Europaweit einzigartig

16. Juni 2010, 18:08
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Künftig wird es weniger Automaten geben, und die, die es gibt, werden strenger kontrolliert

Europaweit einzigartig" sei es, der Spielerschutz werde dadurch "deutlich verbessert" - so schwärmt Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) über das neue Glücksspielgesetz. Teilweise hat er völlig recht: Einzigartig ist es bestimmt.

Gibt es sonst ein Land in Europa, in dem eine Verzwanzigfachung der Einsätze an Automaten (zehn Euro statt 50 Cent) als "deutlich besserer Spielerschutz" verkauft wird? Ein Land, in dem sich die Regierenden erst nach Jahren dazu durchringen, eine Alterskontrolle in Automatensalons vorzuschreiben, und das dann als "international neuen Maßstab" preisen? Ein Land, das ein neues Glücksspielgesetz erlässt, ohne vorher auch nur eine einzige repräsentative Studie über Spielsucht durchzuführen? Oder ein Gesetz, das das Onlineglücksspiel gar nicht erwähnt, obwohl es boomt und Experten es gerade für Jugendliche für gefährlich halten? Sicher: Künftig wird es weniger Automaten geben, und die, die es gibt, werden strenger kontrolliert. Wieso an diesen aber gleichzeitig so drastisch mehr verloren werden darf, das weiß nur die Glücksspiellobby.

Die SPÖ jubelt zwar nicht, will aber dem Entwurf ebenso zustimmen wie FPÖ und BZÖ. Nur die Grünen leisten erbitterten Widerstand und fordern dabei die schlechteste Lösung: Sie wollen das Automatenglücksspiel verbieten - und damit der Mafia überlassen. So dringend nötig das neue Gesetz war, so grandios ist es danebengegangen. (Tobias Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.6.2010)

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