffen konnte. Nomalerweise werden in Österreich gute Leute nichts.

Angelika70
11
18.6.2010, 13:42

Im K*rier hat Armin Wolf auf die Frage geantwortet, ob ihm die Interviews mit KHG abgegangen sind:
"Sabbatical ist was Tolles!"

:-)

ricko
05
18.6.2010, 13:16
"supersaubere Weste, reines Gewissen, nichts zu verbergen, für Österreich nur das Allerbeste erreicht, Nulldefizit, superprofessionell, Riesenerfolg für den Steuerzahler" wolf über KHG

danke armin wolf, mit diesem zynismus hast du meine sympathien erobert

Ne Mo
11
18.6.2010, 12:00
Armin, Armin, Armin ...

... da gibt es ja noch einen; ach ja, den

ASSINGER

auch einer unserer Top-Köpfe im ORF.

florus flagrantius
111
18.6.2010, 11:44
dieser unsägliche

moderation nimmt sich selbst zu wichtig -. vor allem seit seinem r. hochner preis.

barry mccoist
03
18.6.2010, 11:42

armin wolf statt frau zimmermann

das ist wie...

das ist wie...

ottmar hitzfeld statt didi constantini

Eiapopeia
32
18.6.2010, 11:38
wenn dem herrn wolf

die arbeitsbedingungen nicht gefallen, soll er sich halt einen anderen job suchen.













ah, nein, dann müsste er ja auf den 15. monatsgehalt verzichten. und arbeiten müsste er auch.
tja, blöd aber auch.

lament
00
18.6.2010, 11:05

er soll sich wieder eine brille checken.

molekühl
74
18.6.2010, 09:58

Was ist an der "Online-Beschränkung" so furchtbar problematisch? Findet es Herr Wolf etwa so wünschenswert, dass der zwangsgebührenfinanzierte Staatsfunk wirlich alle Medien durchtränkt?
Wie wärs denn mit einer Verdoppelung der Gebühren, und dafür gibts dann noch eine ORF-Gratistageszeitung`- dann wäre wenigstens alles in einer Hand (und welcher furchtbar gute Mensch dann Chef vom Einheitsmonopol wird, wissen wir auch schon).

WFL1
51
18.6.2010, 09:37

Na, da wird ja schon der nächste
ORF-Informationsintendant hoch-interviewt...
Anmerkung an den "Creative Leader" Wolf:
Das ach so schreckliche "Null-Defizit" erlebte in den letzten Wochen ein europaweites Comeback. Sogar bis nach Griechenland hat es sich jetzt rumgesprochen, dass jahrzehntelange Budgetdefizite doch nicht so ganz cool sind... ich weiß, ich weiß: Das Null-Defizit des KHH war kein ganz echtes - aber der gute Mann hat sich wenigstens bemüht, eines hinzukriegen. Im Gegensatz zu den Finanzminister"genies" der SPÖ, für die Budgetdefizite eine mit Achselzucken bedachte Selbstverständlichkeit war...(Hauptsache, man gewinnt die nächste Wahl, alles andere interessiert nicht).

Zappelzapp
00
24.6.2010, 01:55
Die Defizite haben bekanntlich die Spekulanten angerichtet

lesen Sie denn keine Kronen Zeitung?

saka jamahatsu
00
18.6.2010, 13:48

zählt im finanzwesen jetzt auch schon der gute wille ....?

schreibsauf
21
18.6.2010, 08:46
Ich würde mir

Armin Wolf als Chefredakteur für die Nachrichten-sendungen wünschen! Könnte mir Vorstellen dass er das Format von Bacher hätte, höchste Zeit für eine Änderung!

Zappelzapp
00
24.6.2010, 01:57
Bacher hätte nie Kollegen beschimpft

und ihnen Prostitution vorgeworfen. Obwohl er selbst hoch bezahlt im Nobelpuff saß wie heute Herr Wolf.

florus flagrantius
21
18.6.2010, 11:47
sie über scchäten den

moderator masslos. - bacher ist in der tat unerreicht. vor allem weil er vieles zuliess - auch wenn es nicht seinen eigenen vorstleungen entsprach.



Schnurr
216
17.6.2010, 23:37
GOTT SEI DANK ISSER WIEDR DA!

Ein ORF ohne Wolf ist nur ein Schaf.

Wolf: Ich danke Ihnen für diese Frage, supersaubere Weste, reines Gewissen, nichts zu verbergen, für Österreich nur das Allerbeste erreicht, Nulldefizit, superprofessionell, Riesenerfolg für den Steuerzahler ... Noch mehr?

Klar mehr, wir brennen darauf! Ich kenne viele solche sauberen Westen- und es sind immer die Besten.
Die haben einen Gewissenswaschmaschine in ihr Bewusstsein eingebaut die von jeder Schuld reinigt.
Kein Gewissen - keine Schuld. So einfach ist das.

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