Musikrundschau ohne Sensationen

17. Juni 2010, 17:13
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Neue Alben von The Drums, Kele und dem Gogol Bordello

THE DRUMS
(Cooperative/Universal)

Das bübische New Yorker Quartett mit den adretten schiefen Frisuren und den dünnen Beinchen und engen Hosen wird gerade als neueste Sensation der Indie-Szene durch die Dörfer getrieben.

Der Jubel über ihre musikalische Schöpferkraft ist allerdings maßlos überzogen und verdankt sich neben hysterischen Bloggern und der britischen Musikpresse vor allem einer Tatsache. Bei entsprechend schäbiger Produktion in besserer Demo-Qualität als Marketinginstrument des Schnellen, Dringlichen und Authentischen basiert jeder einzelne Ton auf historischen Referenzen.

Die Bassläufe kennt man mitunter von New Order. Die klassische New Wave wird ebenso geplündert wie früher Synthie-Pop. Die Melodieführung und das rudimentär talentierte Spiel des Gitarristen würde sich gern auf Morrissey und The Smiths berufen - oder wenigstens auf die dumpfesten Songs von The Cure schielen. Der Gesang und die Texte leiden an Magersucht. Ein wenig modisches Afrika weht es dann auch noch durch die Songs.

Alles miteinander klingt dann aber trotzdem so arm, dass man diesem Dilettantismus nicht einmal noch ein Wollen unterstellen kann. The Drums werden gerade als die neuen Strokes für die Zehnerjahre gehandelt. Man möchte weinen. Sie werden damit durchkommen.

KELE
The Boxer

(Cooperative/Universal)

Kele Okereke, Sänger der einst scharfen, schnellen und gitarrenlastigen, zuletzt zunehmend glatter, schwerfälliger und progressiver Richtung Radiohead gewordenen britischen Band Bloc Party, wagt auf seinem Soloalbum den kompletten Stilbruch. Gemeinsam mit US-Avantgarde-HipHop-Produzent XXXchange von Spank Rock entstanden so wuchtige wie angriffslustige elektronische Tracks, die auf den Dancefloor zielen und nicht immer den leidenden Soul-Singsang in den Mittelpunkt rücken. Das klingt etwas bemüht, allerdings als Befreiungsschlag auch sehr sympathisch.

GOGOL BORDELLO
Trans-Continental Hustle

(American Recordings / SonyBMG)

Eugene Hutz und seine fast schon im Klischee erstarrten New Yorker Balkan-Beat-Punker geben sich unter der Regie Rick Rubins wertkonservativ, aber textlich revolutionär im Sinne Manu Chaos. Die neuerarbeitete Dritte-Welt-Romantik wird leider schnell langweilig. (schach / DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2010)

 

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