Zug fährt ab - Gäste stecken fest

16. Juni 2010, 20:46
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Sämtliche Türen eines Wagons defekt - Noch bevor die verdutzten Fahrgäste begreifen, was los ist, fährt der Zug schon wieder ab

Wien - Dienstagabend, kurz nach 20 Uhr, U-Bahn-Linie 3. Der "Silberpfeil" fährt in die Station Volkstheater ein, die Fahrgäste des hintersten Wagons wollen aussteigen - und können nicht. Keine der drei Türen lässt sich öffnen, weder von innen noch von außen. Noch bevor die verdutzten Fahrgäste begreifen, was los ist, fährt der Zug schon wieder ab. Ihr Glück: Bei der nächsten Station funktionieren die Türen wieder.

"Wir haben den Zug nach einer Meldung eingezogen, es muss sich um einen Fehler bei der Türmechanik gehandelt haben, das wird gerade geprüft", sagt Dominik Gries, Sprecher der Wiener Linien. Dass Kunden im U-Bahn-Zug eingesperrt sind, ist sicherheitstechnisch eigentlich das kleinere Übel: "Grundsätzlich sollte die Tür natürlich besser zu als offen sein." Der Fahrer kann das Problem nicht erkennen, er bekommt in seinem Führerstand nur die Meldung, ob Türen offen oder zu sind, aber nicht, ob es einen Defekt gibt. "Daher sollte man in so einem Fall entweder den Türnotstopp drücken oder die Sprechanlage benutzen."

Erst Anfang Mai war es zu einem schweren Unfall gekommen, als ein Fünfjähriger mit einem Fuß in der Tür eingeklemmt und über den Bahnsteig mitgeschleift wurde. Damals hatten die Wiener Linien versprochen, alle rund 4400 Türen ihrer U-Bahn-Garnituren zu überprüfen. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 17.6.2010)

  • 504 Wagen der "Silberpfeile" fahren noch in Wiens Untergrund. Gelegentlich sorgen sie dafür, dass die Fahrgäste unfreiwillig länger Kunden der Wiener Linien bleiben
    foto: standard/matthias cremer

    504 Wagen der "Silberpfeile" fahren noch in Wiens Untergrund. Gelegentlich sorgen sie dafür, dass die Fahrgäste unfreiwillig länger Kunden der Wiener Linien bleiben

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