Obama versinkt im Ölschlick

Christoph Prantner , 16. Juni 2010, 19:54

Präsidenten droht ähnliches Schicksal wie Carter oder Bush junior

Hast du das Loch schon gestopft, Daddy?" Das habe Malia, Barack Obamas elfjährige Tochter, den US-Präsidenten beinahe flehend gefragt, ließ das Weiße Haus unlängst verbreiten. Die Nachricht sollte zeigen, dass der oft so distanziert wirkende Obama die Ängste vor der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko ernst nimmt, dass er sich um besorgte Menschen kümmert. Und der Präsident selbst ließ danach in bisher völlig ungewohnter Sprache wissen, er wolle herausfinden, "in welchen Hintern ich treten muss", um endlich positive Nachrichten von der lecken Ölquelle vor New Orleans zu bekommen.

Jetzt, nur ein paar Tage später, ist er, um in Barack Obamas Sprachbild zu bleiben, längst selbst damit beschäftigt, seinen eigenen Hintern politisch bedeckt zu halten. Die Ölkatastrophe könnte nicht nur all seine politischen Ambitionen nachhaltig beschädigen, seine gesamte Präsidentschaft droht im Ölschlick zu versinken.

"Jimmy Carters Präsidentschaft hat die mehr als ein Jahr andauernde Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran gekillt, George W. Bushs Präsidentschaft der Hurrikan ,Kathrina', und nun ist offenbar Obama dran", analysiert Ronald J. Hrebenar, ein amerikanischer Politologe, der sich dieser Tage in Wien aufhält, die Lage ein wenig salopp. Die Amerikaner wollten einen handlungsfähigen Präsidenten sehen, der mit allem fertig werden kann. Einen Übervater, den weder Naturgewalten noch politische Widerstände aufhalten könnten. Diesem Wunschbild entspreche der Amtsinhaber derzeit wohl gar nicht.

Im Gegensatz zu Carter und Bush allerdings hat Obama im aktuellen Fall äußerst wenige Handlungsoptionen. Der Präsident ist von BP und deren Technologie völlig abhängig. Weder zivile Kräfte noch Militär verfügen in Amerika über das Know-how, die in der Tiefsee unablässig sprudelnde Ölquelle zu versiegeln. Dass der Präsident nun die Spitzen von British Petroleum antanzen lässt und ihnen einen milliardenschweren Kompensationsfonds abnötigen will, kaschiert die Hilflosigkeit Obamas nur notdürftig.

Wann immer das Bohrloch endgültig gestopft sein wird - und es spricht vieles dafür, das dies erst im August der Fall sein wird - die politischen Konsequenzen des Desasters werden so zähflüssig und schwer zu entfernen sein wie das angespülte Rohöl an den Stränden der Südstaaten.

Obamas Regierung hat nach den Erfolgen mit der Gesundheitsreform und dem Start-Abkommen mit Russland wieder den Tritt verloren. Keines der Themen wie Immigrationsreform oder Finanzmarktregulierung, die die republikanische Fundamentalopposition in Bedrängnis bringen könnten, hat in den kommenden Monaten eine Chance, in der Öffentlichkeit auch nur ansatzweise wahrgenommen zu werden.

Für die Midterm-Wahlen im kommenden November könnte das fatale Folgen haben. Ist mit dem Verlust von Ted Kennedys Sitz im Senat schon die Filibuster-sichere Mehrheit im Senat dahin, könnte jene im Repräsentantenhaus ebenso schwinden. Und Obama, einst der große Hoffnungsmann der Amerikaner, wäre vollends vom guten Willen konservativer Demokraten oder gar der Republikaner abhängig. Was diese mit hahnebüchenen Vorwürfen wie seinem Sozialismus oder seinem angeblichen muslimischen Glauben nicht geschafft haben, hätte BP erledigt: Aus einem Präsidenten, der alles verändern wollte, wäre ein Präsident geworden, der nur noch die Hände in den Schoß legen kann. (Christoph Prantner, DER STANDARD Printausgabe 17.6.2010)

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also dann ...
00
20.6.2010, 23:50
HELMUT SCHMIDT ...

brachte es in einem ARD-interview auf den punkt :
sog "charismatiker"... mag er nicht, weil sie zwar
gut mit worten verführen können - oft jedoch die ungleich wichtigeren t a t e n ... nicht folgen.

genau dies ist das dilemma von obama !

für mich ist das US-polit-system total "korrupt",
- da beide grossparteien v.d. investment- und geschäftsbanken mit mrd gesponert ... werden,
- jeder mandatar zwar wenig verdient - viele jedoch z.b.
mit lobbying = schmiergeldern der pharmaindustrie
auf mio $ gehälter kommen.
all dies ist völlig einsichtbar und offengelegt !

JA - obama
ist eine einzige enttäuschung - eben aus o.a. gründen !

santa fe
 
01
17.6.2010, 18:50

seit nixon versprechen amerikanische präsidenten das ende des öl-zeitalters. die macht ist in den händen gewissenloser megadealer, die sich die politiker kaufen und den massen ihre konsumdrogen verkaufen, wobei der planet kaputtgeht. und wenn der konsum zurückgeht, wird der krieg zwischen dem mittelmeer und indien aufgedreht.

wieder wird es einmal heissen, wie konntet ihr da mitmachen und euch nicht verweigern?

sogenannte social entrepreneurs, unternehmer mit gewissen, sind bereit, ihre gewinne in eine alternative weltordnung zu investieren, denn bald werden auch sie nichts mehr von ihren gewinnen haben.

die investition BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN wird kollaborationsverweigerung ermöglichen und die notwendige wende
erzwingen.

Prolozei
00
17.6.2010, 18:05

"Weder zivile Kräfte noch Militär verfügen in Amerika über das Know-how, die in der Tiefsee unablässig sprudelnde Ölquelle zu versiegeln."

Wir wärs einmal im Ausland nachzufragen - das ist doch eine Idee oder? Aus falschem Stolz sollte auch Herr Obama nicht darauf verzichten.

Beim österreichischen Bundesheer brauchen sie aber nicht nachfragen, weil die können sich nicht einmal mehr den Treibstoff bis zum nächsten Flughafen in Österreich leisten....

Karl Krammer
01
17.6.2010, 17:14
"Erfolg" mit der Gesundheitsreform?

das Ding hat Scott Brown erst den Senatssitz gebracht und war der erste Sargnagel für Obama auf dem Weg zum one term president. Es müßte jetzt schon ein kleines Wunder geschehen, damit die Demokraten nicht die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren und dann können die Republikaner zwar nicht das Gesetz zurückdrehen, aber es gibt dann kein Budget dafür. Gleiches Spiel wie 1994 mit Clinton. Dann hat der Präsident eine Wahl: entweder den ultralinken Kurs verlassen und eine Chance auf die Wiederwahl haben (so hat es Clinton vor 1996 gemacht) oder als Sozialist mit wehenden Fahnen untergehen (wie Carter).

Wolfgang Stelzer
112
17.6.2010, 14:43
Herr Obama => Rücktritt!

Eliaine
02
17.6.2010, 17:14
Wen hätten Sie den gern?

Sarah Palin?
Drill, baby, drill

Eliaine
05
17.6.2010, 16:33
Lächerlich!

Er tut viel mehr, als Bush je getan hätte!
Jedenfalls alles, was er tun kann.
Soll er persönlich ins Öl tauchen oder was?
Manche Menschen sind so kindisch, dass sie einen Präsidenten der USA scheinbar für eine Art Gottvater halten.

worry1
22
17.6.2010, 15:05
Soll er selber hinuntertauchen oder was?

Verbockt haben das Bush und seine Verbrecher.
Bushbaby hätte schon lange zurücktreten sollen.

trollvottel
03
17.6.2010, 14:52

Weile ein britisches Ölunternehmen einen Unfall hat, soll der US-Präsi zurücktreten?

radbab
00
17.6.2010, 14:42
qualitaetszeitung

BP heisst schon seit 2001 nicht mehr british petroleum, obwohl die amerikaner BP immer wieder (absichtlich?) so nennen. Vielleicht sollten die standard redakteure auch mal andere zeitungen lesen um so was mitzubekommen - oder auch wikipedia.

christoph hofbaur
00
17.6.2010, 14:08

wer eigenstaendig nachforschen kann, braucht ja nur die reaktion von w zu kathrina mit der obama's zur oelkatastrophe vergleichen.

da braeuchte es an sich fuer einen unabhaengigen journalisten gar keinen republikanischen politologen aus utah, desen gefaerbten ansichten man nachplappern muss..

worry1
114
17.6.2010, 13:19
Typisch

Obama ist das Beste was die USA seit Jahrzehnten zu bieten hat und gerade er muß für die vollkommen verblödeten Vorgänger büßen.
Ich kapier die Leute nicht - die Experten für Ölbohrungen sind nun mal bei den Ölfirmen - was kann Obama anderes machen, als diese unter Druck zu setzen.

Kohlhaas1
00
17.6.2010, 18:43
Was soll da das Beste sein ?

Abgesehen vom fulminanten Wahlkampf wo er mit der generellen Unzufriedenheit der Leute spielte.
Nichts was nicht Bush vor ihm in die Wege leitete hat er zustande gebracht. Die Stützungen für die Industrie hat schon Bush angekurbelt und Bankenpakete waren auch unter Bush schon im Gespräch.
Die Gesundheitsreform ist mangels Budget auch schon den Bach runter.

Nessus
01
17.6.2010, 15:49
Wie soll er sie unter Druck setzen??

Obama kann überhaupt nix machen, als mediale Feuerwerke abzubrennen. Wenn er zu sehr nervt, löst sich der Konzern "BP" einfach auf und Obama kann selber mit dem Schauferl versuchen das Loch abzudichten. Schadenersatzklagen? Es wird niemand mehr da sein, den er verklagen kann. Naja, vielleicht findet man noch einen kleinen Arbeiter, dem man die ganze Geschichte anhängen kann, aber den Schaden wird der auch nicht bezahlen.

schreibsauf
00
17.6.2010, 12:27
Hamster im Rad

Obama hat keine Autorität mehr, wenigsten nach aussen hin wäre es wichtig gewesen,aber leider,
Finanziell verbrüdert, daher peckt eine Krähe der anderen kein Auge aus!

Odo
21
17.6.2010, 12:22
"Obamas Regierung hat nach den Erfolgen mit der Gesundheitsreform und dem Start-Abkommen mit Russland wieder den Tritt verloren." Ob die Gesundheitsreform und der Start-Vertrag ein Erfolg werden wird sich erst noch zeigen.

Der Gesundheitsreform steht weiter eine Mehrheit der US-Bürger skeptisch gegenüber und sie tritt außerdem erst weitgehend in 2014 in Kraft. Der Start-Vertrag muss erst noch in USA und Russland von den jeweiligen Parlamenten ratifiziert werden.
Im übrigen ist Präsident Obama schon seit über einem Jahr "aus dem Tritt". Das begann Ende Mai 2009 mit der Verstaatlichung von GM. Danach kamen seine Umfragewerte erstmalig ins Rutschen und das ging dann insbesondere durch die Debatte um die Gesundheitsreform, die ausufernde Staatsverschuldung und die nur zögerliche Erholung am US-Arbeitsmarkt weiter. Daher werden die letztgenannten Themen die Hauptgründe sein, wenn die Demokraten bei den Wahlen am 02.11. verlieren und weniger die Folgen der Ölpest.

Kohlhaas1
00
17.6.2010, 18:45
Was nützt Obama ein Strat Vertrag, wenn der noch von den Häusern abgesegnet werden muß ?

Ich denke , von US Seite wird der erst in Kraft treten, wenn das Geld alle ist und die Amis sowieso sparen müssen.

yomellamo
11
17.6.2010, 15:44

.... Obama leidet halt an allem Mist den Bush Jr. angehaeuft hat.

Sinfioetli
01
17.6.2010, 12:55

wer dich nicht durchschaut ist selber schuld

Alfred Jodelhuber
 
15
17.6.2010, 11:18

Also so schlecht war das Schicksal von W. für ihn nicht. Er wurde immerhin wiedergewählt. Für das Land war das aber ein böses Schicksal.
Obamas Probleme sind größtenteils von W. verursacht. Krieg, Pleite und keinerlei Kontrolle der Ölindustrie. Yes, we are screwed.

C18H27NO3
15
17.6.2010, 13:41

W hatto unglaubliches "glück" dass es die anschläge vom 11.sept gab. Vorher war der doch nur eine lachnummer weil er eh nichts auf die reihe bekam, 1/3 der zeit im urlaub verbrachte und ihm die sekretäre erklären mussten was er tun soll und wie man das telefon bedient....

Augenausstecher
 
92
17.6.2010, 11:15
vielleicht kommt man jetzt endlich drauf dass "change" und eine schwarzer allein noch keine politischen inhalte sind.

johannes schenk1
02
17.6.2010, 14:07
sie meinen damit ein weißer, der ruft

"lassen wir alles beim alten" hätte nicht mit der ölpest zu kämpfen?
oder was genau?
dass obama mehr wollte als "change" zu rufen, nämlich "change" zu beginnen (gesundheit, weltpolitik usw) hat er ja wohl schon bewiesen.

Ho Chi Minh - Huckleberry Finn
95
17.6.2010, 10:45

Obama ist und bleibt ein Dummschwätzer.

josef nudlsuppn
02
17.6.2010, 09:40

... man stelle sich nur einmal vor wie george dubbleju auf diese krise reagiert haette ...

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