Keine Angst vor dem Riesen

16. Juni 2010, 19:12
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Viele Europäer fürchten, marginalisiert zu werden, wenn es heißt, Chinas Wirtschaft werde um bis zu elf Prozent wachsen

Jedes Mal, wenn China mit atemberaubenden Zahlen die Wirtschaftsnachrichten dominiert, reagiert ein Teil der europäischen Öffentlichkeit entsetzt. Denn viele Europäer fürchten, marginalisiert zu werden, wenn es heißt, Chinas Wirtschaft werde um bis zu elf Prozent wachsen. Investiert China Milliarden in Afrika, folgt der Aufschrei, Peking betreibe Neokolonialismus. Wagt es China dann noch, Öl, Kohle und Erze für seine Produktion einzukaufen, wird sofort vor dem "roten Rohstoffriesen" gewarnt.

Die Furcht vor China entspringt einem Konkurrenzdenken, wonach die Welt aus lauter einander feindlich gegenüberstehenden Staatenblöcken besteht. Das rasante Wachstum in China ist jedoch eine gute Nachricht. In den 90er-Jahren lebten 60 Prozent der Chinesen in Armut, heute sind es 16 Prozent. Chinas Boom gilt als erfolgreichstes Modell zur Armutsbekämpfung in der Weltgeschichte.

Positiv ist auch, dass der Außenhandel Chinas so rasant wächst. China ist größter Investor in Afrika, und der vom Westen sträflich vernachlässigte Kontinent kann jeden Cent bitter gebrauchen.

China hat noch einen weiten Weg vor sich, die horrende Umweltverschmutzung und fehlende Innovation sind nur einige Beispiel für die vielen Probleme des Landes. Doch es ist gut, dass Wohlstand kein Privileg des Westens mehr ist. Europa täte gut daran, China als große Chance zu begreifen -auch aus purem Eigeninteresse. (András Szigetvari , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.6.2010)

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