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Munitionsreste auf dem Gelände der Universität Jelal-Abad, die durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt wurde
Jorkischlok - Verzweifelt drängen sie sich am Stacheldraht. Hunderte Menschen, die den Unruhen in der südkirgisischen Stadt Osch entkommen sind, hoffen auf Rettung in Usbekistan - wie Zehntausende vor ihnen. Doch das Nachbarland hat seine Grenze am Montag dicht gemacht. Nur für rund 60 Verletzte öffneten sich die Grenzübergänge. "Unsere Dörfer wurden vollständig niedergebrannt. Warum dürfen nicht auch wir das Land verlassen", flehen die Flüchtlinge.
Im Grenzgebiet dienen Schulen und Feriencamps als Auffanglager für Menschen aus Kirgistan, die vor der Gewalt gegen die usbekische Minderheit geflohen sind. Die Vereinten Nationen schätzen ihre Zahl auf mehr als 100.000, die meisten von ihnen sind usbekischer Herkunft. Es seien viel zu viele, sagt ein Lehrer. Man könne sie doch nicht alle in der usbekischen Grenzregion aufnehmen. "Wenn sie hierher kommen, dann verhungern wir hier bald alle."
Mutulla Imakow ist einer von ihnen. Der 26-Jährige sitzt auf kirgisischer Seite fest. "Mein Bruder wurde von einem Heckenschützen in den Kopf geschossen. Er war nur 25 Jahre alt. Zwei kleine Jungen hinterlässt er." Scharfschützen hätten viele Menschen getötet, sie hätten sie in den Kopf geschossen, ins Herz.
Schreckliche Geschichten sind zu hören - von Vergewaltigungen, von getöteten Kindern. "Sie haben ein totes Baby an einer Ampel aufgehängt", berichtet Muchajo Matkarimowa, eine 55 Jahre alte Frau im Flüchtlingslager. Und während sie spricht, spielen in der Nähe Kinder Tischtennis - unter strenger Bewachung durch usbekische Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen.
Niemand weiß genau, woran sich die Unruhen vergangene Woche entzündet haben. Niemand weiß, wie viele Menschen ums Leben gekommen sind. Niemand weiß die Zahl der Flüchtlinge.
Seit vergangenem Donnerstag wurden offiziellen Angaben zufolge mehr als 170 Menschen getötet. Ihre tatsächliche Zahl könne aber weitaus höher liegen. Die UN meinen, dass sich nach fünf abgestimmten Anschlägen die Gewalt in Osch Bahn brach.
Ihr Onkel sei in der Stadt verletzt worden, berichtet Marschai Dilajewa. "Zwei Soldaten haben in die Luft gefeuert", sagt die 56 Jahre alte Usbekin. "Aber einer hat auf mich geschossen. Er hat dabei gelacht."
Ein Sanitäter, der Verletzte über die Grenze brachte, berichtet von zahlreichen Frauen, die vergewaltigt wurden. Eine habe am ganzen Leib gezittert. Sie sei ins Krankenhaus in Andischan in Usbekistan gebracht worden. "Wir versuchen, sie zu beruhigen. Sie steht unter Schock, sie hat völlig die Kontrolle verloren."
"Bitte beendet das Blutvergießen"
In Osch berichten Anwohner von Schüssen auch in der Nacht zu Mittwoch. Die von ausgebrannten Autowracks gesäumten Straßen wirken wie ausgestorben. "Tod den Usbeken", hat jemand mit roter Farbe an die Häuserwände geschrieben. Usbeken und Kirgisen machen sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Nun herrscht eine sehr angespannte Ruhe.
In der Hauptstadt Bischkek wehen die Flaggen auf Halbmast. "Bitte beendet das Blutvergießen", sagt Waleri Tschulkin, ein Anwohner. "Es ist genug Blut geflossen. Was im Süden geschieht, ist einfach unglaublich." (Reuters)
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