Ein Held, der lieber tut als zaudert

16. Juni 2010, 20:14
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Dass es diese Film-Generäle, die keine Angst haben, im richtigen Augenblick auch ohne eindeutigen Befehl von oben das Richtige zu tun, in der echten Welt tatsächlich noch gibt, ist also doch mehr als eine romantisch-verklärte Vermutung. Wenn Thad Allen zu Journalisten spricht, aus der Luke des offenen Hubschraubers auf den Golf von Mexiko schaut oder Hilfskräfte koordiniert, dann sieht das zwar fast so aus wie im Film - ist aber Realität.

Allen leitet und koordiniert alle US-Hilfs- und Rettungsaktivitäten rund um die Ölpest - und auch wenn der füllige Mann mit dem grauen Schnauzbart "nur" Chef der US-Küstenwache (und nicht der legendären Marines) ist, ist der hochdekorierte Vietnamveteran heute der Archetyp des authentischen, tatkräftigen Helden in einer US-Uniform.

Der 61-jährige Admiral ist aber mehr als eine nationale Integrationsfigur im Kampf gegen einen Feind, mit dem keine Verteidigungsdoktrin rechnete: Allen ist Barack Obamas "Mann fürs Grobe". Wenn der US-Präsident verkündet, so wütend zu sein, dass er "am liebsten jemandem in den Hintern treten" wolle, ist klar, wer der Stiefel ist - der auch trifft: Die "Einladung", die am Mittwoch BP-Boss Tony Hayward ins Weiße Haus zitierte, als wäre er ein Schulbub, lief über Allens Schreibtisch.

Der Ruf eines Machers, der nicht lange fackelt, begleitet den Mann, der auf der ganzen Welt Kriseneinsätze managte, schon länger: Als 2005 Hurrikan "Katrina" über Louisiana tobte und George W. Bush planlos war, war es Allen, der tat, was getan werden musste. Seither gilt der Vater dreier Kinder zumindest in Louisiana als Held.

Freilich: Der aus Arizona stammende Sohn eines Küstenwacheoffiziers ist ein Spezialist. Er absolvierte die Akademie der Küstenwache und die MIT Management School, gilt als blendender Diplomat und kann mit Politikern wie mit einfachen Leuten glaubwürdig auf Augenhöhe reden. Auch in den "Sprachen" von heute: Allens Facebook-Seite, sein Blog und seine Youtube-Clips sind Lehrbeispiele über den zeitgemäßen Umgang mit den neuen Medien.

Groß ins Licht der Öffentlichkeit zu treten war heuer nicht sein Plan: Als Obama Allen am 1. Mai zum nationalen Ölpest-Koordinator ernannte, war in seinem Terminkalender ein Tag rot angestrichen: der 1. Juli. Da wollte Allan in Pension gehen. Doch wie es aussieht, wird Amerika seinen Helden länger brauchen. Vermutlich dringender denn je. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 17.6.2010)

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    Thad Allen, Chef der US-Küstenwache und Ölpest-Koordinator

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